Wrinkles - Arrugas (2011)

Wrinkles - Arrugas (2011)

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  2. 89 Minuten

Filmkritik: Vom Altern und Vergessen(werden)

Get this party started!
Get this party started! © Studio / Produzent

Der ehemalige Bankmanager Emilio ist an Alzheimer erkrankt und wird aufgrund seiner geistigen Aussetzer zunehmend zur Last für seine Familie. Sein Sohn bringt ihn deshalb in ein Seniorenheim, wo Emilio nun den Rest seines Lebens verbringen soll. Schnell freundet er sich mit ein paar der rüstigeren Senioren im Heim an. Besonders mit seinem Zimmernachbar Miguel verbringt er viel Zeit. Ob man ihm trauen kann, ist jedoch nicht ganz klar, denn Miguel macht sich immer wieder einen Spass daraus, den geistig weniger fitten Heimbewohnern ihr Geld aus den Taschen zu ziehen und deren Schwächen geschickt für den eigenen Profit auszunutzen.

Emilio gewöhnt sich gut in seiner neuen Umgebung ein. Seine Alzheimererkrankung - von der er offiziell nichts weiss und deren Anzeichen er wiederholt verdrängt - schreitet jedoch weiter voran. Nicht zuletzt der Kontakt mit den anderen Heimbewohnern zwingt ihn schliesslich dazu, sich mit der eigenen Sterblichkeit und seiner Krankheit auseinanderzusetzen.

Im jugendbesessenen Filmgeschäft darf man bekanntlich nie alt werden - und doch greift man seit einigen Jahren vermehrt auf die Grauen Panther zurück, etwa in Rom-Coms wie Something's Gotta Give oder zuletzt Hope Springs. Während Hollywood seine Senioren so immer mal wieder in witzigen, teils auch recht schlüpfrigen Szenen inszeniert, geht das im spanischen Animationsfilm Arrugas deutlich realistischer zu und her: Die dargestellten Rentner können ihren Ruhestand nicht geniessen, da sie von ihren Angehörigen ganz einfach im Altenheim "abgegeben" werden, wo sie wenig mehr zu tun haben als ihre Medikamente zu schlucken und auf den Tod zu warten.

Dass Arrugas trotz ernster Themen wie Einsamkeit im Alter und Alzheimer kein tragisches Rührstück geworden ist, das bei jeder Gelegenheit auf die Tränendrüse drückt, ist den Machern hoch anzurechnen. Regisseur Ignacio Ferreras, der bereits beim hervorragenden - wenn auch recht deprimierenden - L'illusionniste mitwirkte, schafft mit seiner Adaption des Comics von Paco Roca den schwierigen Spagat zwischen Drama, Tragödie und Komödie mit Bravour. Mit wunderbar schlichten, in matten Erdtönen gehaltenen Bildern berichtet er vom Alltag älterer Menschen und findet so eine beachtliche Bildsprache für den zunehmenden Gedächtnisverlust des Protagonisten. Dabei hat es Ferreras nicht versäumt, eine gehörige Portion Humor in die feinfühlige Geschichte zu weben, wofür der Film 2012 mit je einem Goya Award für den besten Animationsfilm und das beste adaptierte Drehbuch belohnt wurde.

Geschichten über Alter und Gebrechen können schwer zu verdauen sein, da sie die Zuschauer nicht selten mit der eigenen Sterblichkeit konfrontieren. Arrugas erzählt auf langsame, aber einfühlsame Art und Weise von eben diesen harten Momenten im Leben älterer Menschen, entlässt das Publikum aber mit einem weitgehend positiven Gefühl. Insbesondere die herzhafte Männerfreundschaft zwischen Hauptfigur Emilio und seinem gewieften Zimmernachbar Miguel sorgt für Lacher und bildet letztlich das emotionale Herz des Filmes. Spektakulär ist Arrugas zwar nicht, dafür aber einnehmend, traurig-schön und deshalb wärmstens zu empfehlen.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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