Devil (2010)

Devil (2010)

Devil - Fahrstuhl zur Hölle
  1. , ,
  2. 80 Minuten

DVD-Review: Fünf kleine Jägermeister...

"Wenn die noch einmal Girl from Ipanema spielen, dann dreh ich denen den Hals um!"
"Wenn die noch einmal Girl from Ipanema spielen, dann dreh ich denen den Hals um!" © Universal Pictures Switzerland

Es ist ein grauer Tag in Philadelphia. Detective Bowden (Chris Messina) hat Dienst. Als er einen seltsamen Selbstmord zu klären versucht, führt ihn die Suche nach dem Fenster, aus dem der Springer hätte stammen können, zu einem Wolkenkratzer mit Büros. Dort stecken fünf Fremde in einem Lift fest und gehen einander auf die Nerven. Die Wachmänner und Wartungsingenieure des Gebäudes sind zunehmend ratlos. Alle Versuche sind gescheitert, das Problem zu beheben.

Dann geht das Licht im Aufzug aus. Als es wieder brennt, ist eine junge Frau (Bojana Novakovic) in den Rücken gebissen worden. Wer? Warum? Wie? Keiner kann es beantworten. Von nun an herrscht Angst in den wenigen Quadratmetern, die über dem Nichts hängen. Die Angriffe eskalieren. Um die Situation zu entschärfen, ziehen die Wachmänner Bowden zur Hilfe hinzu. Allmählich wird klar, dass eine viel gewaltigere böse Macht hier die Fäden in der Hand hat und nicht gewillt ist, auch nur eine der Seelen aus dem Aufzug entkommen zu lassen.

M. Night Shyamalan hatte den Zuschauern mit seinen letzten Filmen zweifellos mehr Ärger als Freude bereitet. Bei Devil agiert der Mann, der uns mit The Sixth Sense das Fürchten lehrte, lediglich als Ideengeber und Produzent im Hintergrund. Der Lift-Spuk soll der erste von weiteren Filmen unter dem Label The Night Chronicles sein. Dass Shyamalan vom Drehbuch selber die Finger gelassen hat, steigert die Qualität von Devil leider in keiner Weise.

Dabei hätte der Film so viel Potential gehabt, ein extraordinäres Exempel ganz im Stil von Polanski oder Hitchcock zu werden. Die Idee, ein paar Fremde auf engstem Raum aufeinanderknallen zu lassen, ist klassisch und verspricht etliche Umsetzungsmöglichkeiten. Regisseur John Erick Dowdle hätte man nach Quarantine mehr Erfahrung auf dem Gebiet der Spannung zugetraut. Das regnerische Philadelphia und ein unheimlicher Score sind zu Beginn zwar Grund genug, sich in die entsprechende Stimmung zu versetzen. Von da an wählt der Film dann doch lieber den einfachen Weg und geht sogar soweit, mit einer Voiceover-Erzählung viel zu viel auszuplaudern.

Weitere Punkte verliert das Setting mit der Wahl des unbedeutenden Casts. Trotz aller Bemühungen reicht das Niveau der Schauspieler schlichtweg nicht aus, um den Zuschauer fesseln zu können. Der für eine solche Ausgangslage essentielle Funke will nicht überspringen. Bei allem Übel übersieht man schnell einmal die genial eingefügten Shyamalan-Elemente (beispielsweise die Farbe Rot oder gewisse Zahlennennungen). Diese machen den Braten auch nicht mehr heiss. Sehr wenige Momente bestechen trotz der Ausgangslage durch Einzigartigkeit. Abgesehen vom Score und ein paar netten visuellen Aspekten bleibt das Resultat leider im Durchschnittsbereich hängen. Beim Twist am Schluss ist ein leises "Aha" oder ein müdes Lächeln das höchste der Gefühle.

Fazit: Die aus der Feder von M. Night Shyamalan stammende Geschichte von Devil hätte eigentlich eine sehr spannende Prämisse. Die filmische Umsetzung von Regisseur John Erick Dowdle kann visuell einigermassen überzeugen, hadert schlussendlich aber mit der Qualität der Erzählungsstruktur sowie dem faden Cast. Mit Mut zu neuen Wegen und mehr Akzenten wäre aus dem Kammerspiel möglicherweise ein nervenaufreibender Thriller im guten alten Stil geworden.

Die DVD besitzt ein gutes Bild, wobei es sich schon allein wegen des Genres lohnt, den Film nachts anzusehen. Der Ton wummert im 5.1. ganz schön, insbesondere der geniale Score sowie die Effekte rund um den Lift. Das Menü ist schlicht und übersichtlich. Neben den gewohnten Sprachkonfigurationen finden sich im Bereich Bonus gelöschte (und wirklich total überflüssige) Szenen sowie gewisse Features, die das Konzept des Filmes beleuchten. Da darf M. Night auch wiedermal mit den Händen fuchteln.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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Kommentare Total: 18

db

Interssante Ausgangslage und kann auch einige intensive Momente bieten. Doch letztendlich klemmt auch ein Wiederholungsknopf, da immer mit den gleichen Spannungsmomenten gearbeitet wird, die Rahmenhandlung gibt nicht viel her und ist auch bald transparent. Da es auch ein eher schwacher Cast ist, kann es nicht wirklich begeistern. Sicher solide inszeniert und langweilig wird er auch nicht, aber mit den Grossen kann er nicht mitspielen.

yan

Was genau erfährt man vom Voiceover? Klar hilft der Erzähler die Geschichte zu verstehen und da wird dann meiner Meinung nach auch etwas an Spannung verschenkt. Hätte man das weggelassen, hätte aus Devil sogar ein echter Mindfuck-Thriller werden können. Ansonsten verstehe ich die miesen Bewertungen nicht. Unterhaltsames Gruselkino mit einer glänzenden Idee. Die Schauspieler machten ebenfalls einen guten Job. Zum Schluss: Ein wenig konstruiert, aber doch irgendwie unerwartet und speziell. Hat mir gefallen, wirklich :D

[Editiert von yan am 2011-06-13 16:56:49]

woc

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Teaser Englisch, 02:32