Les amours imaginaires (2010)

Les amours imaginaires (2010)

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  2. 101 Minuten

Filmkritik: Ein bisschen bi schadet nie...

Baby, für dich mach ich mir die Haare schön...
Baby, für dich mach ich mir die Haare schön... © Studio / Produzent

Die ungestüme Marie (Monia Chokri) und der schwule Francis (Xavier Dolan) sind gute Freunde. Zumindest so lange, bis der geheimnisvolle Nicolas (Niels Schneider) in ihr Leben tritt. Erst kürzlich vom Land nach Montreal gezogen, stellt der unbedarfte Blondschopf die Beziehung der beiden Freunde in kürzester Zeit komplett auf den Kopf.

Gruppenschlafen mit Dame
Gruppenschlafen mit Dame © Studio / Produzent

Sowohl Marie als auch Francis verlieben sich unsterblich in Nic und versuchen ihm zu imponieren. Marie verwandelt sich optisch in Audrey Hepburn und Francis versucht es mit teuren Geschenken. Es kommt, wie es kommen muss: Zwischen den beiden beginnt ein Konkurrenzkampf, der bei einem Trip in die kanadische Pampa seinen Höhepunkt erreicht, und an dem die freundschaftliche Beziehung von Marie und Francis zu zerbrechen droht. Die beiden müssen ein paar teilweise überraschende Entscheidungen treffen. Es beginnt ein Spiessrutenlauf, bei dem Marie und Francis keine Chance auslassen, sich - aus vermeintlicher Liebe zu Nic - völlig zum Gespött zu machen.

Schaffen die beiden es doch noch, ihre einst so innige Freundschaft zu retten? Und für wen entscheidet sich der schöne Nic schlussendlich?

Ein Film, bei dem der Regisseur (Xavier Dolan) auch das Drehbuch schreibt, die Produktion übernimmt, für die Kostüme schaut und die männliche Hauptrolle übernimmt... Kann das gut gehen? Im Fall von Les amours imaginaires hat es jedenfalls ganz gut funktioniert.

Was im ersten Moment als "schon wieder eine Dreiecksgeschichte" scheint, entpuppt sich nach und nach als clevere Beleuchtung einer Szenerie, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann: keine romantische Verschönerung einer eigentlich unangenehmen Lebenslage; keine Helden, die sich selber zurücknehmen und dem Konkurrenten den Vortritt lassen; kein Verzicht auf das eigene Verlangen, weil wahre Freundschaft doch viel wichtiger ist als der Mann. Im Gegenteil, die beiden Protagonisten Marie und Francis kämpfen mit harten Bandagen - ohne Rücksicht auf Verluste. Was man der Story dabei hoch anrechnen muss, ist die Tatsache, dass sie gnadenlos zeigt, wie die Menschen sich völlig zum Affen machen, um ihrem Objekt der Begierde zu gefallen. Auch hier zeigt Dolan keine Scheu, den Zuschauern ein wenig den Spiegel vorzuhalten und zu demonstrieren, wie lächerlich und unnötig das menschliche Balzverhalten teilweise ist.

Gerade Xavier Dolan interpretiert seinen Filmcharakter absolut überzeugend und glaubwürdig. Die Figur des Francis hat Tiefe und Persönlichkeit und harmoniert völlig mit der Rolle der Marie, gespielt von Monia Chokri. Dagegen fällt Niels Schneider als Nic leider eher flach aus. Ob es an der schauspielerischen Leistung oder am Drehbuch liegt, lässt sich nicht klar sagen.

Die Zwischensequenzen - in denen an der eigentlichen Geschichte völlig Unbeteiligte von ihren eigenen amourösen Fehltritten erzählen - stören in keiner Weise, sondern untermalen die Grundaussage der Story nur zusätzlich. Dagegen ist die Kameraführung sehr gewöhnungsbedürftig. Die scheinbar unwillkürlichen Slowmotions und Zooms sind etwas unglücklich und viel zu grosszügig eingesetzt. Bei der Darstellung der Szenen an Nics Party und den Bettszenen von Francis und Marie scheinen diese Effekte authentisch, alle anderen Einsätze hätte man sich aber sparen können, da sie schlichtweg unnötig sind. Dafür hat man sich mit dem Soundtrack einen grossen Gefallen gemacht, ihn genau richtig gewählt und gekonnt eingesetzt, um die Stimmung des Films zu transportieren.

