Madly in Love (2010)

Madly in Love (2010)

Der tamilische Secondo Devan ist bestens in der Schweiz integriert, wird aber trotzdem von seinem traditionsbewussten Vater zwangsverheiratet. Kurz bevor die schöne Braut Nisha aus Colombo in Zürich eintrifft, verliebt sich der Restaurant-Kassier aber in seine neue deutsche Arbeitskollegin Leo.

Regie
Darsteller
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Genre
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Produktion
2010
Kinostart
- Verleiher: Filmcoopi
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IMDb, TMDb
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Bollywood im Fressbalken

Der tamilische Secondo Devan ist bestens in der Schweiz integriert, wird aber trotzdem von seinem traditionsbewussten Vater zwangsverheiratet. Kurz bevor die schöne Braut Nisha aus Colombo in Zürich eintrifft, verliebt sich der Restaurant-Kassier aber in seine neue deutsche Arbeitskollegin Leo.

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Brenner

Madly in Love

Regie: Anna Luif
Schweiz 2009, 35mm, Farbe, 85 Min.
schweizerdeutsch/tamilisch mit UT, deutsche Erstaufführung

Der in der Schweiz lebende Tamile Devan verliebt sich wenige Tage vor seiner arrangierten Ehe in die alleinerziehende Mutter Leo. Ob das gutgehen kann? Der Film im Bollywood-Stil überzeugt trotz ernster Thematik mit seiner humorvollen Leichtigkeit.

(22.01.2010) Der Tamile Devan (Muraleetharan Sandrasegaram) lebt wie 40.000 seiner Landsleute in der Schweiz. Sein Leben verläuft in geordneten Bahnen. Er arbeitet in einer Autobahnraststätte und freut sich auf seine Hochzeit. Seine Braut kommt wie er aus Sri Lanka. Bislang kennen die beiden sich nur von der Webcam, denn die Ehe wurde von den Eltern arrangiert. Doch dann trifft Devan die alleinerziehende Mutter Leo (Laura Tonke) und verliebt sich in sie.

Bollywood trifft europäisches Kino

Die Geschichte ist nach einem einfachen Muster gestrickt: Junge trifft Mädchen. Nach Überwindung der unvermeidlichen Hindernisse finden beide zusammen und sind glücklich. Aus diesem Plot macht Regisseurin Anna Luif einen farbenfrohen Film, der immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Inspiriert von den Bollywood-Filmen wartet Luif mit vielen Tanz- und Musikeinlagen auf.

Doch Trotz der farbigen Bilder, der Musik- und Tanzeinlagen stellt der Film auch gesellschaftlich sehr relevante Fragen. Wie weit sollte die Integration von Migranten gehen? Wie traditionell dürfen Einwanderer noch sein? Darauf bekommt der Zuschauer natürlich keine endgültigen Antworten - jeder Charakter des Films muss das mit sich selbst ausmachen.

So ist zum Beispiel Devan zu Beginn noch sehr vom Konzept der arrangierten Ehe angetan. "Love will grow" (Liebe wird wachsen), erklärt er seinem Cousin Siva (Murali Perumal). Der wiederum will anfangs eine europäische Frau heiraten - doch als er sich später in eine Tamilin verliebt, besucht er sogar einen bisher immer gemiedenen Tempel.

Der Generationenkonflikt zwischen den immer noch traditionsbewussten älteren Tamilen einerseits und der jungen, integrierten Generation andererseits spielt im Film eine wichtige Rolle. Die "grauen Eminenzen" treffen sich in einem Lebensmittelgeschäft oder beim Friseur, um darüber zu diskutieren, warum ihre Kinder mehr europäisch als tamilisch sind. Die Jugend auf der anderen Seite will einfach nur ihre Träume verwirklichen.

Bei alldem bezieht die Regisseurin selbst keine Stellung, lässt vielmehr beide Einstellungen nebeneinander gelten und akzeptiert auch die konservative Haltung der Väter-Generation.

Aktuelle Themen charmant verpackt

Hauptdarsteller Muraleetharan Sandrasegaram legt in "Madly in Love" gleich ein glänzendes Filmdebüt ab. Für den Einsatz vor der Kamera musste der in London lebende Tamile erst noch mühsam schweizerdeutsch lernen. Auch Murali Perumal, der Darsteller von Cousin Siva, hatte Sprachschwierigkeiten. Neben schweizerdeutsch hatte der Wahl-Bonner auch noch Probleme mit dem tamilischen Dialekt des Films. Trotzdem glänzen beide in ihren Rollen. Besonders zu erwähnen sind auch die vielen schrulligen Nebenrollen, die dem Film eine besondere Würze verleihen.

Ein Gute-Laune-Film

In der Verbindung von gesellschaftlichen Fragen und dem Gute-Laune-Charme der Bollywood-Filme liegt eine weitere Stärke des Films. "Madly in Love" beweist damit, dass Festivalfilme nicht immer hochdramatisch und melancholisch sein müssen. Mit Schwung, Charme, Witz und Sensibilität macht der Film vor allem gute Laune. Eine willkommene Abwechslung im ansonsten oft bleischweren Festivalalltag.

Eine Rezension von Julia Schuler

Brenner

Der junge deutsche Film spricht viele Sprachen, Stuttgarter Zeitung, 5.3

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Die Kellnerin und ihr Chef

Wie ein Gutelauneschock wirkte angesichts der umfassenden Tristesse im Saarbrücker Wettbewerb die erstaunliche Bollywood-Hommage "Madly in Love" der Schweizerin Anna Luif mit der wunderbaren Laura Tonke in der Hauptrolle. Auch hier ging es um politische Konflikte zwischen Tradition und Moderne, um Exil und Bürgerkrieg - nur eben augenzwinkernd als kunterbuntes Musical voller Anspielungen aufs Genre. Erzählt wird die unmögliche Liebesgeschichte zwischen einer alleinerziehenden Kellnerin und ihrem jungen tamilischen Chef, angesiedelt in der tamilischen Subkultur in Zürich. Diesem ausgelassenen Filmvergnügen, das im März in der Schweiz startet, wäre ein deutscher Verleih dringend zu wünschen.

rm

Filmkritik: Bollywood im Fressbalken

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