Albert Nobbs (2011)

Albert Nobbs (2011)

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  2. 113 Minuten

Filmkritik: Als Mann hat man's leichter im Leben

"Und alles nur für diesen Scheissjob..."
"Und alles nur für diesen Scheissjob..."

Im 19. Jahrhundert in Irland arbeitet Albert Nobbs (Glenn Close) als Bediensteter. Doch Albert hat ein Geheimnis: Er ist in Wirklichkeit gar kein Mann. Um der Armut zu entkommen und arbeiten zu können, hat sich die Frau schon früh für das Leben als Mann und damit für eine erfundene Identität entschieden. Im Hotel, in dem Albert als Butler arbeitet, hat noch niemand von der Sache mitbekommen. Alle Hotelangestellten sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Sie sind angespannt, da Arbeitsplätze rar sind und der kleinste Fehler zur Entlassung führen könnte.

Kleider machen Männer ...äh, Leute
Kleider machen Männer ...äh, Leute

Als Albert einen neuen Gast in ihrem Zimmer beherbergen muss, weil im Hotel kein Zimmer mehr frei ist, stellt sie ihre eigene Situation in Frage und öffnet sich langsam neuen Möglichkeiten, die ihr ein Leben in Einsamkeit ersparen würden. In der Rolle des männlichen Butlers wirbt Albert um das junge Dienstmädchen Helen (Mia Wasikowska). Doch Helen hat ganz anderes im Kopf, als sich auf den schüchternen Mann einzulassen.

Den meisten ist Glenn Close noch als Cruella de Vil in 101 Dalmatians bekannt, und man könnte meinen, sie hätte eine Vorliebe für ausgefallene Kostüme. Diese Vorliebe, sich zu verkleiden und immer in neue Charaktere zu schlüpfen, kommt wohl von ihrer langjährigen Erfahrung als Theater-Schauspielerin. Dort ist sie vor bald drei Jahrzehnten auch zum ersten Mal dem Charakter Albert Nobbs begegnet. 1982 spielte Glenn Close die Rolle des Albert bereits in einer Theateraufführung von Simone Benmussa. Die Geschichte, die auf einer Kurzgeschichte des irischen Schriftstellers George Moore basiert, hat sie bisher nicht mehr losgelassen, und für sie war klar, dass sie die Rolle mal auf der grossen Leinwand verkörpern würde.

Das hat sie nun auch geschafft, und ihre Leistung kann sich sehen lassen. Allerdings gehört Closes Verkörperung von Albert Nobbs zu den wenigen Pluspunkten von Albert Nobbs. In ihrer Rolle als Mann ist sie sehr überzeugend, so sehr, dass eine Szene, in der sie in Frauenkleidern über den Bildschirm spaziert, richtig falsch und beinahe lächerlich erscheint. Doch obwohl ihre Schauspielleistung zurecht für einen Oscar nominiert wurde, kann Closes Performance den Film nicht retten. Als Zuschauer fühlt man sich im Film oft verloren, weiss nicht, wie es weitergehen soll und was dieser eigentlich aussagen will. Auch gewisse Motive der Charaktere sind nicht nachvollziehbar, und man fragt sich, was das ganze Theater eigentlich soll.

Dass Albert Nobbs sich für die Geschichte auch noch so lange Zeit nimmt, ohne etwas daraus zu machen, hilft der Produktion auch nicht weiter. Von einem belanglosen Gespräch in die nächste Alltagssituation, verliert der Film schnell an Dramatik. Das geht so weit, bis es einen schlicht nicht mehr interessiert, wie es weitergehen wird. Mit emotionalen Momenten wird gespart, und die wenigen lustigen Momente verflüchtigen so schnell, wie sie aufgetreten sind.

Die Geschichte wird lieblos dahinerzählt, was wohl auch am unerfahrenen Regisseur Rodrigo García liegt, der bisher vor allem bei TV-Serien wie Six Feet Under Regie geführt hat. Der Plot tuckert ziellos vor sich hin und im Mittelteil passiert für eine volle Stunde rein gar nichts. Als García dann auch noch plötzlich Gebrauch von "Wunschtraum"-Sequenzen macht, reicht es dann wirklich. Er hält das Publikum offensichtlich für blöd oder traut seinen Schauspielern nicht zu, Unausgesprochenes auch mal nur mit Mimik und Gestik rüberzubringen.

Fazit: Dass Albert Nobbs trotz Kostüm-Trara nicht für einen Oscar in der Kategorie "bester Film" nominiert wurde, hat seinen guten Grund. Glenn Close und das übrige Cast machen ihre Sache gut, können den Film, der irgendwie nichtssagend ist, aber auch nicht retten. Wen die Geschichte trotzdem reizt, lese lieber die gleichnamige Kurzgeschichte, auf der dieser Film basiert. So verschwendet man nämlich keine Zeit.

/ stb