True Grit (2010)

True Grit (2010)

True Grit - Vergeltung
  1. , ,
  2. 110 Minuten

DVD-Review: Rache trägt Zöpfe

Piraten im Wilden Westen
Piraten im Wilden Westen © Paramount Pictures Switzerland

Der Farmer Ross von Yell Country, Arkansas, liegt tot im Schneegestöber - erschossen nach einem belanglosen Streit vom angestellten Hilfsfarmer Tom Chaney (Josh Brolin). Ein Mord wie so viele andere im Wilden Westen um 1880, für den die Sheriffs kaum Interesse zeigen. Denn da sind noch viel üblere Gangster auf der Flucht. Die 14-jährige Mattie Ross (Hailee Steinfeld) kann dies nicht akzeptieren und will den Mörder ihres Vaters hängen sehen.

Wo bleibt Clint Eastwood?
Wo bleibt Clint Eastwood? © Paramount Pictures Switzerland

Da Chaney in die Wildnis geflohen ist und sich der Band von Lucky Ned Pepper (Barry Pepper) angeschlossen hat, sucht Mattie Hilfe beim raubeinigen US-Marschall Reuben J. "Rooster" Cogburn (Jeff Bridges), der sich gegen entsprechende Entlöhnung bereit erklärt, alleine der Spur von Chaney zu folgen. Mattie jedoch beharrt darauf, den trinkfesten und gezeichneten Marschall zu begleiten, damit dieser nicht mit der Belohnung abhauen kann. So brechen die zwei ins Choctaw-Gebiet auf, verfolgt vom Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon), der Chaney wegen eines Mordes in Texas sucht und sich von seiner Ergreifung einen Karriereschub wünscht. Die Suche gestaltet sich jedoch schwieriger als erhofft.

Dass die Coens Tausendsassas sind, muss man keinem Filmfreund mehr erklären. Sie haben schon so manches Genre behandelt und mit ihrem typischen Humor infiziert. Mit dem Remake von True Grit inszenierten die talentierten Gebrüder nun einen klassischen Western und reichern auch ihn mit ihren ganz eigenen Ingredienzien an. Zwar ist hier der Humor weniger vordergründig, doch es tauchen an jeder Ecke quirlige Figuren, geschliffene Dialoge und gut dosierte Portionen von Galgenhumor auf.

Jeff Bridges übertreibt es schon ein wenig als Reuben Cogburn. Er lallt sich regelrecht durch den Film, was das Verstehen des ohnehin schon breiten Akzentes nicht einfacher macht. Man braucht einige Minuten, um sich an diese übertriebene Darstellung zu gewöhnen, doch auf wundersame Weise fällt sie im Verlauf des Filmes immer weniger auf. Von den erwachsenen Stars ist es aber eindeutig Matt Damon, der hier die Lobeshymnen verdient hätte. Seine leicht dümmliche, überhebliche und doch irgendwie liebenswerte Figur des LaBoeuf zeigt den Schauspieler von einer ganz neuen Seite, und es ist unverständlich, wieso es für ihn keine Goldmännchen-Nominierung gegeben hat. Doch auch Damon wird in diesem Film an die Wand gespielt, denn die junge Hailee Steinfeld ist erstaunlich als Mattie Ross, die eigentliche Hauptrolle des Filmes. Sie porträtiert das Mädchen als eine kleine Erwachsene, was genau richtig für diese Figur ist. Mattie ist von sich selbst überzeugt, verliert nie ihr Ziel aus den Augen und ist den beiden Marshals in allen geistigen Belangen weit überlegen.

Die simple Rachegeschichte im Westerngewand ist ein alter Zopf. Doch die rundum tolle Besetzung und die Infusion des Coen-Humors machen den Film auf jeden Fall sehenswert. Die Streitereien zwischen Cogburn und LaBeouf sind köstlich, und ein Zahnarzt im Bärenkostüm ist derart abstrus, dass es eine Freude ist. Dennoch muss man als Fan der Filmemacher ein kleines bisschen enttäuscht sein. Sie haben einen sehr guten Western inszeniert mit einigen ganz tollen Momenten, die von ihrem Stammkameramann Roger Deakins in gewohnt schönen Bildern eingefangen werden. Und doch bleibt ein kleiner Wehmutstropfen: Die Coens können das besser. Das Ende wirkt gehetzt, der Epilog unnötig, und auch sonst ist einfach zu wenig Originalität vorhanden. So kann True Grit leider nur als guter Coen-Film bezeichnet werden. Aber das ist doch auch was.

Die DVD bietet ein an sich solides Bild. Mit den feinen Details des Pulverschnees oder der steinigen Einöde ist sie jedoch sichtlich überfordert. Ein Griff zur Blu-ray würde dieses Problem wohl lösen. Auch der Ton ist in guter Qualität vorhanden, und vor allem die wundervolle Filmmusik kommt voll zur Geltung. Extras gibt es nicht viele. Von den vier Featurettes sind lediglich zwei interessant. Die Berichterstattung zum Kostümdesign und das Filmchen über den Setaufbau bieten kurze, aber faszinierende Blicke hinter die Kulissen. Die Regisseure selbst sucht man jedoch vergebens.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 14

yan

True Grit kann vor allem dank der ausgezeichneten Leistung von Hailee Steinfeld brillieren. Ihr Schauspiel alleine ist es wert, sich den Film anzusehen. Jeff Bridges ist wie gewohnt ebenfalls der Knüller und auch Matt Damon hat mir als Texas Ranger sehr gut gefallen. Brolin hingegen fiel ziemlich ab und zeigte sich als eher laschen Bösewicht. Die Geschichte kommt etwas spät in Fahrt und kann dann auch dank wunderbaren Bilder und der musikalischen Begleitung überzeugen. Humor gibts auch ab und zu und für Western-Fans gibts sowieso kein Grund sich den Film nicht anzuschauen.
Mir persönlich gefiel True Grit schauspielerisch hervorragend, aber die Story hätte noch eine Zacken intensiver sein können, so wären evtl. auch die wenigen Längen gar nicht mehr aufgefallen.

4.5

[Editiert von yan am 2011-08-10 03:01:03]

ma

DVD-Review: Rache trägt Zöpfe

woc

Kurz, dreckig und voller Anspielungen. Daher kann man sich den "Western" auch mehrmals ansehen. Viel Würze liegt hier in den Dialogen und der Liebe zum Detail. Der Rest wirkt auf den ersten Blick irrtümlicherweise etwas fad und simpel. Genau so soll es sein 😄

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