Shutter Island (2010)

Shutter Island (2010)

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  2. 138 Minuten

Filmkritik: Ist Geisteskrankheit ansteckend?

"Da verfolgt mich doch jemand..."
"Da verfolgt mich doch jemand..." © Paramount Pictures Switzerland

Der U.S. Marschal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) erhält Mitte der Fünfziger Jahre den Auftrag, zusammen mit seinem Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) auf Shutter Island zu fahren. Aus der dort ansässigen Anstalt für geistesgestörte Schwerverbrecher ist die Insassin Rachel Solando verschwunden, ihrerseits die Mörderin ihrer drei Kinder. Der Fall gibt dem Ermittlerduo von Anfang an Rätsel auf, konnte Solando doch unbeobachtet aus einer verschlossenen Zelle fliehen, barfuss und ohne etwas aufzubrechen oder aufzuschliessen.

Die Investigationen verlaufen harzig und schlagen sich in Daniels Gemüt nieder. Immer wieder kehren in Albträumen schreckliche Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg zurück, als er als allierter Soldat ins KZ Dachau vorstoss und dort mit seinen Kollegen ein Massaker verschuldete. Dann wiederum erscheint ihm am helllichten Tag seine verstorbene Frau Dolores (Michelle Williams), die im seltsame Ratschläge erteilt.

Das Ermittlerteam
Das Ermittlerteam © Paramount Pictures Switzerland

Bald schon fällt es Daniels schwer, Wirklichkeit und Einbildung zu trennen. Seine Schlussfolgerung: Eine Verschwörung gegen ihn ist im Gange, in der die Anstaltsleitung Dr. John Cawley (Ben Kinsley) und Dr. Jeremiah Naehring (Max von Sydow) eine tragende Rolle zu spielen scheinen. Seine Nachforschungen erhärten zudem die Vermutung, dass an den "Patienten", wie sie Cawley zu nennen pflegt, Experimente durchgeführt werden. Als Daniels nicht mal mehr seinem Partner Aule vertraut, versucht er, auf eigene Faust hinter das düstere Geheimnis der Insel zu kommen.

Martin Scorseses erster Fiction-Film nach seinem überfälligen Oscargewinn für The Departed ist - ganz objektiv betrachtet - ein Mysterium. Sich als klassische Kriminalgeschichte eröffnend, wandelt er sich zum Suspense-Psychotrip, der in seinen über zwei Stunden Laufzeit gleichwohl mehrere Filmklassiker ins Gedächtnis ruft. Ansätze von Stanley Kubriks The Shining und Don Siegels Flucht von Alcatraz sind unübersehbar, genauso wie die narrative Wendung am Ende, die an Werke von M. Night Shyamalan erinnert.

Shutter Island ist auch deshalb nur bedingt mit anderen Filmen von Scorsese zu vergleichen. Mag er bereits in Taxi Driver die ramponierte Psyche eines Menschens seziert haben, so findet man dort nicht ansatzweise die Ambivalenz, die sich hier mit zunehmender Laufzeit in Teddy Daniels' Kopf aufbaut. So wandelt sich die vorerst klare Handlung allmählich in einen kryptischen Knäuel von Andeutungen und Mysterien - der Sog, der dabei entsteht, treibt den Film unterhaltsam voran. Zudem hilft die Insel-Situierung als zunehmend klaustrophobisch anmutender Ort des Geschehens noch zusätzlich nach. Leonardo DiCaprio als Leading Man bleibt ein verlässlicher Wert, ist er doch zu dem fähig, was hier grundlegend ist: mehrere Oktaven auf der Gemütstonleiter überzeugend zu intonieren.

Shutter Island ist ein starker wie verwirrender Film, der nach dem Abspann nicht schlüssig resümiert werden kann, dadurch aber auch eine ausgeprägte Nachhaltigkeit besitzt. Und Scorseses grosses Werk um eine zusätzliche Facette erweitert.

/ uas

Kommentare Total: 45

gargamel

mmmh, mr. blonde und reservoir dog sind zurück?

createYOURworld

hier kann man ja leider keine Nachrichten schreiben. Schreib da mal JAYonly an

yan

@ Yogibär

Jetzt hast du ja mich zum diskutieren. ;)

@ createYOURworld

Seriously, wenn du hier anderen Usern vorwirfst, sie hätten keine Ahnung und dazu noch für andere Seiten wirbst, dann ist es wohl gescheiter, dass du dich hier nicht rumtreibst!

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