Rubber (2010)

Rubber (2010)

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  3. 82 Minuten

DVD-Review: Hommage to the "No reason"

High Noon
High Noon

In der Wüste Kaliforniens treibt ein Killerpneu sein Unwesen. Zuerst waren es nur Gegenstände und kleine Tiere, die er hat explodieren lassen - doch dann hat er nach Höherem gestrebt und die ersten Menschen umgebracht. So reist der Pneu durch die Wüste, macht Stopp in einem Motel, wo er sich ein wenig vor dem Fernseher entspannt und zwischendurch einem Hausmädchen den Kopf wegbläst. Im selben Motel macht auch eine schöne Unbekannte (Roxane Mesquida) Halt. Zu der fühlt sich der Pneu sofort hingezogen, weshalb er sie vor einer Attacke verschont. Dies möchte der abgehalfterte lokale Sheriff (Stephen Spinella) gerne ausnutzen, weshalb er sie als Lockvogel einsetzt und versucht, den Pneu in eine Falle zu locken.

Än Guete!
Än Guete!

Doch eigentlich ist das sowieso alles nur eine Show für eine Handvoll Zuschauer, die das Ganze aus der Ferne per Feldstecher beobachten. Sind diese tot, ist auch die Show zu Ende, weshalb der Sheriff seinen Assistenten (Jack Plotnick) losschickt, um sie mit einem vergifteten Poulet zu beseitigen. Dummerweise erweist sich einer der Zuschauer als besonders hartnäckiger Fall, weshalb die Show gezwungenermassen weitergehen muss.

Eine Frage brennt einem, wenn man schon einmal von Rubber gehört hat, auf der Zunge: Ist der Film Trash oder nicht? Nun, so einfach lässt sich Quentin Dupieux' verrückte Reise innerhalb drei Realitätsbenen dann doch nicht kategorisieren. Auch wenn bereits beim Prolog exakt erklärt wird, dass der folgende Streifen einfach no reason ergebe, weiss man als Zuschauer nie genau, ob man jetzt veräppelt wird, oder ob der mörderische Reifen eine universelle Metapher für den Sinn des Lebens darstellt.

Mit der mittlerweile auch im Filmgeschäft gebräuchlichen Spiegelreflexkamera Canon 5D MKII macht sich der französische Filmemacher Dupieux (hierzulande übrigens besser bekannt als Musiker Mr. Oizo) in die Wüste Kaliforniens auf und kreiert weder Fisch noch Vogel. Scharf ist das Teil, und dies nicht nur dank Roxane Mesquidas (Madame Sennentuntschi herself) nacktem Hintern. Objekte mit verschiedenen Brennweiten zaubern zwischen Nah- und Grossaufnahmen ein geniales Bild. Dadurch entsteht eine aussergewöhnliche Stimmung, die durch den simplen Soundtrack und die kitschigen übersteuerten Soundeffekte nur noch verstärkt wird.

Und wie war das mit den drei Erzählebenen? Ein Publikum (Ebene zwei), das sich die ganze Szenerie mittels Ferngläser ansieht und uns (Ebene drei) pausenlos daran erinnert, dass alles weder Sinn ergibt noch der Realität entspricht, raubt Rubber fast alle Pluspunkte. Nach einigen trashigen Mordszenen (Ebene eins) geht dem Reifen sinnbildlich die Luft aus. Was bleibt, ist Stephen Spinella, der als Police Officer die knapp 80 Minuten mit seinen Sprüchen aufpeppen kann.

Fazit: Rubber ist weder Fisch noch Vogel, ein satirisches und teilweise wirklich doofes Unding. Schön inszeniert, aber mit belangloser Erählstruktur, erfindet Quentin Dupieux den ersten mordenden Reifen. Vielleicht hätte man dem Streifen als Kurzfilm deutlich mehr abgewinnen können. So wirkt er als Idee okay, aber doch zuwenig brilliant, um länger als 80 Minuten im Gedächtnis zu bleiben.

Die DVD ist ähnlich abgefahren wie der Film selber. Während Bild und Ton der Norm entsprechen und eine befriedigende Qualität aufweisen, findet man im Bonusmaterial ein irres Interview mit Quentin Dupieux. Alles, was der Mann sagt, läuft rückwärts. Tja, auch dies lässt sich keine fünf Minuten aushalten. Die Interviews mit dem Cast sind da um einiges aufschlussreicher.

/ woc

Kommentare Total: 16

HomerSimpson

WTF did I just watch? Sehr absurd aber sicher ebenso kultig. Es muss ja auch nicht immer alles Sinn machen 😄

Oliverdsw

Zugegeben, recht innovativ und merklich "frisch" fällt das Projekt ja aus...

Doch im Endeffekt fehlen die Ideen, um den Film über die gesamte Laufzeit zu tragen - und das möglichst sinnvoll, und nicht durch die blosse Aneinanderreihung von Absurditäten. So hätte man z.B. die zwei (bzw. drei) Ebenen besser miteinander verknüpfen können. Den Gedanken an diesen Film als Kurzversion finde ich persönlich auch viel ansprechender... oder, wenn man schon bei der Länge bleibt: dann hätte dem Film ein Quäntchen mehr Humor (und vor allem auch Selbstironie !) gut getan. Und, dass der Film in irgendeiner Form zum "Kult" werden könnte, sehe ich so auch nicht... kommt Zeit kommt Rat.

Bevor es Flames hagelt, bitte erst meine komplette Rezension lesen, danach aber durchaus gerne. 😉

yan

Bin da nicht ganz eurer Meinung. Rubber ist gut gebügelter Trash, der sich nie ernst nimmt, aber trotzdem kein bisschen doof ist. Rubber ist verdrehte Filmwelt, also läuft genauso ab, wie es in einem Film normalerweise nicht ablaufen würde und das macht Rubber halt dann doch irgendwie speziell und unterschwellig sehr intelligent. Ich hoffe, dass da noch mehr kommt, denn ich fand Rubber wirklich cool.

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