La fin du Silence (2011)

La fin du Silence (2011)

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  3. 80 Minuten

Filmkritik: We need to talk about Jean

"Junge! Warum hast nichts gelernt"
"Junge! Warum hast nichts gelernt" © Studio / Produzent

Eine sechsköpfige Familie lebt auf einem schönen Anwesen inmitten eines Waldes. An einem unscheinbaren Morgen will Sohn Jean (Franck Falise) aber nicht aus den Federn. Auch als die Mutter droht, ohne hin mit dem Auto loszufahren, macht er immer noch keine Anstalten, das Bett zu verlassen. Es bricht ein wüster Streit aus, worauf Jean das Haus verlässt und in den Wald spazieren geht. Wenig später taucht der Jäger Nils (Thierry Frémont) auf und fragt nach Jean, den er gerne in seinen Jagdverein aufnehmen möchte. Doch dies sollte sich noch als ein Fehler herausstellen.

"Guck dir den Dieter an. Der hat sogar eine... Waffe?!"
"Guck dir den Dieter an. Der hat sogar eine... Waffe?!" © Studio / Produzent

Nachdem Jean bei seinem ersten Ausflug mit dem Gewehr gleich ein Reh erlegt, ist ein gewisser Killerinstinkt nicht mehr zu leugnen. Als in der Nacht darauf das Auto seiner Familie in Flammen aufgeht, wird ihm die Schuld zugewiesen. Wutentbrannt bricht er ins Haus von Nils ein und schnappt sich eine Waffe. Während Nils das Gespräch mit der Familie sucht, lauert Jean im Wald. Wer wird dran glauben müssen?

La Fin du Silence ist nicht der erste Film, welcher bei der 64. Ausgabe des Cannes-Filmfestivals lief und das Thema "Böse Kinder" zum Thema hatte. Schon in We need to talk about Kevin musste sich eine Familie mit ihrem Kind auseinandersetzen. Nahm man sich dort jedoch Zeit, das Umfeld dieses Kindes schön aufzuzeichnen, vernachlässigt Regisseur Roland Edzard dies sträflich und landet so deutlich hinter dem Streifen von Lynne Ramsay.

Wie ist das Verhältnis zwischen Nils und Jean? Ist er sein Sohn? Wieso ist der älteste Sohn so fies zu Jean? Alles Fragen, die man sich während des Filmes stellt und auf die man keine Antworten bekommt. Die Figuren wissen, wo sie im jeweiligen Stammbaum hingehören, wieso wird dies dem Zuschauer vorenthalten? So ist es schwierig, das Verhalten des vermeintlichen Amokläufers zu verstehen, und es ist einem recht egal, auf wen er denn am Ende seine Waffe richten wird.

Die Stille vor dem Sturm fängt Edzard jedoch grandios ein. Er, der selbst einen Teil seiner Kindheit in den Wäldern von Vosges verbracht hat, weiss genau, wie er diese Umgebung effektiv einsetzen kann. Aus dem Dickicht könnte jederzeit eine Kugel kommen, die ihre zerstörerische Wirkung nicht verfehlen wird. Clever von Edzard, dass er seine Hauptfigur Jean gleich mit ihrem ersten Schuss zum Killer und damit noch unberechenbarer für den Zuschauer macht.

Kurz vor Schluss kommt es dann natürlich zur Konfrontation und auch zu ein paar Schüssen. Doch das Ergebnis davon lässt einen nicht etwa erschüttert zurück, sondern man kann sich ein Lachen nicht verkneifen, denn dies was man noch vor dem Abspann zu sehen kriegt, ist mehr als nur unfreiwillig komisch. Während also der Mittelteil durchaus sehenswert ist, weisen die Einführung und das Ende einfach zu viele Schwächen auf, um den ersten Langfilm von Roland Edzard als gelungen zu bezeichnen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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