The Last Exorcism (2010)

Der letzte Exorzismus

The Last Exorcism (2010) Der letzte Exorzismus

Oder: Auf Teufel komm raus!

Vorfreude auf die Pyjama-Party

Vorfreude auf die Pyjama-Party

Der Prediger Cotton Marcus (Patrick Fabian) liebt seinen Job. In die Fusstapfen seines Vaters tretend, unterhält er die Kirchgemeinde mit seinen modernen Gottesdiensten. Seit Generationen wird in seiner Familie ebenfalls professioneller Exorzismus betrieben. Marcus hält dies für Schwindel, führt die Teufelsaustreibungen aber immer noch selber durch, um die Leute im Glauben zu lassen, frei von Dämonen zu sein.

"Füsse warm? Gut."

"Füsse warm? Gut."

Mit einer kleinen Filmcrew macht er sich auf den Weg in ein verschlafenes Örtchen in Louisiana. Daraus soll eine Dokumentation entstehen, die die Tricks des Predigers bei einer Teufelsaustreibung zeigen. Die Farmerfamilie um die 16-jährige Tochter Nell (Ashley Bell) zeigt anlässlich des Todes der Mutter typische Probleme auf, die Marcus anfangs nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Nach der ersten Exorzierung spitzen sich die Fronten allmählich zu, und aus der Show wird Ernst. Marcus entgleitet die Kontrolle, was die ganze Filmcrew in Gefahr bringt...


Film-Rating

Doku-Fakes haben alle etwas gemeinsam: Sie schaffen es immer wieder zu polarisieren. Nach dem Hype Ende der Neunzigerjahre mit The Blair Witch Project feierten das spanische Quarantänegeschüttel [Rec] und der Poltergeistverschnitt Paranormal Activity fast zehn Jahre später eine Auferstehung dieses Horrorstils. Mittlerweile sind die Produzenten jedoch schlau genug und belassen es auf dem reinen Stilmittel - zu hoffen, der Zuschauer glaube heutzutage an die Authentizität solcher Stories, ist purer Schwachsinn.

Bereits nach dem Trailer zu The Last Exorcism ist gewiss, dass uns der in Deutschland geborene Regisseur Daniel Stamm eine Palette mit altbekannten Themen und Stilmitteln auftischt. Der Film greift die Frage, ob Besessenheit und Teufelsaustreibung Aberglaube, wissenschaftlich belegt oder rein fiktive Themen für Gruselgeschichten sind, nur am Rande auf. Stattdessen wird uns mit Cotton Marcus (Patrick Fabian) von Anfang an ein unorthodoxer und moderner Prediger gezeigt. Er quasselt in seiner Offenheit vor laufender Kamera, wie er Leuten bei seinen Teufelsaustreibungen etwas vorschwindelt und sie dadurch heilen kann. Die "realistische" Ausgangslage des Doku-Fakes macht an dieser Stelle noch Lust auf mehr. Dass es sich bei der besessenen Person um ein 16-jähriges Mädchen (Ashley Bell) handelt, lässt erste zweifelnde Augenbrauen heben, aber glücklicherweise wird im ersten Teil des Filmes behutsam mit Klischees umgegangen.

Unheimliches Babygeschrei oder das Treppen-Hinaufrennen mit verwackelter Handkamera sind nur zwei Beispiele davon, wie The Last Exorcism nach der Hälfte etliche Glaubhaftigkeitspunkte verliert und rasant auf ein Level fällt, dessen Unterhaltungswert schlichtweg unbefriedigend ist. Warum hier die Macher lieber auf Altbekanntes zurückgreifen, anstatt neue Wege zu gehen, ist schleierhaft. Selbst mit wirren Wendungen schafft es die Story nicht, wenigstens einigermassen qualitativ zu überzeugen. Gegen Schluss wird das Gewackle dermassen vorhersehbar und abstrus, dass die Endcredits eine wahre Erlösung sind. Schade, denn die Ausgangslage wäre vielversprechend gewesen und hätte punkto Spannung und Drama enorm viel Gänsehautpotential gehabt.

The Last Exorcism ist ein kläglicher Versuch, das Thema Exorzismus im geliebten, aber immer wieder kritisierten Doku-Stil rüberzubringen. Zu viele Parallelen zu Vorgängern sind vorhanden, um von dem Grusel überhaupt noch eine Gänsehaut zu kriegen. Darüber hinaus verwirrt die sonst schon dünne Story mit Wendungen und liefert einen plumpen und nervtötenden Schluss.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.0

 

09.09.2010 / woc

Community:

Bewertung: 2.5 (24 Bewertungen)

 

 

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