Es ist fraglich, ob es sich hier um ein Werk handelt, welches Massen zu begeistern vermag, im Grossen und Ganzen geht Dolans Konzept aber auf. Les amours imaginaires ist intelligentes, junges Kino mit finalem "Aha-Effekt".

/ hom

Kommentare Total: 3

kiri

Der Soundtrack ist fantastisch und passt hervorragend zu dem etwas gar zu grosszügig verwendeten Slowmotions. Trotzdem sind diese absolut genial und man kann sich gemütlich und entspannt im Sessel zurücklehnen und einfach den Soundtrack mit einem farblich umwerfenden Videoclip, der noch ein bisschen Handlung hat geniessen...

Dass sich die zwei Protagonisten so zum Affen machen, hat teilweise extrem genervt. Trotzdem sollte der Film wohl genau so sein. Wie schon geschrieben wurde, war einfach die Figur des Nic viel zu platt und höchstens unsympathisch und deswegen dieses Affentheater teilweise wirklich ausserordentlich schwer nachvollziehbar.

Ansonsten hat mich umgehauen, dass ich dieses Kanadische Französisch peinlicherweise einfach fast nicht verstehe... weshalb ich wohl (trotz untertitel) auch doppelt glücklich war um die voll entspannenden Slow Motions mit dem wunderbaren Soundtrack.
Sowieso: Ein Film mit Bachs schönsten Cello Suiten, Dalidas interpretation von Bang Bang, Songs von Indochine, Fever Rays 'Keep the Streets empty for me' und als Zugabe noch ein paar 90ies 'Klassiker' und Französischen Chansons, kann ja gar nicht wirklich schlecht sein, oder?! :)
Wirklich gestört hat mich dabei nur, dass Dalidas Bang Bang etwas gar inflationär gebraucht wurde... nach dem xten Mal, war da einfach die Wirkung weg.

crapshack

Les amours imaginares oder Xavier Dolan ist ein Genie

Habe den Film nun auch vor ca. einer Woche gesehen und war zuerst (kurz nach Ende des Filmes) hin- und hergerissen zwischen völliger Begeisterung über das cinematische Meisterwerk oder tiefer enttäuschung über die plumpe Story die schlussendlich erzählt wird.

"Les amours imaginaires" auf jeden Fall ein von den Bildern her ein wunderschöner Film, welcher aber sowas von genau meinen Geschmack trifft. In der Kleidung der Protagonisten (ich will Francis' Frisur!), der gewählten Musik für die Szenen sowie die Darstellung der Szenen selber. Dolan hat genau zur richtigen Zeit zur richtigen Musik eingesetzt damit die Szene trotz des eher schwächelnden Plotes superb wirkte.

Meine absolute Lieblingsszene (Der Effekt mit dem Rot/Weiss-Wechsel ist schlichtweg genial und hat mich im Kino völlig umgehauen): http://www.youtube.com/watch?v=roLmFo3rWYc

Ein weiteres gutes Beispiel der Komposition SloMo/Musik: http://www.youtube.com/watch?v=E8TX7huaiU4

Nach soviel Lob muss der Film leider auch ein bisschen Kritik einstecken -- vorallem von der Rolle vom Nic war ich sehr enttäuscht und wie sich die Beiden für ihn wirklich zum hinterletzten Affen gemacht haben... Da habe ich während des Filmes wirklich sehr oft gedacht "wtf.. so krass blamieren würde sich jetzt wirklich niemand" und zudem hat also Nic die beiden wirklich teils sehr mies und offensichtlich gegeneinander aufgespielt. NIchtsdestotrotz kann man aber sagen (und da Stimme ich dem Autor vollkommen zu!) dass Monia Chokri und Xavier Dolan wirklich in ihren Rollen aufgehen und ein unglaubliches Duo abgeben.

Abschliessend möchte ich noch kurz den ein bisschen komischen, aber auf seine Art speziellen Vorfilm "Amourettes" eingehen, welche zwei Modellmännchen (wie nennt man diese bewegbare Figürchen, welche Zeichner immer abzeichnen.. Egal) zeigen... Und zwar bei ziemlich exzessiven Sex. Jep. War zwar super gemacht und ging sehr gut als Kurzfilm durch, aber irgendwie war er mir zu abstrakt mit seinen 10 Minuten "rumgeficke". Kam mir vorallem am Anfang vor als würde ich einen Porno für Kunstfilmstudierende sehen...

Hauptfilm: 71%, Abzug für den SEHR faden Plot
Vorfilm: 40%

hom

Filmkritik: Ein bisschen bi schadet nie...

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