Arme Seelen (2011)

Arme Seelen (2011)

Oder: Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Soooooo gross war der Geist!

Soooooo gross war der Geist!

Auf der Suche nach "Armen Seelen", verstorbenen Menschen, deren Geist keine Ruhe findet, führt uns der Filmemacher Edwin Beeler in die katholische Innerschweiz. Betroffene erzählen von ihren übersinnlichen Erfahrungen mit mystischen Erscheinungen und besessenen Menschen, berichten von den Geschichten, die sich hinter den einzelnen Schicksalen verbergen und versuchen, eine Erklärung für die unerwartet gestorbenen Rinder, die schemenhafte Gestalt auf dem Dachboden oder das Pferdeschnauben auf einem einsamen Waldweg zu finden. Meist von religiösen Motiven geleitet, gehen die einzelnen Personen sehr unterschiedlich damit um; das reicht von Ehrfurcht über Selbstverständlichkeit bis hin zum ambitionierten Kampf gegen das angeblich dämonische Böse. So unterschiedlicher Herkunft die Zeugen auch sein mögen, haben sie doch etwas gemeinsam: eine tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben.


Film-Rating

So ausgiebig und kontrovers man über den Inhalt bzw. die Thematik von Arme Seelen diskutieren kann, so wenig gibt es zum Gesamtwerk zu sagen. Edwin Beeler spricht mit seiner Dokumentation über die unheimlichen Vorkommnisse in der konservativ katholischen Innerschweiz eine sehr kleine Zielgruppe an. Die Art und Weise, wie das Thema aufgegriffen wurde, setzt eine gewisse Affinität zur Religion voraus, spielt der Glaube doch bei allen Befragten eine zentrale Rolle. Auffällig dabei: Es kommen hauptsächlich ältere, tiefgläubige Männer zu Wort. Die einen entpuppen sich als humorvolle Erzähler und hinterfragen die alten Mythen, die anderen sehen sich als Dämonenaustreiber und Weltretter. Ob man entsprechende Aussagen einfach so im Raum stehen lassen sollte, ist fraglich. Vermutlich wäre es teilweise sinnvoll gewesen, Beeler hätte einen Erzählstrang aus einer neutralen Perspektive eingebaut. Die ganzen Impressionen wären so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht worden.

Der Film ist von Anfang bis Ende in Mundart gehalten. Für den nördlichen Flachlandschweizer ist es teilweise schier unmöglich, den Erzählungen in breitestem Urner Dialekt zu folgen. Schade, denn die Geschichten sind spannend, und es lohnt sich durchaus, dass diese alten Sagen und Mythen auch den kommenden Generationen geläufig bleiben.

Während man inhaltlich wirklich einiges zu bemängeln findet, muss man Edwin Beeler für die Aufnahmen der Landschaften und Lokalitäten Pluspunkte geben. Er schafft es, mit seinen Bildern eine entsprechend düstere, unheimliche Stimmung zu erzeugen und während des ganzen Films aufrecht zu erhalten. Die passenden Geräuscheffekte und die fast meditative Musik sind äusserst gelungen.

Trotzdem: Arme Seelen ist keine Dokumentation für "Otto Normalkinobesucher", da sie sich definitiv zu wenig mit den unterschiedlichen Aspekten der gegebenen Thematik beschäftigt. Zudem setzt sie voraus, dass die Zuschauer sich in gewissen religiösen Kreisen auskennen und Schweizerdeutsch oder besser noch Innerschweizerdeutsch verstehen.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.5

 

02.02.2011 / hom

Community:

Bewertung: 3.3 (2 Bewertungen)

 

 

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