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Flying Home (2011)

Flying Home (2011)

Oder: Wow, der WOW

"Nur noch ein paar Minuten, Mutti."

"Nur noch ein paar Minuten, Mutti."

Für Walter Otto Wyss' Neffe Tobias ist der Onkel ein Rätsel: Er hat ihn noch als Jugendheld in Erinnerung, doch viel mehr ist da nicht. Als Walter auf Hawaii stirbt, hinterlässt dieser nicht nur viel Geld, sondern auch viele Erinnerungsstücke, wobei der Grossteil davon unzählige Fotos sind. Anhand dieser und jeder Menge Briefen versucht Tobias das Leben seines Onkels nachzukonstruieren und zu verstehen, wieso dieser so handelte, wie er es getan hat.

Viele Bilder, viele Fragen.

Viele Bilder, viele Fragen.

Auf den ersten Blick scheint die Auswanderung nach Amerika in den Dreissigerjahren nicht gerade plausibel. Hat es vielleicht damit zu tun, dass er einen Velofahrer mit seinem selbstgebauten Auto getötet hat? Wieso aber hat er dann bei Ford angeheuert und war dort als Ingenieur tätig? Auf jeden Fall hat er dort das erste Hybridauto entwickelt, das mit Elektrizität und Benzin fahren konnte. Doch durchgesetzt hat sich dieses damals nicht, und Walter lebte sein Leben daraufhin in Japan weiter - in die Schweiz kehrte er nicht mehr allzu oft zurück.


Film-Rating

Dokumentationen müssen nicht zwangsläufig über Personen sein, die im Rampenlicht stehen oder standen, sondern können auch über weniger bekannte Menschen gedreht werden. Das Problem daran ist allerdings, dass das Interesse des Zuschauers schwieriger zu gewinnen ist als bei einer "herkömmlichen" Biographie. Tobias Wyss hat es trotzdem gewagt mit Flying Home - einem Film über seinen Onkel Walter. Zu Beginn ist das sehr interessant, da Themen wie die Entwicklung des ersten Hybridautos beleuchtet werden. Der zweite Teil, der unter anderem im Zeichen der Liebe steht, kann da leider nicht mithalten.

Dafür ist Flying Home über die gesamte Spielzeit angenehm erzählt und versucht nicht, mit allzu vielen Spieleieren zu verwirren. Dass man letzten Endes nicht ganz hinter den Menschen Walter Otto Wyss sieht, ist sicherlich beabsichtigt, da dessen Handlungen ebenfalls etwas seltsam wirkten. Die Erziehung durch seine Mutter und ein schlimmes Ereignis hatten da wohl einen grossen Anteil. Doch bleibt im Film letzten Endes vieles zu nebulös und ohne klare Aussage.

Wenn jedoch etwas klar ist, dann die Tatsache, dass seine ständigen Wohnwechsel etwas mit Davonlaufen zu tun hatten - obwohl man nicht genau weiss wovon. Das viele Geld, welches er hatte, erlaubte ihm diese Flucht und damit, die ganze Welt zu sehen, was der Doku wiederum genug Abwechslung bringt mit jeder Menge interessanten Bildmotiven und vielen verschiedenen Interviewpartnern.

Fazit: Flying Home ist ein Film über einen freien Mann auf der Flucht. Tobias Wyss versuchte Antworten zu finden auf die vielen Fragen, die seinen Onkel umgeben. Dass er nicht viele findet, mag zwar für einige frustrierend sein, doch trotzdem bietet der Film auch dank seiner kurzen Laufzeit von 80 Minuten und vielen interessanten Interviews kurzweilige Unterhaltung für Freunde des klassischen Dokumentarfilmes.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

05.12.2011 / crs

Community:

Bewertung: 4.0 (2 Bewertungen)

 

 

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