Blind Alley - El callejón (2011)

Blind Alley - El callejón (2011)

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  3. 76 Minuten

Filmkritik: Der Weg auf die Bühne geht durch finstere Gassen...

Sie wurden zum Vortanzen geladen...
Sie wurden zum Vortanzen geladen... © Studio / Produzent

Rosa (Ana de Armas) ist ein junges Mädchen aus Kuba, das als Hausmädchen in einem Hotel an der Küste arbeitet. Während sie Zimmer putzt und Betten macht, träumt sie von einem besseren Leben als Tänzerin, in dem sie endlich ihrem grauen Alltag entfliehen kann. Schliesslich zahlen sich ihre vielen Castings aus, die sie besucht hat: Eines Abends wird ihr mitgeteilt, dass sie in die engere Auswahl vorgerückt ist. Da die Verantwortlichen schnell zu einem Entscheid kommen wollen, wird sie bereits am nächsten Tag zum Vortanzen geladen. Dafür muss sie aber erstmal ihre Tanzkleider bereit machen. Doch da ihre Waschmaschine gerade an dem Tag ausgestiegen ist, bleibt ihr nichts anderes übrig, als den düsteren Waschsalon um die Ecke zu benutzen, der ihr alles andere als geheuer ist.

Bin ich hier richtig bei Schweiz got Talent?
Bin ich hier richtig bei Schweiz got Talent? © Studio / Produzent

In diesem Salon trifft sie auf einen charmanten Mann, der sich als Mitch (Jeff Gum) vorstellt. Da sie sich von Anfang an gut verstehen und er ihr auch gefällt, lässt sie sich sogar zu einem Flirt hinreissen. Denn im Gegensatz zu ihrem Ex, der sie regelrecht terrorisiert, ist dies eine willkommene Abwechslung. Doch was als nette Unterhaltung beginnt, wird bald zum Alptraum. Der zuerst freundliche Mann entpuppt sich als schlimmer Sadist, der die junge Rosa in ein tödliches Spiel verwickelt, in dem er ihr androht, ihre Schwester zu töten, wenn sie nicht genau das tut, was er von ihr erwartet. Mit kaum einer Chance, gerettet zu werden, liegt es nun an ihr, der tödlichen Falle zu entkommen...

Das Horrorgenre hat so seine ganz eigene Dynamik. Es hat über die Jahre nicht nur geschockt und aufgerüttelt, sondern wehrt sich auch immer erfolgreicher gegen den amerikanischen Einfluss. Inzwischen kommen die Perlen vor allem aus dem nicht-amerikanischen Raum, denn dort gelingt es immer wieder, gängige Regeln zu brechen und durchaus überraschende wie auch abwechslungsreiche Produktionen zu drehen. So auch bei Blind Alley, mit dem der bisher mehrheitlich im TV-Bereich tätige Autor und Regisseur Antonio Trashorras sein Debüt auf der grossen Leinwand gibt.

Nach einem genau so hässlichen wie knallbunten Intro, das an die ersten Minuten von Super erinnert, ist die Handlung auch schon im grauen Alltag angelangt, und der Regisseur nimmt sich genau die Zeit, die es benötigt, um eine Hauptdarstellerin zu etablieren, für die man sich auch interessiert und mit der man später auch mitfiebern kann. Durch das lockere und sympathische Schauspiel von Ana de Armas, die das Mädchen mit einer guten Mischung zwischen sexy und naiv präsentiert, ist dies auch nicht schwer, und man kann auch nachvollziehen, dass sie sich ein besseres Leben wünscht. Vom Freund wird sie nicht respektiert, vom Vorgesetzten im Hotel regelmässig zur Schnecke gemacht, und als Immigrantin ist sie auch in der Gesellschaft in eine Ecke gedrängt. Wenn dazu immer wieder hineingeschnitten wird, was für brutale Verbrechen in den düsteren Seitenstrassen geschehen, kann man auch ihren Respekt verstehen, als sie sich dem düsteren Waschsalon nähert.

Selbst wenn das Szenario von Blind Alley auf den ersten Blick übersichtlich und berechenbar erscheint, gelingt es Antonio Trashorras von Anfang an, eine gute Balance zwischen Pflichtprogramm, das bei solchen Szenarien einfach zu erwarten ist, und den erfrischenden Handlungswendungen und amüsanten Details zu finden, die eben eine solche Produktion aus der tristen Routine heben. Besonders dem Duo Ana de Armas sowie Jeff Gum in der Rolle ihres Peinigers ist es zu verdanken, dass der Film so gut funktioniert. Ihnen gelingt es mit Leichtigkeit, den Bogen vom flirtenden Paar zu dem Punkt zu schlagen, an dem sie sich bis aufs Blut bekämpfen. Wenn dann noch die düstere Leonor Varela, die einige wohl noch aus Blade 2 kennen, dazustösst, ist das letzte Drittel eingeläutet, das zwar eine eher unpassende Richtung einschlägt, aber dafür den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrechterhalten kann.

Fazit: Blind Alley ist eine der unerwarteten Überraschungen, welche auf den ersten Blick zwar sehr bekannt vorkommen mögen, sich dann aber als erfrischend kurzweilig und abwechslungsreich entpuppen. So ist der Film weit davon entfernt, von den "längsten 70 Minuten im Leben" des Zuschauers. Er bietet grossartige Schauspieler, eine dank Splitscreens und vielen anderen kreativen Mitteln sehr erfrischende Inszenierung und einen Spannungsbogen sowie eine Intensität, die selbst bei Mitternachtsvorstellungen noch auf Nadeln sitzen lässt.

/ db