Wall Street: Money Never Sleeps (2010)

Wall Street: Money Never Sleeps (2010)

Wall Street: Geld schläft nicht
  1. 133 Minuten

Blu-ray-Review: Greed is good!

"Na Kleiner, kennst du 'Basic Instinct'?"
"Na Kleiner, kennst du 'Basic Instinct'?" © Twentieth Century Fox

"Greed is good!" - Gier ist gut! Nach diesem Motto hat Finanzhai Gordon Gekko (Michael Douglas) gelebt, bis es ihn zu Fall gebracht hat. Acht Jahre lang sass er deswegen im Knast. Nun hat er ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben und tingelt als Redner und Interviewpartner durch die Vortragssäle und Fernsehstudios des Landes.

Eines Tages wird er vom aufstrebenden Trader Jake Moore (Shia LaBeouf) angesprochen. Dessen Anliegen ist nicht primär geschäftlicher Natur: Er möchte nämlich Gekkos Tochter Winnie (Carrey Mulligan) heiraten, die schon seit Jahren nicht mehr mit ihrem Vater spricht. Während Jake fasziniert ist vom legendären Gekko, hofft dieser, durch die anstehende Hochzeit die verknorzte Beziehung zu seiner Tochter wiederzubeleben.

Peinlich: Michael hatte vergessen, dass Mann heute Fliege trägt.
Peinlich: Michael hatte vergessen, dass Mann heute Fliege trägt. © Twentieth Century Fox

Währenddessen entwickelt sich an den Aktienmärkten eine beunruhigende Eigendynamik. Zunächst wird Jakes Arbeitgeberfirma von einer mächtigen Investmentbank unter der Leitung des rücksichtslosen Bretton James (Josh Brolin) aufgekauft. Kurz darauf wirft sich Jakes langjähriger Chef und Mentor Louis Zabel (Frank Langella) vor den Zug. Doch dessen nicht genug, denn noch viel grösseres Unheil scheint in der Luft zu liegen...

Über 20 Jahre ist es her, seit Michael Douglas alias Gordon Gekko einen wohlverdienten Oscar einheimste. Zu dieser Zeit war Oliver Stones Film Wall Street ein Angriff auf die Finanzwelt, im legendären Mekka in New York. Heutzutage, als der Finanzmarkt nach dem Einbruch 2008 erneut auf wackeligen Beinen steht, kommt die Fortsetzung zwar passend, aber ohne grosse Überraschung daher. Da dem Teil nun auch noch die Würze fehlt, fällt die Unterhaltungskurve schnell nach unten.

Diejenigen, die sich das Original nicht angesehen haben, können einigermassen unvoreingenommen in die Fortsetzung eintauchen. Auch wenn man kein Finanzstudium abgeschlossen haben muss, um den Film zu verstehen, richtet er sich doch primär an Zuschauer, die sich wenigstens mit der Materie auseinandersetzen möchten. In den zwei Stunden spielen Geld, Verlust und Gewinn und unzählige Finanztransaktionen eine grosse Rolle. Das ist mitunter auch ein Grund, warum Wall Street: Money Never Sleeps die Charaktere zwar sehr früh einführt, die erste Filmhälfte aber hauptsächlich dafür braucht, um die Story aufzubauen und den Konflikt anzudeuten.

Mal abgesehen vom dünngesäten Plot, machen die Figuren einigermassen Spass. Allen voran Michael Douglas als Gordon Gekko - zwar älter und grauhaarig aber trotz des neu eingeführten "Vater-Touchs" nicht weniger bissig. Als Bösewicht agiert Josh Brolin kantig und schmierig. Der Dialog während der Charity-Party zwischen ihm und Michael Douglas ist köstlich. Auch nennenswert ist der relativ kurze Auftritt von Altmeister Frank Langella, während Susan Sarandon nur ein netter Hingucker ist. Tja, nebst Cameos von Oliver Stone und Charlie Sheen bleibt nur noch das Junggemüse, das eingesetzt wurde, um auch ein jüngeres Zielpublikum anzusprechen. Shia LaBeouf (Transformers) und Carey Mulligan (Never Let Me Go) verblassen inmitten der Hollywood-Grössen. Das liegt nicht unbedingt an ihren Schauspielkünsten, sondern an der etwas dürftigen Charakterzeichnung.

Unterm Strich reiht sich Wall Street: Money Never Sleeps nahtlos an die unzähligen nichtssagenden Sequels aus Hollywood. Nicht ganz ohne Hintergedanken, aber ohne viel Fleisch am Knochen produziert Oliver Stone einen neuzeitlichen Finanzthriller, bei dem die grossen Twists in harmlosen Wellen daherkommen. Vor 23 Jahren war dies revolutionär. Heute platzt die Seifenblase (zu) schnell.

Die Blu-ray-Disc kommt analog dem Film etwas mager daher. Nebst dem Film gibt es eine fast selbstironische Diskussion zwischen Oliver Stone und dem Cast des Filmes - wie der Finanzmarkt aussieht, warum Gekko ein Vorbild für Junge sein könnte und was Stones Absichten hinter dem Sequel sind. An Bild und Ton lässt sich nichts aussetzen. Gerade die Visual Effects mit Börsenzahlen oder New York in HD sind nett anzusehen.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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Kommentare Total: 12

daw

Hab den ersten Film nicht gesehen, und doch hat mir dieser Streifen eigentlich gefallen. Allerdings fehlt irgendwie der "Drive" während des ganzen Films. Der Höhepunkt ist irgendwie vorhersehbar, und die Entscheiden von Gordon nicht ganz nachvollziehbar. Aber eben, vielleicht müsste man sich zuerst die ältere Version anschauen.

VesperLynd89

Die Geschichte beginnt spannend und verkommt gegen Ende zu einer Liebesschnulze. Michael Douglas hat seine Rolle stark und überzeugend gespielt. Shia LeBoef sieht in seinen Nadelstreifenanzügen fast unscheinbar aus und sticht nicht aus den anderen starken Charakteren heraus.

Noch ein Wort zum Ende:

Spoiler zum Lesen Text markieren

Der Film setzt dadurch das falsche Zeichen, da am Ende wieder alles in Ordnung ist. Jeder hat sein Geld wieder, aber das entspricht nicht wirklich der Realität. Leute verlieren tagtäglich Geld an der Börse. In diesem Film wird diese Tatsache völlig vernachlässigt.

Alles in einem ein Film, der spannend beginnt, stark abbaut und ein sehr realitätsfremdes Ende bietet.

yan

Wall Street's Sequel ist meiner Meinung nach nur gut, wenn man Teil 1 direkt vorher gesehen hat. So kann man sich besser in Gekko's Leben hineinversetzen. Shia Labeouf ist noch kein Charlie Sheen in dessen besten Zeiten und auch neben Michael Douglas sieht er aus, wie ein neureicher Versicherungsheini. Wer Teil 1 gesehen hat, wird rasch merken, dass Wall Street 2 nie an die packende Story herankommt. Trotzdem ist Wall Street: Money Never Sleeps ein guter Finanzthriller mit einem hervorragenden Josh Brolin geworden. Der Schluss wird zwar zu süss serviert, aber nach dem eher bitteren Ende des ersten Teils vielleicht gar nicht übel.

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