The Last Exorcism (2010)

The Last Exorcism (2010)

Der letzte Exorzismus
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  3. 87 Minuten

Filmkritik: Auf Teufel komm raus!

Vorfreude auf die Pyjama-Party
Vorfreude auf die Pyjama-Party

Der Prediger Cotton Marcus (Patrick Fabian) liebt seinen Job. In die Fusstapfen seines Vaters tretend, unterhält er die Kirchgemeinde mit seinen modernen Gottesdiensten. Seit Generationen wird in seiner Familie ebenfalls professioneller Exorzismus betrieben. Marcus hält dies für Schwindel, führt die Teufelsaustreibungen aber immer noch selber durch, um die Leute im Glauben zu lassen, frei von Dämonen zu sein.

"Füsse warm? Gut."
"Füsse warm? Gut."

Mit einer kleinen Filmcrew macht er sich auf den Weg in ein verschlafenes Örtchen in Louisiana. Daraus soll eine Dokumentation entstehen, die die Tricks des Predigers bei einer Teufelsaustreibung zeigen. Die Farmerfamilie um die 16-jährige Tochter Nell (Ashley Bell) zeigt anlässlich des Todes der Mutter typische Probleme auf, die Marcus anfangs nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Nach der ersten Exorzierung spitzen sich die Fronten allmählich zu, und aus der Show wird Ernst. Marcus entgleitet die Kontrolle, was die ganze Filmcrew in Gefahr bringt...

Doku-Fakes haben alle etwas gemeinsam: Sie schaffen es immer wieder zu polarisieren. Nach dem Hype Ende der Neunzigerjahre mit The Blair Witch Project feierten das spanische Quarantänegeschüttel [Rec] und der Poltergeistverschnitt Paranormal Activity fast zehn Jahre später eine Auferstehung dieses Horrorstils. Mittlerweile sind die Produzenten jedoch schlau genug und belassen es auf dem reinen Stilmittel - zu hoffen, der Zuschauer glaube heutzutage an die Authentizität solcher Stories, ist purer Schwachsinn.

Bereits nach dem Trailer zu The Last Exorcism ist gewiss, dass uns der in Deutschland geborene Regisseur Daniel Stamm eine Palette mit altbekannten Themen und Stilmitteln auftischt. Der Film greift die Frage, ob Besessenheit und Teufelsaustreibung Aberglaube, wissenschaftlich belegt oder rein fiktive Themen für Gruselgeschichten sind, nur am Rande auf. Stattdessen wird uns mit Cotton Marcus (Patrick Fabian) von Anfang an ein unorthodoxer und moderner Prediger gezeigt. Er quasselt in seiner Offenheit vor laufender Kamera, wie er Leuten bei seinen Teufelsaustreibungen etwas vorschwindelt und sie dadurch heilen kann. Die "realistische" Ausgangslage des Doku-Fakes macht an dieser Stelle noch Lust auf mehr. Dass es sich bei der besessenen Person um ein 16-jähriges Mädchen (Ashley Bell) handelt, lässt erste zweifelnde Augenbrauen heben, aber glücklicherweise wird im ersten Teil des Filmes behutsam mit Klischees umgegangen.

Unheimliches Babygeschrei oder das Treppen-Hinaufrennen mit verwackelter Handkamera sind nur zwei Beispiele davon, wie The Last Exorcism nach der Hälfte etliche Glaubhaftigkeitspunkte verliert und rasant auf ein Level fällt, dessen Unterhaltungswert schlichtweg unbefriedigend ist. Warum hier die Macher lieber auf Altbekanntes zurückgreifen, anstatt neue Wege zu gehen, ist schleierhaft. Selbst mit wirren Wendungen schafft es die Story nicht, wenigstens einigermassen qualitativ zu überzeugen. Gegen Schluss wird das Gewackle dermassen vorhersehbar und abstrus, dass die Endcredits eine wahre Erlösung sind. Schade, denn die Ausgangslage wäre vielversprechend gewesen und hätte punkto Spannung und Drama enorm viel Gänsehautpotential gehabt.

The Last Exorcism ist ein kläglicher Versuch, das Thema Exorzismus im geliebten, aber immer wieder kritisierten Doku-Stil rüberzubringen. Zu viele Parallelen zu Vorgängern sind vorhanden, um von dem Grusel überhaupt noch eine Gänsehaut zu kriegen. Darüber hinaus verwirrt die sonst schon dünne Story mit Wendungen und liefert einen plumpen und nervtötenden Schluss.

/ woc

Kommentare Total: 7

RandyMeeks

Startet Lahm und endet beschissen.
Da ist The Exorcism of Emily Rose um Längen besser!
Da muss man sich durch endloses Geschwafel und langeweile kämpfen und wenns dann endlich spannend werden könnte, ist fertig.

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Und der Titel ist auch irgendwie irreführend, ein wirklicher Exorzismus hat in dem Film ja gar nicht wirklich stattgefunden...

Und warum der Film ab 18 Jahren sein soll ist mir ebenfalls ein Rätsel...

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Ich habe weder übermässig Blut gesehen noch sonst irgendwelche brutale Sachen... mal abgesehen von der Katze. Aber wirklich viel sehen tut man da ja auch nicht...

1 Sternli für die Ashley Bell, die hat als eizige was getaugt.

yan

Krass! Ich habe eigentlich mit einem öden Blair Witch Project Machwerk gerechnet , aber Roth hat hier doch einiges anständig hinbekommen. Oftmals errinnerte mich der Film an die 4. Art mit Milla Jovovich. Ja, ich bin ein Fan von Handkamera-Filmen und ja ich mag auch noch einen Film über das ausgelutschte Thema Exorzismus. Ich finde the last exorcism erfindet das Rad zwar nicht neu, aber die Idee mit der Doku bringt uns als Zuschauer noch näher ran. Die Twists, wie ich finde, sitzen ziemlich gut und der Schluss, ja der Schluss ist irgendwie erzwungen schnell ausgefallen. Viele Fragen haben sich auch nach dem Film noch nicht beantwortet.... Aus meiner Sicht als anregend und nicht abwertend anzusehen. Auch wenn ich wohl alleine dahstehe, mich hat der Film mitgerissen und ich fühlte mich mitendrin. Toll!

Blaque2

nun ich wollte den Film zuerst im Kino anschauen jedoch von den eher mässig bis schlechten Kritiken habe ich auf die DVD gewartet.
ich weiss nicht aber dieser Streifen packt einem von beginn an nicht...
Und bis mal der erste exorzismus beginnt zieht sich der Film wie Kaugummi.
man weiss am Schluss nicht mehr als am Anfang...

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war sie nun von einem Dämon bessesen? von wem stammt das Baby? Was war es fürn ein Baby? Warum waren alle bekannte Gesichter plötzlich in dieser "Sekte" (Bruder, Pfarrer etc)? Was war mit dem Vater? Was geschah mit unserem Pfarrer? Was geschah mit ihr?

Ganz klar : viel zu viele Fragen offen - man hätte mehr draus machen können... die grundlage war vorhanden

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