The Ward (2010)

The Ward (2010)

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  2. 89 Minuten

DVD-Review: "Ich bin nicht wahnsinnig!" - "Mädel, du bist in der Psychiatrie!"

Also, wer hat den Kaugummi geklaut?
Also, wer hat den Kaugummi geklaut? © Concorde Filmverleih GmbH

Zielstrebig rennt die blonde Kristen (Amber Heard) durch den Wald und versucht, ungesehen an einer Polizeistreife vorbei zu kommen. Nach einem längeren Weg kommt sie schliesslich zu einer zerfallen aussehenden Farm und steckt diese kurzerhand in Brand. Während diese in Rauch und Flammen aufgeht, kommt auch schon die Polizei, stopft das inzwischen wimmernde Mädchen auf den Rücksitz ihres Autos und braust davon. Kurze Zeit später wird Kristen in die North-Bend-Psychiatrie eingeliefert und gleich in den Hochsicherheitstrakt gesteckt. Allerdings hat sie keine Ahnung, warum sie als anscheinend sehr gefährlich eingestuft wurde und weshalb sie überhaupt hier ist, denn sie kann sich an nichts erinnern.

Los, sag es ihm!
Los, sag es ihm! © Concorde Filmverleih GmbH

Kaum ist sie in ihrer neuen Bleibe auf Zeit angekommen, wird offensichtlich, dass hier etwas schrecklich falsch ist. Was ist mit dem Mädchen geschehen, das vor ihr in dem Zimmer geschlafen hat, warum sind die anderen Patienten so verängstigt, und was ist das für eine Kette, die Kristen in ihrem Zimmer gefunden hat? Schon bald wird klar, dass in dem Sicherheitstrakt die Patienten lange nicht das Gefährlichste sind, was herumläuft, und es wird offensichtlich, dass der einzige Weg zu überleben die Flucht von dem alten Gemäuer ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Regie-Altmeister John Carpenter kehrt zum ersten Mal seit Ghosts of Mars und zwei Masters of Horror wieder mit einem Film in Spielfilmlänge zurück. Im Gepäck hat er die grossartige Amber Heard, die ihrerseits mit All the Boys Love Mandy Lane ihren Durchbruch hatte und sich nun glücklicherweise dazu entschieden hat, dem Genre treu zu bleiben. Was taugt jedoch The Ward, und kann Carpenter noch mit den heutigen Schockern mithalten?

In einem Punkt gibt es sicher keinen Zweifel: Carpenter versteht sein Handwerk und nutzt die Psychiatrie sowie auch die Ohnmacht der Patienten sehr gut, um an der Spannungsschraube zu drehen. Das bewirkt, dass die Zuschauer neugierig sind, in welche Richtung der Grusler nun gehen wird. Allerdings erwischt man sich auch dabei, dass man deutlich mehr an der finalen Auflösung herumstudiert, als sie letztendlich hergibt. Selbst wenn es am Ende durchaus schlüssig und sauber aufgelöst wird, wirkt das Ganze altbacken und ist klischeebelastet - offensichtlich war es auch das einfachste Ticket, einen Film mit einem solchen Szenario abzuschliessen.

Der Abschluss ist allerdings nicht das Einzige, was die Zuschauer eher enttäuscht zurücklässt. Obwohl Amber Heard als sympathischer Anker des Filmes eine sehr gute Figur macht, entpuppt sich die Handlung selber schnell als eine harmlose, auf PG-13 getrimmte Wiederholungsschleife ohne Biss, bei der Antworten, Weiterentwicklungen oder Erfolge genau so rar sind wie wirklich gelungene Schockmomente. Diese sind nämlich genau so klassisch wie das ganze Psychiatrie-Szenario selber, und wer schon Filme wie Frágiles oder Death Tunnel gesehen hat, weiss genau, wann der nächste Schock angezählt werden muss und was zu erwarten ist. Dies reicht heute aber kaum noch aus, um sich aus der Menge hervorzuheben. Da hätte man von einem Altmeister, der das Genre so entscheidend geprägt hat, deutlich mehr erwarten können als diesen Reissbrettstreifen nach Schema F.

Fazit: Wer von Carpenter ein Horrorfeuerwerk erwartet hat, kann sich getrost auf einen kleinen Vulkan aus dem Supermarkt einstellen. Es sprühen einige Funken, es sieht schön aus, nach relativ kurzer Zeit ist das Pulver aber verschossen und man wird kaum überrascht. Trotz solidem Cast und dem Label Carpenter bleibt The Ward kaum mehr als ein 08/15 Grusler - um mehr zu sein, hätte er deutlich mehr bieten müssen als ein ausgelutschtes Szenario und eine Auflösung, die nach dem Hype in 2003 kaum mehr als belächelt werden kann.

Die DVD bietet solide Bildqualität und auch auf dem Bonusmaterial nur die bekannte Audiokommentar- und Interview-Routine, welche zwar einige Einblicke bietet, aber mehr PR-Material ist als Vertiefung.

/ db

Kommentare Total: 3

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Obwohl The Ward auf diversen Filmplattformen eher schlecht aufgenommen wurde, bin ich positiv überrascht. Der Film schlägt storymässig einen bekannten Weg ein, kann aber durch die gruselige Atmosphäre und ein paar guten Schockmomenten punkten.

yan

Cooler, 'old-schooliger' Horrorfilm, der eine nicht unbekannte Richtung einschlägt, aber immer schön unheimlich und gruselig bleibt. Die Darstellerinnen machen einen soliden Job, allen voran Amber Heard, die einfach perfekt ins Genre passt. Zuviel über den Film zu veraten, wäre unklug, darum belasse ich es hiermit und spreche eine klare Empfehlung aus.

db

DVD-Review: "Ich bin nicht wahnsinnig!" - "Mädel, du bist in der Psychiatrie!"

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Trailer Englisch, 01:46