Old Cats (2010)

Old Cats (2010)

  1. ,
  2. 89 Minuten

Filmkritik: Familienstreit deluxe

"...und nach der Werbung: Das Traumschiff"
"...und nach der Werbung: Das Traumschiff" © Studio / Produzent

Zusammen mit ihrem Mann Enrique (Alejandro Sieveking) und ihrer Katze lebt Isidora (Bélgica Castro) in einer schönen Wohnung inmitten von Santiago. Die alte Frau um die 80 ist aber physisch wie auch psychisch nicht mehr so fit: Zum einen scheint sie an Demenz zu leiden, zum anderen fällt ihr das Treppensteigen schwer. Als dann noch zu allem Übel der Lift in dem Haus ausfällt, wird Isidora eine Gefangene in ihrer eigenen Wohnung. Wenn es nach ihrer Tochter Rosario (Claudia Celedón) geht, soll die Mutter ohnehin nicht mehr lange in diesem Gefängnis bleiben.

Anscheinend stehen auch Katzen auf Käse.
Anscheinend stehen auch Katzen auf Käse. © Studio / Produzent

Deshalb kommt Rosario mit ihrer Freundin "Hugo" (Catalina Saavedra) auf Besuch und hat schon die nötigen Papiere dabei, um Isidora und Enrique aus der Wohnung zu werfen. Während Enrique vehement protestiert, scheint Isidora nicht mehr ganz da zu sein und versucht sich mit letzten Kräften zu wehren. Dabei nutzt Rosario gnadenlos die Schwächen der eigenen Mutter aus wie deren Angst vor der Treppe.

Demenz ist nichts Schönes: Die Krankheit beeinträchtigt nicht nur das Kurzzeitgedächtnis, sondern es können auch Probleme mit der Sprache und der Motorik auftreten. Die Protagonistin in Gatos viejos, dem neusten Film von Pedro Peirano und Sebastián Silva (La nana), leidet offensichtlich daran, obwohl es nie ausgesprochen wird. Wer glaubt, dass eine Auseinandersetzung mit der Krankheit folgt, irrt aber gewaltig. Peirano und Silva zeigen fast 90 Minuten lang einen Familienstreit, ohne je Sympathiepunkte zu verteilen.

In der Wohnung, in welcher dieser Kampf mit Worten ausgetragen wird, scheint nicht mehr viel richtig zu funktionieren. Der Computer streikt, wie auch der Drucker und der Lift - eine schöne Parallele zur der Krankheit Demenz, doch damit hat es sich auch. Mit dem Auftritt der kokainsüchtigen Tochter Rosario ist es vorbei mit dem stillen Drama. Es wird gestritten, beschuldigt und sogar einmal geschlagen.

Als Zuschauer schaut man dem Treiben aber emotionslos zu, da die Figur der Mutter über die ganze Spielzeit fremd bleibt und die Tochter etwas viele Klischees auf sich vereint. Zudem ist diese eine solch falsche Schlange, dass man sie selbst in hohem Bogen hinauswerfen würde. Ihre Vorwürfe wie derjenige, dass die Mutter sie nie geliebt habe, stehen zudem, was die Glaubwürdigkeit betrifft, auf beiden Seiten etwas auf dünnem Eis. Während man der Tochter kein einziges Wort glaubt, kann sich die Mutter schlichtweg nicht mehr daran erinnern und so keine Gegenargumente bringen. Auch deswegen bleibt alles, trotz der vielen auf der Leinwand vergossenen Tränen, sehr emotionslos.

Fazit: Gatos viejos ist ein lethargischer Film über eine Disharmonie in einer Familie. Obwohl im Film draussen die Sonne scheint, hat das Werk nichts Wärmendes, was es anstrengend und emotionslos macht. Viele Fragen wie zum Beispiel diejenige, mit welcher imaginären Person die Mutter manchmal spricht, bleiben offen. So ist das Ganze trotz einer tollen Leistung von Theaterschauspielerin Bélgica Castro gefühlsmässig zu oberflächlich. Dann lieber nochmals Carnage gucken. Dort wird auch gestritten, jedoch deutlich unterhaltsamer.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd

Trailer Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:58