Le quattro volte (2010)

Le quattro volte (2010)

Vier Leben
  1. , ,
  2. 88 Minuten

Filmkritik: Of Geiss and Men

"Wo sind meine sechs Geschwister?"
"Wo sind meine sechs Geschwister?" © Studio / Produzent

Irgendwo in den kalabrischen Bergen in einem idyllischen, abgelegenen Dörfchen lebt ein alter Geissenhirt (Giuseppe Fuda). Er ist krank und hofft auf Heilung, indem er den Staub auf dem Kirchenboden einsammelt, diesen in sein Wasser mischt und trinkt. Doch eines Tages stirbt er trotzdem.

Das Leben im Dorf nimmt dennoch seinen Lauf. Die Dorfbevölkerung pflegt ihre Traditionen und macht als Römer verkleidet einen Umzug. Währenddessen machen die Geissen mit der gnädigen Mithilfe eines Hundes, der die Bremsen eines Autos löst, einen Ausflug in die Häuser des Dorfes. Später wird ein neues Geisslein geboren, das seine ersten Schritte auf dem Planeten Erde macht. In der Nähe fällen die Dorfeinwohner einen Baum, entästen diesen und transportieren ihn ins Dorf, wo er mit viel Trara aufgerichtet wird. Danach wird er ein zweites Mal gefällt, zerteilt und zu Kohle verarbeitet.

Wer sich mit seiner Kinobegleitung jeweils in die Haare gerät, ob der Film nun im Original oder in der synchronisierten Version geschaut werden soll, dem sei Le quattro volte empfohlen. Da ist diese Frage nämlich völlig irrelevant, beschränkt sich doch der ganze Dialog des Films auf das Meckern der Ziegen, das Husten des alten Hirten sowie gelegentliche undeutliche Rufe im Hintergrund. Entsprechend ist auch schon verraten, dass der Film keine Story im eigentlichen Sinne hat. Er beschränkt sich aufs Beobachten.

Dabei sind zwei dramaturgische Höhepunkte auszumachen: einerseits die Auto-Brems-Löse-Szene als kleines aufheiterndes Slapstick-Element zwischendurch - man fragt sich dabei, ob und wie wohl der Hund trainiert wurde; andererseits die Geburt des jungen Geissleins, die man - plopp! - sozusagen live miterlebt. Durchaus interessant, so spart man sich den Besuch eines Bauernhofes und das lange Warten, bis dort etwas Spannendes passiert. Ansonsten hält Michelangelo Frammartino mit seiner Standkamera in dokumentarischem Stil und aufreizend langsamem Tempo das Leben im Bergdorf fest. Manchmal interessant, manchmal weniger. Zwischendurch starrt die Kamera bewegungslos auf Landschaften oder das Dorf.

Le quattro volte zeigt den Kreislauf des Lebens und Sterbens in den Bergen, das unspektakulär und unaufhaltsam seinen Lauf nimmt. Schöne Landschaftsbilder und einige interessante Szenen können aber den Gähnreflex nicht unterdrücken, der sich beim Schauen dieses geräuschunterlegten Stummfilmes unweigerlich einstellt.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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