Fenster zum Sommer (2011)

Fenster zum Sommer (2011)

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  2. 96 Minuten

Filmkritik: Wir machen's nochmal

Was, du kannst Finnisch?
Was, du kannst Finnisch? © 2011 PROKINO Filmverleih GmbH

Was zum Teufel ist hier bloss los? Gerade eben ist Juliane (Nina Hoss) in den Armen ihres neuen Freundes August (Mark Waschke) eingeschlafen. In einem Auto, das in einem Wald in Finnland steht. Es ist Sommer, aber als Juliane erwacht, ist es wieder tiefster Winter. Sie liegt auf dem Bett ihrer alten Wohnung in Berlin, hört die Stimme ihres ehemaligen Freundes Philipp (Lars Eidinger). Tatsächlich benimmt der sich noch so wie damals, im Februar, als das Paar sich wieder einmal in einer Krise befand, aber noch ein Paar war.

Ich habe ein Zeitproblem ...
Ich habe ein Zeitproblem ... © 2011 PROKINO Filmverleih GmbH

Wieso oder warum auch immer dieser Zeitsprung passierte: Juliane bleibt keine Wahl, als das Spiel mitspielen. In ihrem Kopf verharrt ein fixes Datum: 12. Mai. Da wird sie August zum ersten Mal treffen. Gleichzeitig ist dieser Tag verknüpft mit einer Tragödie. Juliane beschliesst, das Schicksal zu beeinflussen, und den ahnungslosen August bereits vorher kennenzulernen.

Das Aushebeln der Dimension Zeit hat uns schon so viele interessante Kino-Erlebnisse beschert. Von Zurück in die Zukunft über Und täglich grüsst das Murmeltier bis zu Lola Rennt fanden alle ihre eigene fantastische Variante des Zeitsprungs. Fenster zum Sommer setzt auf eine unspektakuläre Form: Der Film katapultiert seine Hauptfigur einfach ein halbes Jahr zurück.

Der simple Kniff verfehlt seine Wirkung nicht. Julianes direkte Reflektion eines bereits abgelaufenen Zeitabschnittes ist vielschichtig und interessant mitzuverfolgen. Mitunter ist das auch witzig, etwa wenn sie die leeren Wortphrasen des Immobilienmaklers vorspricht. Im Kern aber findet sich der Ernst der Lage wieder, den Juliane nicht ausblenden kann. Immer mehr sieht sie sich mit der schweren Aufgabe konfrontiert, das eine wesentliche Ereignis in die Wege zu leiten, ein anderes jedoch zu verhindern.

Aber kann man das Schicksal ändern, erzwingen, oder gibt es gar keins? Haben wir eine Bestimmung, Fixpunkte im Leben, die sich nicht ändern? Hendrik Handloegten wirft diese tiefgründigen Fragen in seinem dritten Spielfilm auf. Klare Antworten wird er nicht geben, denn wer hat die schon. Hauptfigur Juliane ohnehin nicht, und so hat Nina Hoss eine anspruchsvolle Rolle mit vielen Gefühlswechseln auszufüllen, was sie mit Bravour tut. Glanzpunkte sind ihr Zusammenspiel mit Otto, dem 8-jährigen Sohn ihrer Freundin Emily, gespielt von Lasse Stadelmann.

Fenster zum Sommer ist eine Liebesgeschichte, die durchaus originell erscheint und durch hervorragende Schauspieler glänzt.

/ uas

Trailer Deutsch, 02:00