The Social Network (2010)

The Social Network (2010)

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  2. 120 Minuten

Filmkritik: Wer hat's erfunden?

Als Freunde hinzufügen?
Als Freunde hinzufügen? © Sony Pictures Releasing GmbH

Herbst 2003: Harvard-Student Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) sitzt mit seiner Kollegin Erica (Rooney Mara) in einer Bar und quasselt vor sich hin. Als Mark Erica beleidigt, verlässt sie ihn. Zuckerberg, wütend und ein wenig betrunken, erstellt zusammen mit seinem besten Freund Eduardo Saverin (Andrew Garfield) eine Website, in der die Mitschüler die Studentinnen bewerten können. Die Seite wird wortwörtlich über Nacht zum Hit und löst um vier Uhr morgens einen Computercrash an der ganzen Harvard aus. Die Professoren sind wütend und das weibliche Geschlecht sowieso. Doch Zuckerberg kommt nochmals mit einem blauen Auge davon.

"Mist! Schon wieder verloren bei 'Reise nach Jerusalem'."
"Mist! Schon wieder verloren bei 'Reise nach Jerusalem'." © Sony Pictures Releasing GmbH

Um seinen Ruf wieder zu polieren, offerieren ihm Divya Narendra (Max Minghella) und die Zwillingsbrüder Cameron (Armie Hammer) und Tyler (Josh Pence) Winklevoss einen Job als Programmierer für ihre Idee einer Website, auf der Studenten miteinander kommunizieren können. Zuckerberg sagt zu, arbeitet dann aber nur zusammen mit Eduardo an seinem eigenen Projekt "The Facebook", welches der Idee der anderen sehr nahe kommt. Als die Seite online geht, fühlen sich die Ideengeber betrogen und verklagen Mark. Doch dieser bekommt selbst immer mehr Probleme mit Eduardo, worunter ihre Freundschaft zu zerbrechen droht.

500 Millionen User hat laut neusten Zahlen die Internetplattform Facebook. Dies bedeutet, dass etwa jeder vierzehnte Bewohner dieser Welt einen Account hat. Eine Erfolgsgeschichte, die den Gründer Mark Zuckerberg zum jüngsten Milliardär der Geschichte gemacht hat. Doch die Zeiten waren nicht immer rosig für das Social Network. Die turbulenten ersten Jahre wurden nun von Regisseur David Fincher (Se7en, Fight Club) aufgerollt. Dabei verfilmte er das Buch The Accidental Billionaires von Ben Mezrich, das nicht gerade mit Kritik sparte. Auf Zelluloid gebannt, ist dies eine packende Lektion Geschichte jüngster Zeit.

Zu Beginn herrscht beim Zuschauer noch etwas Verwirrung. Fincher springt zwischen drei verschiedenen Zeitebenen hin und her. Die Anfänge von Facebook werden dabei immer wieder von zwei laufenden Gerichtsverhandlungen unterbrochen. Hat sich der Zuschauer einmal zurechtgefunden, kriegt er einen düster inszenierten, aber sehr guten Film über Freundschaft, Verrat und jugendlichen Leichtsinn.

Was am Film auffällt, ist, dass der eigentliche Held die Person ist, die am wenigsten gut wegkommt. Der Film zeigt Zuckerberg als ruhigen, heimlich fiesen, aber intelligenten Nerd, der nur ganz schwer zu durchschauen ist. Nur zwischendurch glaubt man, durch dieses Schild der anscheinenden Emotionslosigkeit durchzubrechen, um tatsächlich einen Menschen dahinter zu sehen. Dabei ist am menschlichsten die Schlussszene, in der Zuckerberg ganz alleine in einem Raum sitzt, eine Freundschaftanfrage an Erica schickt und dann alle paar Sekunden auf die Aktualisierungstaste drückt. Jesse Eisenberg zeigt eine tolle Performance eines Charakters, den man nur schwer mögen kann. Leichter hat es der Kinofan bei Andrew Garfield. An den Neo-Spider-Man hält sich der Zuschauer, und die Entwicklung von seinem Saverin geht richtig nahe. Stark ist auch Justin Timberlake in seiner Rolle als Napster-Erfinder Sean Parker. Auch sein Charakter ist nicht gerade der Liebling der Zuschauer.

Obwohl grösstenteils gelungen, ist es trotzdem schade, dass Fincher sich nur auf die Vorgeschichte von Facebook beschränkt und sich nicht gross mit den Problemen, die Facebook mit sich gebracht hat (die Frage nach der Datensicherheit und die Verwertung von Nutzerdaten) auseinandersetzt. So ist am Ende nur Zuckerbergs Image angekratzt, während Facebook immer noch das obertollste Ding ist. Deshalb werden auch die wenigsten ihr Profil nach diesem Film löschen.

Fazit: Mit The Social Network ist Fincher ein dramatischer, manchmal sogar witziger und interessanter Film um die Entstehung des Internetportals, welches die meisten von uns täglich nutzen, gelungen. Dank sehr gut aufspielenden Jungdarstellern und einer Geschichte, deren Grossteil wohl das Leben selbst schrieb, ist der Film nie langweilig und deshalb auch packend bis zum Schluss.

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Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 28

daw

Toller Film. Hat mir echt gut gefallen. Ob alles so gelaufen ist wie im Film dargestellt, sei jetzt mal dahin gestellt. Aber auf jeden Fall haben die Macher einen spannenden, witzigen und unterhaltsamen Film gemacht. Auch für Nicht-Facebook-User empfehlenswert!

yan

Sehr dialoglastiger, aber überaus spannender Thriller über die Geschichte Facebook's. Der Film hätte ruhig noch ne halbe Stunde länger gehen können. Ob Jesse Eisenberg Zuckerberg nun gut gespielt hat, lässt sich für mich nur erahnen, da ich ihn nicht kenne. Die direkte Leck mich am Arsch Haltung hat er aber vorzüglich rübergebracht. Für Informatik-Banausen ist Social Networt ebenfalls sehenswert, nur könnte er an gewissen Stellen so verwirrend klingen, dass es dem unwissenden Zuschauer zu viel wird.

Trotzdem bleibt The Social Network ein modernes und grossartiges Filmvergnügen, mit einem sehr starken Drehbuch. Fincher hat gewaltige Arbeit geleistet und ein geniales Händchen für Nachwuchsschauspieler bewiesen.

El Chupanebrey

Habe mich heute mit einem Kollegen über den Film unterhalten und mir sind erst in diesem Gespräch die vielen Parallelen zwischen The Social Network und Citizen Kane aufgefallen.

[Editiert von El Chupanebrey am 2011-03-11 18:35:08]

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