Avé (2011)

Avé (2011)

  1. 86 Minuten

Filmkritik: Auf bessere Zeiten warten

© Studio / Produzent

Ausserhalb von Sofia treffen Avé und Kamen aufeinander. Er macht Autostopp nach Ruse, sie schliesst sich ihm ungebeten an. Während Kamen ans Begräbnis seines Freundes reisen und möglichst mit niemandem reden möchte, plaudert Avé unterwegs mit den Fahrern munter drauflos und erfindet immer wieder neue Geschichten auf deren Fragen. Ein Roadmovie beginnt in den Norden Bulgariens und hinein in die Gegenwart eines Landes, das den Anschluss an die Welt noch nicht geschafft hat. Da sind zwei verloren wirkende junge Seelen unterwegs durch die Gegenwart und entdecken erst allmählich ihre Gefühle.

In seinem ersten Spielfilm erzählt Konstantin Bojanov die Geschichte von zwei einsamen Jugendlichen, die sich auf die Reise in den Norden Bulgariens machen. Das Roadmovie lebt von den ruhigen Bildern und sparsamen Einstellungen. Diese hat Avé wohl der Tatsache zu verdanken, dass Konstantin Bojanov in erster Linie bildender Künstler ist. Seine Werke hat der Bulgarier schon in namhaften Ausstellungen von Los Angeles bis Shanghai ausgestellt. Seine bildnerische Begabung lässt der Regisseur, neben autobiographischen Momenten, in seinen Film einfliessen.

Die ruhigen Bilder zeugen von seiner engen Zusammenarbeit mit dem Chef-Kameramann Nenad Boroewich und stellen die Geschichte dieser ungewöhnlichen Reise äusserst realitätsgetreu nach. Der Regisseur scheut bei seiner Darstellung auch keine ungeschönten Perspektiven und zeigt Bulgarien als ein recht trostloses Land, das mit der Aussenwelt scheinbar kaum verbunden ist. Ähnlich ergeht es wohl den Charakteren, die abwesend und ein wenig verloren durch die abgelegenen farblosen Landschaften fahren.

Die beiden Jungschauspieler Anjela Nedyalkova und Ovanes Torosyan sind neben den wahrheitsgetreuen Bildern eine weitere Stärke von Avé. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die im Zentrum des Filmes stehen sind überzeugend dargestellt. Dadurch, dass die Charaktere aber nur wenig von sich preisgeben und in ihrer Präsenz doch selten richtig anwesend sind, ist Avé insgesamt ein wenig langatmig. Zudem macht es einem die Protagonistin Avé nicht leicht, sich in die Jugendliche hineinzuversetzen oder mit ihr zu sympathisieren. Ihre Persönlichkeit passt zwar zum Genre des Roadmovies - da sie an einem Punkt im Leben ist, der sie überfordert - erschwert aber den Zugang zum Charakter.

Das Unterwegssein, das mehr Nomadensein als Reisen ist, kommt in Avé allerdings schön zur Geltung. Interessant gewesen wäre, wenn Konstantin Bojanov Avé in medias res begonnen hätte, also bereits in einem Auto. So hätte mehr Spannung erzeugt werden können, da die Zuschauer dadurch in dieselbe Lage wie die Fahrer versetzt wären. Trotz schönen Momenten kommt Avé sehr handlungsarm und unspektakulär daher und auch die Dialoge und Gespräche hauen einen nicht vom Hocker. Das führt schliesslich dazu, dass keine wirklichen Emotionen aufkommen.

Fazit: Ein ruhiges Roadmovie, das überraschenderweise kein Gefühl der Freiheit und der Hoffnung vermittelt, dafür aber zeigt, wie eine Begegnung Menschen verändern kann. Der Debütfilm des Bulgariers Konstantin Bojanov ist zwar fein inszeniert, aber an einigen Stellen doch ein wenig seicht, um sich von anderen Roadmovies abzuheben.

/ stb

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:38