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The Last Exorcism (2010)

Der letzte Exorzismus

The Last Exorcism (2010) Der letzte Exorzismus

Oder: Selbst im YouToube-Zeitalter gibt es Exorzismus

Vorfreude auf die Pyjama-Party

Vorfreude auf die Pyjama-Party

Der Prediger Cotton Marcus (Patrick Fabian) liebt seinen Job. In die Fusstapfen seines Vaters tretend, unterhält er die Kirchgemeinde mit seinen modernen Gottesdiensten. Seit Generationen wird in seiner Familie ebenfalls professioneller Exorzismus betrieben. Marcus hält dies für Schwindel, führt die Teufelsaustreibungen aber immer noch selber durch, um die Leute im Glauben zu lassen, frei von Dämonen zu sein.

"Füsse warm? Gut."

"Füsse warm? Gut."

Mit einer kleinen Filmcrew macht er sich auf den Weg in ein verschlafenes Örtchen in Louisiana. Daraus soll eine Dokumentation entstehen, die die Tricks des Predigers bei einer Teufelsaustreibung zeigen. Die Farmerfamilie um die 16-jährige Tochter Nell (Ashley Bell) zeigt anlässlich des Todes der Mutter typische Probleme auf, die Marcus anfangs nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Nach der ersten Exorzierung spitzen sich die Fronten allmählich zu, und aus der Show wird Ernst. Marcus entgleitet die Kontrolle, was die ganze Filmcrew in Gefahr bringt...


Blu-ray-Rating

Pseudodokumentationen sind in Mode und jeder versucht mit der "Ich hab ein paar Filmrollen gefunden"-Masche beim Publikum zu punkten. The Last Exorcism ist da nicht anders. Wie auch bei [Rec] begleitet hier der Zuschauer ein Kamerateam bei der Arbeit und ist so mitten im Geschehen. Interviews über und um Exorzismus, den Glauben und die katholische Kirche ergänzen im ersten Drittel die Handlung, bevor es zu den Besessenen losgeht und die Handlung immer chaotischer wird.

Die Pseudodoku-Ausgangslage war auch der Grund, weshalb The Last Exorcism, selbst wenn die Thematik eher ausgelutscht ist, wirklich das Potential hatte, etwas Neues zu bieten. Eine Hoffnung, welche im ersten Drittel auch berechtigt schien, denn Cotton Marcus steht seinem Job als Priester kritisch gegenüber, stellt das was er macht in Frage und hat auch eine Glaubenskrise. Aus diesem Grund nimmt er auch das Kamerateam mit und will so zeigen, dass heutige Exorzismen ein Fake sind, um so auch zu verhindern, das andere Menschen oder sogar Kinder dabei verletzt oder getötet werden - was alles schon vorgekommen sei.

Die erste Besessene befindet sich in Louisiana, und dort beobachtet der Zuschauer den ersten Exorzismus aus der "Behind the Scenes"-Perspektive. Dabei gelingt es Regisseur Daniel Stamm durchaus, eine Spannung aufzubauen und dank einigen intensiven Momenten wird es auch nicht langweilig - vorerst jedenfalls. Denn nach dem ersten Exorzismus beginnt sich der Film im Kreis zu drehen, schiebt noch einen zweiten nach, etwas Detektivarbeit und kommt nicht mehr vom Fleck. Vom anfänglichen kritischen Hinterfragen merkt man kaum noch was und jedes bislang etablierte Klischee von The Exorcist über The Exorcism of Emily Rose wird nochmals umgerührt. Der Film endet schliesslich in einem desaströsen Finale, das bloss ein müder Abklatsch von Rosemary's Baby ist.

Etwas ist Regisseur Daniel Stamm allerdings sehr gut gelungen, denn selbst wenn die Thematik ausgelutscht ist, die Darsteller überzeugen mit grossartigen Leistungen und wirken glaubwürdig. Dies ist letztendlich auch der Aspekt, welcher am meisten hängen bleibt, denn vom desillusionierten Priester über den verzweifelten Vater bis zum besessenen Mädchen, alle leisten einen grossen Beitrag zur Dramatik und dies ist auch der Grund für die Bewertung mit drei Sternen.

Fazit: Oft gesehen, viele Male wiedergekäut und hier nur mit wenig neuen Aspekten aufgekocht. Nach einem durchaus gelungenen Anfang, der auch Interesse weckt, schwenkt er immer mehr in ausgetretene Autobahnen ein und verpasst es auch, ein gelungenes Finale zu bieten. Vielleicht wäre es besser gewesen, den zuerst gezeigten Exorzismus als roten Faden zu nehmen und mehr Fakten über das Thema zu liefern.

Die Blu-ray liefert den Film in einer sehr sauberen und scharfen Qualität, welche den Film auch geniessen lässt. Bonusmässig gibt es eine nichts sagende Einführung durch Eli Roth und ein zu kurz geratene Doku über die Entstehung und einen echten Exorzismus und einige Interviews.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

06.03.2011 / db

Community:

Bewertung: 2.5 (24 Bewertungen)

 

 

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7 Kommentare