The Unjust - Boo-dang-geo-rae (2010)

The Unjust - Boo-dang-geo-rae (2010)

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  2. 119 Minuten

Filmkritik: Korruption lohnt sich nicht

"Kein Schwein ruft mich aaaaan..."
"Kein Schwein ruft mich aaaaan..." © Studio / Produzent

Ein brutaler Serienkiller geht in Südkorea um. Alle seine Opfer sind Schülerinnen, die er zuerst vergewaltigt und danach ermordet. Die Bevölkerung ist mehr als aufgebracht und will das Monster so schnell wie möglich gefasst haben. Als sogar der Präsident des Landes Druck auf die zuständige Polizei ausübt, muss diese eine schnelle Lösung finden - koste es, was es wolle. Für den schwierigen Fall wird Choi Cheol-gi (Jeong-min Hwang) geholt, der sich aber keine Mühe gibt, den wahren Täter zu finden, sondern nur einen Sündenbock.

"Wir sind nicht bekifft, wir sind Asiaten."
"Wir sind nicht bekifft, wir sind Asiaten." © Studio / Produzent

Hilfe bekommt er dabei von einem Bauunternehmer, dem er schon den einen oder anderen Gefallen getan hat. Zur gleichen Zeit beginnt der Staatsanwalt Joo-yang (Seung-beom Ryu) gegen Cheol-gi zu ermitteln. Denn dieser hat Joo-yangs Kumpel, ebenfalls einem vermögenden Bauunternehmer, einen Auftrag mit einer Verhaftung versaut. Schon bald geht es nicht mehr um den Mörder, sondern um den persönlichen Kampf zwischen Kommissar und Staatsanwalt.

Korruption ist ein globales Problem. Auf diesen Schluss kann man kommen, wenn man die Filmlandkarte hervornimmt und nachschaut, wo schon überall Filme um das Thema gedreht wurden. Nun zeigt uns Regisseur Seung-wan Ryoo, dass Südkorea da auch keine Ausnahme ist. Sein episch angelegter Polizeithriller ist zwar etwas vollgestopft, unterhält jedoch während fast zwei Stunden ganz gut.

Die Entscheidung, dass seine beiden Hauptfiguren Dreck am Stecken haben, ist zwar konsequent, aber einen Sympathieträger etabliert er dabei nicht. Beide sind verlogene Typen, die weit gehen würden, um ihre Karriere voranzutreiben. Als Zuschauer ist man weniger emotional dabei, sondern freut sich lediglich auf das Zusammentreffen der beiden. Doch bis es dazu kommt, vergehen rund drei Viertel des Filmes, denn Ryoo hat seine Handlung bis ins kleinste Detail durchdacht, und dies möchte er auch auf Zelluloid zeigen. Eine ehrenwerte Vorgehensweise, zuerst das Spielbrett und die Schachfiguren aufzustellen, doch bis er die Figuren dann auch mal bewegt, dauert es zu lange.

Die detailverliebte Story hat aber auch einen Nachteil: Wenn man nur einmal den Faden verliert, ist es danach sehr schwierig, ihn wieder zu finden. Dass die Namen einiger Figuren noch recht ähnlich klingen, macht das Ganze auch nicht einfacher. Immerhin kann man sich an den tollen Bildern von Kameramann Jeong-hun Jeong (Oldboy) erfreuen.

Fazit: The Unjust ist ein weitgehend spannender Polizeithriller, der aber schneller auf den Punkt hätte kommen können und etwas mehr Sympathien gegenüber den Figuren ertragen hätte. So ist man am Ende doch ein wenig enttäuscht, denn einen Nachfolger für den Hongkong-Thriller Infernal Affairs ist zu Beginn noch erkennbar, doch diese Anzeichen verschwinden dann mit zunehmender Laufdauer und einem Ende, das zu sehr mit dem Zeigefinger mahnt. Für Polizeifilmfans aber dennoch ein Must-see.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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