Kidnapped - Secuestrados (2010)

Kidnapped - Secuestrados (2010)

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  3. 85 Minuten

Filmkritik: Spezieller Begrüssungsservice

Nein, lasst meine Katze in Ruhe!
Nein, lasst meine Katze in Ruhe! © Studio / Produzent

Die wohlhabenden Eltern Jaime (Fernando Cayo) und Marta (Ana Wagener) haben sich den Traum eines Eigenheims verwirklicht und sind mit ihrer 18-jährigen Tochter Isa (Manuela Vellés) eben erst in ihr neues, luxuriöses Haus mit Pool und allem drum und dran eingezogen. Nachdem die Möbelpacker abgezogen sind, geht es daran, die neue Heimat einzuweihen. Jedenfalls will das Marta so, Jaime ist es egal, und Isa hat sich mit ihrem Freund Cesar (Xoel Yáñez) für eine Party verabredet. Natürlich will dies Marta verhindern, und es kommt zu einer heftigen Diskussion. Der laute Streit wird jedoch abrupt unterbrochen, als drei maskierte Männer hineinstürmen und die Familie als Geisel nehmen.

Wie zu erwarten war, sind die Einbrecher auf das Geld der Familie aus und haben keine Hemmungen, jedes Mittel einzusetzen, um ihr Ziel zu erreichen. Schliesslich muss das Oberhaupt der Familie losziehen, um seine Kreditkarten zu leeren, während Mutter und Tochter mit den anderen beiden Männern zurückbleiben. Schnell gerät die Situation ausser Kontrolle...

In Zeiten, in denen man über Twitter, Facebook und Handy ein nahezu transparentes und öffentliches Leben führt, gibt es oft nur noch einen Ort, den man 100 Prozent für sich hat und gerne als unantastbaren Rückzugsort ansieht. Die Rede ist von den eigenen vier Wänden. Hier hat niemand anderes etwas zu suchen, und um so schmerzhafter ist es, wenn dieser private Raum mit Einbruch verletzt wird oder man dort sogar angegriffen wird. Genau diese Verletzung der letzten Grenze hat sich Secuestrados nun vorgenommen.

Leider macht der Film schon von Anfang an fundamentale Fehler, welche es nahezu verunmöglichen, diese Verletzung nachzuvollziehen: Die Familie zieht erst in den ersten Minuten des Filmes in die neue Wohnung ein, hat immer noch Kisten herumstehen und sich offensichtlich noch nicht eingelebt. Zudem scheint das neue Haus der kaum vorgestellten Familie für den Vater ein Pflichtkauf gewesen zu sein, die Tochter will lieber anderswo Party machen, und es gurkt sie sowieso an, hierhin gezogen zu sein. Demnach gibt es noch gar kein Zuhause, das geschändet werden kann, und da schon nach rund zehn Minuten Spielzeit die Einbrecher in die immer noch mit Kisten zugestellte Wohnung stürmen, hätte es sich auch irgendwo sonst abspielen können.

Der darauf folgende Terror folgt strikt einem Plot, der unter anderem schon aus Mother's Day bekannt ist und damit auch kaum Überraschungen oder Unerwartetes bietet. Da der Soundtrack zudem meistens gleich unmotiviert dahingurgelt, muss Secuestrados zu einem sehr grossen Prozentsatz auf die Inszenierung und den Cast setzen. Dies funktioniert zu Beginn auch ganz gut, denn die gesichtslosen und sehr systematisch vorgehenden Angreifer machen Eindruck. Da die Frauen den Terror auch gut spielen, kann von Anfang an eine Spannung aufgebaut werden. Besonders der von Manuela Vellés genial gespielten Isa nimmt man die Panik und den Schock wirklich ab, weshalb sie auch bald zum grössten Kapital des Filmes wird. Denn sobald die Angreifer ihre Hauben abnehmen, verlieren sie jede Glaubwürdigkeit, und der Vater wie auch die Mutter stellen sich eher steif an. Ab der Hälfte wird der Film schliesslich von vielen sehr rohen, brutalen und auch rücksichtslosen Momenten geprägt, welche durch die aus 24 bekannte Split-Screen-Technik noch mehr mitreissen. So kann auch vieles wieder wettgemacht werden.

Fazit: Secuestrados kämpft mit der ungünstigen Ausgangslage und einer Figurenpalette, die kaum mehr als Schablonen hergibt. Da auch der Handlungsablauf einem bekannten Schema F folgt und es in dem Rahmen auch kaum Überraschungen gibt, können die Schauspieler noch so ein geniale Leistung erbringen, es kann dennoch nicht restlos begeistern. So basiert der Film zwar sicher auf einer guten Idee, doch diese wurde bereits in den ersten fünf Minuten abgewürgt. Es bleibt primär ein 08/15-Plot übrig, der sich immer wieder ausbremst und im Schatten von Mother's Day zurückbleibt.

/ db