The Bully Project (2011)

The Bully Project (2011)

  1. 98 Minuten

Filmkritik: Auch seelische Wunden tun weh

Was ist schlimmer als alleine sein?
Was ist schlimmer als alleine sein? © Studio / Produzent

Kinder mögen für die einen niedlich und knuffig sein, und manche Eltern können auch nicht genug von ihnen haben, doch was viele oft vergessen: Die Kleinen können auch gnadenlos sein. Sobald jemand etwas anders ist als die Gruppe, wird er gehänselt und geneckt, was sich schliesslich zu Mobbing steigert. Mobbing ist die häufigste Form der Gewalt, die Kinder und Jugendliche erfahren, und obwohl es oft ignoriert, belächelt und nicht ernst genommen wird, richtet es bei den Opfern nachhaltige Schäden an.

Wenn du alleine in einer Masse bist.
Wenn du alleine in einer Masse bist. © Studio / Produzent

The Bully Project begleitet betroffene Jugendliche und ihre Familien während eines Jahres und hat dabei eingefangen, wie Fausthiebe, Diebstahl und Beleidigungen Tag für Tag den Jugendlichen das Leben zur Hölle machen. Bei den beiden Jugendlichen Tyler Long und Ty Smalley ging das Mobbing sogar so weit, dass sie sich aus Verzewiflung das Leben genommen haben. Ihre Eltern riefen kurz darauf dazu auf, die Schulen und Familien besser zu sensibilisieren, was das Thema Mobbing anbelangt.

Regisseur Lee Hirsch wurde in seiner Kindheit selbst gemobbt und beschloss deshalb, dem wichtigen Thema eine Dokumentation zu widmen. Erwartungsgemäss weist der Film unzählige herzzerreissende Szenen auf, die niemanden kalt lassen. Da besteht natürlich die Gefahr, ins Melodramatische zu rutschen und den Zeigefinger etwas zu hoch erheben. So kann man dem Film denn auch vorwerfen, dass er Schulen und deren Lehrerschaft als ignorante, blinde Unternehmungen darstellt. Kein einziger Lehrer, der einigermassen vernünftig reagieren würde, wird hier gezeigt, obwohl es solche bestimmt auch gibt.

Bei der homosexuelen Schülerin Kelby und der Afro-Amerikanerin Ja'Meya, die aus Verzweiflung eine Pistole in den Schulbus mitnimmt, hat Regisseur Hirsch dramatische Geschichten gefunden, die fürs Kino geeignet sind, doch es ist das Schicksal des 14-jährigen Alex, welches am meisten zu Herzen geht. Mit einer Selbstverständlichkeit nimmt er all die Plagereien auf sich und lässt seine Eltern im Unwissen. Hier macht der Film deutlich, wie wichtig die Kommunikation zwischen Kindern und ihren Eltern ist.

Im letzten Teil konzentriert sich die Dokumentation dann auf das titelgebende "Bully Project" und wird fast ein wenig zum Werbespot dieser von Eltern gegründeten Organisation. Man kann es aber dem Film nicht übel nehmen, da er hier viele Fäden zusammenführt und auch Lösungen zum Problem des Mobbings an Schulen vorschlägt. Informativ, unterhaltsam und sehr berührend, sollte The Bully Project zum Lehrplan an möglichst vielen Schulen gehören.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 4

Decius

Zitat pps (2012-03-01 14:41:39)

Dieses Rating-System ist einfach lächerlich. Hoffentlich schaffen die es irgendwann, eine sinnvollere und vor allem transparentere Form zu finden, Filme zu "raten" - schliesslich ist mit genügend Geld schnell mal ein PG-13 möglich. 😴

Das Gleiche hier: Die FSK vergibt schon lange keine sinnvollen Ratings mehr sondern geht nur noch nach dem Geld. Oder warum dürfen 6-Jährige "Harry Potter" sehen? Trotzdem muss jeder Film in Deutschland zur FSK. Dabei bin ich ohne die als Elternteil genauso gut beraten. 😠

pps

Zitat ma (2012-03-01 10:06:29)

Gute Werbung oder Skandal? Was derzeit mit diesem Film passiert grenzt an's Lächerliche. Mit einem "R"-Rating versehen, kann der Film nicht an Schulen gezeigt werden. Weinstein beharrt auf dem Film, könnte doch jedoch einfach die Fluchwörter heraus "bleep" en, denn der Film wäre für Schulen wirklich wichtig...

Dieses Rating-System ist einfach lächerlich. Hoffentlich schaffen die es irgendwann, eine sinnvollere und vor allem transparentere Form zu finden, Filme zu "raten" - schliesslich ist mit genügend Geld schnell mal ein PG-13 möglich. 😴 Vor etwas mehr als 10 Jahren haben sich ja US-Comics von ihrem veralteten Comic-Code losgesagt, weil Worte und Szenarios beanstandet wurden, die längst in jeder Samstagmorgen-Cartoonserie vorkamen. Ich bin für eine ähnliche Revolution beim Film-Rating, beim momentanen Konservatismus in den USA seh ich da allerdings eher schwarz.

ma

Gute Werbung oder Skandal? Was derzeit mit diesem Film passiert grenzt an's Lächerliche. Mit einem "R"-Rating versehen, kann der Film nicht an Schulen gezeigt werden. Weinstein beharrt auf dem Film, könnte doch jedoch einfach die Fluchwörter heraus "bleep" en, denn der Film wäre für Schulen wirklich wichtig...

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Trailer Englisch, 02:20