Stationspiraten (2010)

Stationspiraten (2010)

Oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ausblick...

Ausblick...

Die drei Jugendlichen Benji (Vincent Furrer), Michi (Max Hubacher) und Kevin (Scherwin Amini) teilen das gleiche Schicksal - sie verbringen ihren Alltag auf der Krebsstation eines Spitals. Sie spielen zwar alle gerne Ping Pong, aber sie gehen auf ganz verschiedene Art mit ihrer Krankheit um: Benji gibt sich cool, flirtet mit den Krakenpflegerinnen und erzählt von Dates mit seiner imaginären Traumfrau. Michi hofft, bald wieder Fussball spielen zu können - doch mit einer Beinprothese ist das nicht so einfach. Der Älteste unter ihnen, Kevin, scheint hingegen jegliche Hoffnung aufgegeben zu haben. Zwar werden seine Werte laut Dr. Reichlin (Stefan Kurt) immer besser, aber davon will der pessimistische junge Mann nichts wissen.

...und Einblick.

...und Einblick.

Die Stimmung auf der Station beginnt sich zu ändern, als der kleine Jonas (Elia Robert), der fasziniert ist von der Fliegerei, wegen eines Austausches des Knochenmarks nach Zürich verlegt wird. Dafür kommt der verletze Tennisspieler Sascha (Nicolas Hugentobler) neu auf die Station und wartet verunsichert auf seine Diagnose. Anfangs noch genervt von seinen Stationsgenossen, beginnt er sich auf die drei Jungs einzulassen und gemeinsam mit ihnen das Spital auf den Kopf zu stellen...


Film-Rating

Nach dem Blödelstreifen Tell ist die erfolgreiche Schweizer Produktionsgesellschaft Zodiac Pictures nun zurück auf der Leinwand, doch diesmal mit einem Thema, über das es nichts zu lachen gibt: jugendliche Krebskranke. Dass ihr Film Stationspiraten, basierend auf dem spanischen Hit Planta 4ª, aber trotz der Tragik auch auf wunderbare und charmante Weise zu amüsieren weiss, ist eine Freude.

Dank dem Drehbuch des leider kurz vor dem Dreh verstorbenen Jürgen Ladenburger sowie Mike Schaerers feinfühliger Umsetzung gelingt Stationspiraten der Spagat zwischen dramatischen und witzigen Szenen hervorragend. So unspektakulär die Geschichte scheinen mag, der Zuschauer folgt den Figuren und ihren Schicksalen gespannt in jeder Situation und kann nicht anders als mitzufühlen.

Dies ist aber ebenso der Verdienst der jugendlichen Darsteller, die auf authentische Weise in ihren schwierigen Rollen brillieren und den Film tragen: Vincent Furrer steckt als plappernder Benji voller Energie, Max Hubacher spielt den sportlichen Michi extrem glaubwürdig und Scherwin Amini gibt als depressiver Kevin eine eindrückliche Performance mit grosser emotionaler Tiefe. Sie berühren alle mit ihrem Spiel; ihre Tränen und Wutausbrüche gehen unter die Haut. Wenn die Zukunft der Schweizer Filmschauspieler so aussieht, dann dürfen wir uns freuen. Das Trio wird später perfekt ergänzt durch Nicolas Hugentobler als Sascha, gewissermassen ein Aussenseiter in seiner Rolle als verwöhnter Jugendlicher. Es könnte durchaus sein, dass die erwachsenen Schauspieler neben solch jungem Talent alt aussehen - Stefan Kurts treffende Darstellung des Doktors harmoniert aber perfekt zusammen mit dem frechen Geist der Jugendlichen, was im Film zu pointierter Situationskomik führt.

Visuell findet der preisgekrönte Kameramann Stéphane Kutty gekonnt im richtigen Moment die nötige Nähe zu den Figuren oder den passenden Abstand. Allein beim Rollstuhlduell hätten etwas spannendere Bilder gesucht werden dürfen. Und die identischen Sonnenbrillen, die bereits das Plakat zieren, wirken neben der ganzen Ehrlichkeit des Filmes aufgesetzt (was sie natürlich auch sind). Glücklicherweise trüben diese Details das Filmvergnügen keinerlei.

Fazit: Mit Stationspiraten gelang Regisseur Mike Schaerer ein überraschender Wurf: Es ist der ergreifendste Schweizer Film seit Vitus und ohne Frage der beste aus dem Hause Zodiac Pictures. Die Jungschauspieler gehen ans Herz in diesem unerschrockenen Film - nicht zu verpassen.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.5

 

01.10.2010 / psg

Community:

Bewertung: 4.4 (20 Bewertungen)

 

 

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