Bon appétit (2010)

Bon appétit (2010)

Oder: Filmkunst, erschaffen nach EU-Agrarrichtlinien

Der Spanier Daniel (Unax Ugalde) kommt als Nachwuchskoch in ein Zürcher Nobelhotel. Dort lernt er die deutsche Sommelière Hanna (Nora Tschirner) kennen, die ihn sogleich fasziniert. Hanna hatte mal etwas mit dem italienischen Koch Hugo (Giulio Berruti), der in derselben Küche arbeitet. Nun küsst sie aber eines Abends auf dem Heimweg unverhofft Daniel. Das verwirrt den spanischen Neuankömmling, umsomehr er kurz darauf herausfindet, dass Hanna ein heimliches Verhältnis mit dem Restaurantbesitzer Thomas (Herbert Knaup) hat.

Zwischen Hanna und Daniel entwickelt sich doch so etwas wie Zuneigung, die zu endlosen Telefongesprächen führt. Dass sie schwanger ist von Thomas, verrät Hanna ihm aber nicht. Erst als sie nach einer gemeinsamen Nacht mit Thomas einen Zusammenbruch erlebt und ins Spital eingeliefert werden muss, erfährt Daniel durch Zufall davon. Er entschliesst, sie direkt aus dem Patientenzimmer zu entführen, und fährt sie mit Hilfe von Hugo ins Ausland. Die Irrfahrt führt die drei nach Bilbao, der ursprünglichen Heimat von Daniel.


Film-Rating

Disclaimer: Am Zurich Film Festival kam es zu einer technischen Panne während der Vorführung von Bon Appétit. Als es danach weiterging, hatte man das Gefühl, es fehle ein Teil des Films. Es ist deshalb nicht sicher, ob der komplette Film gezeigt wurde.

Das Missgeschick des Operateurs war aber nicht weiter schlimm. Bis zur Stelle, wo die nächste Filmrolle hätte kommen sollen, war die Geschichte eh nicht mehr zu retten. Schlechte Darsteller und ein miserables Drehbuch hatten ihr den Rest gegeben. Spätestens dann, wenn Filmfiguren davon sprechen, was nun passieren müsste, wenn sie sich in einem Film befänden und dann selbiges auch tun, blinken die Alarmlämpchen.

Die hinrissige Idee, die sie an der Stelle hatten, führte die Geschichte in eine komplett sinnleere Ellipse nach Spanien, die wohl nur irgendwelchen Geldgebern geschuldet war. Auch die Szenen in Zürich hatten ihren Ursprung nur darin, dass mit Zodiac Pictures eine Schweizer Produktionsfirma ihre Hände im Spiel hatte. So war das spanische Filmteam zwar fasziniert vom winterlichen Kleinstädtchen, was sich in minutenlangen Schwenks übers Niederdorf manifestiert. In Bon Appétit wird aber quasi ausschliesslich Englisch gesprochen, was sehr irritiert. Nora Tschirner, die im Q&A nach dem Film in ihrer gewohnt schnoddrigen Art überzeugte, kann so nie ihren gewohnten Zauber entfalten. Unax Ugalde wäre wohl auch begabter in seiner Muttersprache. Die Beweggründe ihrer beider Figuren bleiben aber auch so meist schleierhaft. Sprunghaft ändert die Stimmung wie bei den beliebig erscheinenden Drehorten.

Euro-Pudding werden solche Filme genannt, bei denen sich nach rein wirtschaftlichen Kriterien etliche unterschiedliche Länder an Finanzierung und Besetzung beteiligen, bis sämtliche regionale Eigenheiten aus den Streifen getilgt werden. "Filmkunst, erschaffen nach EU-Agrarrichtlinien", wie es Der Spiegel einmal treffend formulierte. Bon Appétit ist ein Paradebeispiel dafür. Ein Film über die kompetitive Welt von Spitzenköchen mit schönen Essensbildern? Eine romantische Kriegt-er-sie-oder-kriegt-er-sie nicht-Geschichte? Ein Drama über eine Frau, die von allen Männern verseckelt wird, bis sie sich emanzipieren darf? Nichts von alledem. Nur ein ungeniessbarer Europudding. Das vergeht einem der Appetit.


OutNow.CH:

Bewertung: 1.5

 

28.09.2010 / rm

Community:

Bewertung: 3.4 (14 Bewertungen)

 

 

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