Womb (2010)

Womb (2010)

  1. , ,
  2. , ,
  3. 111 Minuten

Filmkritik: Tommy, nächster Versuch

"Tommy, bist du gewachsen!"
"Tommy, bist du gewachsen!"

In einem Küstendorf lernen sich die Kinder Rebecca und Tommy kennen. Sie verbringen eine glückliche Zeit miteinander, die abrupt endet, als Rebecca mit ihren Eltern nach Japan zieht.

12 Jahre später kehrt Rebecca (Eva Green) zurück und besucht Tommy (Matt Smith). Die zarte gegenseitige Zuneigung von damals wandelt sich zur Liebe. Doch bevor das Paar in eine glückliche Zukunft starten kann, stirbt Tommy bei einem Unfall. Unwillig, den Tod ihres Freundes zu akzeptieren, wendet sich Rebecca an das Departement für genetische Reproduktion und gebärt alsbald ein Baby, welches die identische DNA wie Tommy aufweist. Zurückgezogen zieht sie am Küstenort ihren Sohn auf. Doch je grösser Tommy wird, umso schwieriger wird es, ihm die Wahrheit vorzubehalten.

Spätestens seit 1996 erfolgreich das Schaf Dolly reproduziert wurde, ist eine heftige Moral-Debatte über das Klonen von Lebewesen entfacht. Geht man ohne jegliche Vorinformation Womb sehen, so würde man in der Anfangsphase wohl kaum vermuten, dass die Story in ebendiese Kontroverse abzweigt. Eingeführt als romantischer Liebesfilm, bringt Benedek Fliegaufs Film nach Tommys Unfall diese Thematik ins Spiel. Das Meer- und Strandmotto und die langen Einstellungen mögen bleiben, doch der Ton des Films verändert sich damit spürbar. Fortan schwingt ein bedrückender Gedanke mit, eine Ahnung - irgendwann wird Tommy wissen wollen, woher er kommt, und vor allem: wieso er auf der Welt ist.

Diese Zuspitzung kann man eigentlich kaum erwarten - deshalb macht Fliegauf dem Zuschauer keinen Gefallen, den Mittelteil des Films wie einen zu dicken Teig auszuwallen. Aus narrativer Ruhe wird Schlendrigkeit - zu wenig stringent erscheint die Story, zu viel Füllmaterial ist darin enthalten. Die Weite des Meeres fühlt sich mehr und mehr statisch an, während Eva Green mit stets derselben ausdruckslosen Miene es zu vermessen versucht. Immerhin: Älter wird ihr Gesicht nicht. Aber in der näheren Zukunft ist wohl auch das Geheimnis ewiger Jugend gelöst.

Womb bietet eine thematische hochinteressante Grundlage und einen Einblick in eine Zukunft, in der das Klonen von Menschen zwar legal, aber ethisch immer noch nicht vollständig legitimiert ist. Leider aber verliert der Film ab der Mitte seinen Zug und endet mit einem geschmacklich diskutablen Schluss.

/ uas

Kommentare Total: 2

VesperLynd89

Das Positive an diesem Film ist, dass er zwar das Thema "Klonen" anspricht, aber nicht die Moralkeule schwingt. Es ist ein abgeschlossener Kosmos, in dem sich Rebecca und Thommy bewegen. Der Film lässt alle Figuren "einfach machen" ohne eine Wertung dieses Machens abzugeben. Dennoch werden auch Probleme (Identitätssuche, Ablehnung...) thematisiert und angerissen. Der Zuschauer kann und soll sich selbst eine Meinung bilden, was sehr gut gelingt. Auch die Tatsache, dass für eineinhalb Stunden Film nur relativ wenig gesprochen wird, gehört wahrscheinlich zu diesem Konzept.

Matt Smith schafft es überzeugend die beiden "Thommys" zu spielen und herauszukitzeln, dass sich beide nur äusserlich gleichen. Eva Green lässt gegen Ende des Films doch sehr nach, was wahrscheinlich daran liegt, dass ihre Figur gegen Ende immer unnachvollziehbarer agiert und regelrecht erstarrt.

Leider ist der Film etwas zu lang geraten. Da hätte man durchaus noch 20 Minuten rausschneiden können. Gerade im Mittelteil hätte man ein paar Minuten Strand und Meer cutten können.

Alles in allem ist es aber ein sehenswerter Film, der sehr zum Nachdenken anregt.

uas

Filmkritik: Tommy, nächster Versuch

Kommentar schreiben

Trailer Deutsch, 01:35