Camp Armadillo - Armadillo (2010)

Camp Armadillo - Armadillo (2010)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Friedenstruppe hat wenig mit Frieden zu tun.

Nur eine Mauer trennt uns vom Unbekannten.
Nur eine Mauer trennt uns vom Unbekannten.

Wenn man den Begriff "UNO-Mandat" nachschlägt, findet man Stichworte wie "internationale (Friedens-) mission", "Friedenstruppen" und "Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit". In Armadillo wird ihm Rahmen eines sechsmonatigen Einsatzes eine dänische Friedenstruppe porträtiert, welche in Afghanistan stationiert ist und dort für Stabilität sorgen soll. Doch schon bald wird klar, dass die oben genannten Stichworte sich zwar gut und gerne für eine Talkshow und die Politik eignen, doch mit der Realität sehr wenig zu tun haben.

Einmal lächeln für die Kamera.
Einmal lächeln für die Kamera.

Die Basis Armadillo ist in der Provinz Helmand aufgebaut und die Dänen müssen nicht nur die Gegend patrouillieren, sondern auch die Zivilbevölkerung schützen. Doch wer ist die Zivilbevölkerung und wer sind die Taliban? Ausser vielleicht nach dem Besitz einer Waffe zu urteilen, haben die Soldaten keinen Anhaltspunkt und müssen deshalb ständig damit rechnen, angegriffen zu werden. Daneben kommt es auch immer wieder zu Scharmützeln mit den Taliban, welche sich geschickt unter die Zivilbevölkerung mischen und ohne Vorwarnung die Soldaten angreifen. Dies und die Minen machen der Schutztruppe das Leben zur Hölle und sorgen immer wieder für Verletzte...

Kriegsfilme gibt es viele - manche sind sehr realistisch und andere nennen sich politisch korrekt "Antikriegsfilme", damit sie die gezeigte Brutalität rechtfertigen können. Doch letztendlich sind es Filme, die in sicherem Rahmen gefilmt wurden und eben auch Fiktion sind. Bei Armadillo ist dies anders - es ist ein Dokumentarfilm mit echten Kugeln, Toten und Verwundeten. Regisseur Janus Metz Pedersen und sein Kameramann waren wirklich an der Front dabei, krochen durch den Kugelhagel und durchlebten nicht nur die Patrouillen, sondern auch die Explosionen. Dies gibt dem Film eine ganz andere Dimension, die ihn - selbst wenn vieles sehr an Black Hawk Down erinnert - auf eine komplett neue Ebene hebt. Das hier ist "The Real Thing", und hier geht es um Menschenleben, sei es auf Taliban-, aber auch auf Soldatenseite, und deshalb schaut man den Film auch komplett anders an.

Wer jetzt jedoch ein politisches Statement im Stil von Platoon erwartet, wird überrascht sein - Armadillo hat nur wenig mit Politik zu tun und all diese Fragen über das Warum, Wieso und ob sich der Einsatz überhaupt lohnt, werden nicht aktiv behandelt. Er scheut es jedoch auch nicht, schonungslos den Alltag in Afghanistan zu zeigen, was die Soldaten erleben, wie sie mit der Bevölkerung auskommen und was sie in dem fremden Land wirklich für einen Unterschied machen. Dies entpuppt sich nämlich als Hauptmotivation für die Soldaten, denn im Gegensatz zu manchen US-Filmen begeben sich die Dänen nicht für ihr Land an die Frontlinie, sondern wegen des Teamgeists, "to make a difference", und für den Mann, der neben ihnen steht. Was sie jedoch wirklich bewirken, diese Entscheidung überlässt der Film dem Zuschauer, der sich aus den gezeigten Bildern ein realistisches Bild der Situation erarbeiten kann und für den auch offensichtlich wird, dass "Stabilisierungs-", "Aufbau-" und "Friedensmission" weit mehr ist, als bloss etwas Patrouillieren und Schokoriegel unter der Bevölkerung zu verteilen.

Als Film brilliert Armadillo von der ersten Minute an mit grossartiger Kameraführung, wunderschönen Bildern und stimmigem Soundtrack, welche die Reise nach Afghanistan zu einem Erlebnis machen, das den Zuschauer mit einem Erzähler führt, die unbekannten Begriffe durch kurze Erklärungen erläutert und die beteiligten Personen gut vorstellt. Selbst wenn man sie im Kriegsgetümmel zwischendurch aus den Augen verliert, interessiert man sich für sie und will wissen, was mit ihnen geschieht. So erhält man ein rundum gelungenes Gesamtpaket, das nicht nur beeindruckt, sondern auch zum Nachdenken anregt und nicht grundlos in Dänemark hohe Wellen geschlagen hat.

Fazit: Eine ehrliche, sehr atmosphärische und schonungslose Dokumentation über den Einsatz in Afghanistan, mit sympathischen Beteiligten und eindrucksvollen Bildern. Trotz einigen Filmen in letzter Zeit über diese Thematik ist Armadillo mit Abstand der beste Beitrag zum Irak- und Afganistan-Krieg und definitiv sehenswert.

/ db