Welcome to the Rileys (2010)

Welcome to the Rileys (2010)

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  2. 110 Minuten

Filmkritik: Adoptiv-Stripperin gesucht!

"Ähm, also ... das sind echt hohe Schuhe, die du da anhast."
"Ähm, also ... das sind echt hohe Schuhe, die du da anhast."

Im Hause der Rileys ist eine verzweifelte Stille eingekehrt. Die Tochter des Ehepaares ist mit 15 bei einem Autounfall ums Leben gekommen, ein Unglück, das Doug (James Gandolfini) und Lois (Melissa Leo) nicht überwinden können. Doug arbeitet viel und geht fremd; die agoraphobisch gewordene Lois verbringt ihre Tage mit Aufräumen und Malen. Ihre verschiedenen Arten zu trauern haben das Paar entzweit.

"Schon wieder aus dem Bett gefallen. Hoffentlich hat‘s keiner gesehen."
"Schon wieder aus dem Bett gefallen. Hoffentlich hat‘s keiner gesehen."

Doug lernt auf einer Geschäftsreise in New Orleans die jugendliche Stripperin Mallory (Kristen Stewart) kennen. Sie sieht seiner verstorbenen Tochter ähnlich. Seine väterlichen Instinkte dringen an die Oberfläche, weshalb er sich der jungen Widerstrebenden annimmt. Tapfer gegen ihren anfänglichen Widerstand ankämpfend, nistet Doug sich in Mallorys Leben ein und versucht, es etwas erträglicher zu machen. Als die Zeit kommt, nach Hause zurückzukehren, schafft er es nicht. Doug ruft Lois an und erklärt ihr, dass er länger in New Orleans bleiben wird. Erschüttert fasst diese einen Plan: Sie will nach Louisiana reisen, um ihren Mann zurückzuholen. Wird sie mit dem, was sie dort findet, umgehen können?

Welcome to the Rileys ist der zweite Spielfilm von Jake Scott, Sohn von Ridley. Und er beweist, dass der Nachwuchsregisseur Talent hat. Der Film hat einen subtilen Rhythmus, die Längen sind genau richtig und die kurzen Momente perfekt in Szene gesetzt. Rein formal ist der Film äusserst gelungen. Die Kameraführung und das Licht sind gefühlvoll. Sie machen die Schauplätze (die Stadt New Orleans, die Häuser) zu weiteren Akteuren in diesem Indie-Film. Sehr speziell sind auch Ton und Musik: Jake Scott weiss Stille zu nutzen und hat genug Mut, diese oft einzusetzen, ohne dass es langweilig wird. Die sparsame Wahl der Musik ist meisterhaft, was sicherlich Scotts Erfahrung mit Musikvideos zu verdanken ist.

Das Beste am Film sind jedoch James Gandolfini und Melissa Leo. Die beiden haben eine schon fast unheimliche Chemie miteinander. Sie wirken glaubwürdig. Es gelingt ihnen, beim Zuschauer Verständnis und Identifikation nicht nur für den einen oder die andere zu wecken, sondern sowohl für Doug als auch für Lois. Auch physisch sind sie echt: kein Botox, keine Korsetts, keine aufgehellten Zähne. Dieser Mut zur Natürlichkeit ist erfrischend und das Geheimnis, wieso dieses Paar so schön ist. Kristen Stewart hat es gegenüber diesen aussergewöhnlichen Schauspielern schwer. Sie hat dieselben drei Gesichtsausdrücke, die man aus Twilight kennt. Bis auf die Tatsache, dass sie nackter ist und mehr flucht, gibt es zu wenig, was Mallory von Bella trennt. Schade auch, dass die Figur der Mallory ein Superklischee ist, obwohl der Rest des Films so besonders und differenziert ist.

Letztlich darf man sich von Kristen Stewarts Erscheinen in Welcome to the Rileys nicht blenden (oder abschrecken) lassen. Es geht um das Paar Gandolfini/Leo. Dessen Geschichte ist stimmig, intelligent und rührend. Ein schöner Film für kalte Winternachmittage.

/ aru

Kommentare Total: 5

lafrecciablu

(die Auto-Szene war der hammer)

Die fand ich jetzt relativ unpassend (zuätzlich zur nicht vorhandenen medizinischen Logik in dieser Szene...).

lässt man die medizinische logik ausser acht, fand ich die szene echt lustig. ja, sie bedarf einer ärzlichen erklärung oder verschreibt man heutzutage den agoraphobikern, sie sollen sich sediert ans steuer setzen? 😇

[Editiert von lafrecciablu am 2011-02-14 16:14:58]

El Chupanebrey

Zitat lafrecciablu (2011-02-09 13:47:38)

ich fand kristen stewart jetzt mal nicht so nervig wie mein vorgänger

Nervig ist vielleicht der falsche Ausdruck. Das Problem ist einfach, dass Stewart die Figur, die auch so schon schwer zu mögen ist, etwas zu unsympathisch darstellt.

(die Auto-Szene war der hammer)

Die fand ich jetzt relativ unpassend (zuätzlich zur nicht vorhandenen medizinischen Logik in dieser Szene...).

[Editiert von El Chupanebrey am 2011-02-09 16:59:27]

lafrecciablu

ich fand kristen stewart jetzt mal nicht so nervig wie mein vorgänger, hab mir auch keinen einzigen twilight-film angeschaut, deshalb bin ich wohl noch "jungfräulich" in bezug auf das fräulein. aber ganz klar, zu den andren zwei grossen schauspielern fällt sie deutlich ab. für ihre rolle hätte es wohl eine tiefergehende performance gebraucht, die sie jetzt (noch) nicht liefern kann. Melissa Leo fand ich klasse, ihre figur und ihre darstellung haben den film zusammen mit James Gandolfini gerettet (die Auto-Szene war der hammer), gerettet aus dem mittelmass. geblieben ist ein ruhig dahinfliessender film, der keine minute langweilt.

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Trailer Englisch, 02:26