L'amour fou (2010)

L'amour fou (2010)

Oder: Gegensätze ziehen sich an

Am 1. Juni 2008 verstarb mit Yves Saint Laurent eines der grossen Genies der Modewelt. Im Gegensatz zu anderen Designern wie etwa Karl Lagerfeld hatte sich der scheue Franzose bereits 2002, gezeichnet vom ständigen Druck und seiner langjährigen Drogensucht, aus dem Geschäft zurückgezogen. Pierre Bergé, Saint Laurents Geschäftspartner und die Liebe seines Lebens, führte die Geschicke weiter.

Saint Laurent hinterliess nach seinem Tod zwei Häuser und die Pariser Wohnung, prall gefüllt mit Kunst und Trouvaillen. Bergé beschliesst, diese in einer von der Presse genannten "Jahrhundertauktion" zu verkaufen. Vorher aber erinnert er sich anhand der Dinge zurück an die fünfzig gemeinsamen Jahre mit seinem liebevollen, depressiven, verträumten und verbitterten Yves.


Film-Rating

373,9 Millionen Euro - so viel trug die Versteigerung von Yves Saint Laurents Nachlass im Pariser Glaspalast ein, welche vom 23. bis 25. August 2009 stattfand. Am Ende von Pierre Thorettons Dokumentarfilm zeigt eine dicht montierte Sequenz dieses furiose Ereignis, immer wieder mit den sich hochschraubenden Beträgen im Blickpunkt. Abwechselnd wird auf einen Pierre Bergé geschnitten, der emotional regungslos dasitzt, während sich die gemeinsame materielle Vergangenheit mit der Liebe seines Lebens, Yves Saint Laurent, verflüchtigt.

Aber egal, wie viel da für ein Werk gezahlt wird: Eine Geschichte hinter den Dingen macht diese preislos. Dies ist die wahre und schöne Quintessenz aus Yves St Laurent - Pierre Bergé, l'amour fou, der die Kunstgegenstände als roten Faden sieht und von ihr die Biografie Saint Laurents und das Verhältnis von ihm zu Pierre Bergé ableitet. Wie es der Titel suggeriert, setzt der französische Regisseur Pierre Thoretton den Schwerpunkt des Films dann auch auf zweiteres. Somit ist es auch verzeihbar, wenn der Lebenslauf des Modeschöpfers lückenhaft bleibt und sich auf Fixpunkte beschränkt.

Freimütig erzählt Bergé aus fünfzig Jahren Zusammenleben. Interessant daran ist grundsätzlich, wie gegensätzig die beiden waren: Saint Laurent war das schüchterne, isolierte Genie, Bergé ein extrovertierter, temperamentvoller Geschäftsmann. Mit vielen Archivaufnahmen bebildert, werden wir von Thoretton und Bergé in die Umwelt von Saint Laurent hineinbefördert. Mag Thorettons Film ab und an auch etwas sprunghaft und unrhythmisch wirken, so ist sein Inhalt reichhaltig und hochinteressant. Erzähler Bergé gibt eloquent Auskunft über den Maestro und spielt sich nie auf - wie auch im wahren Leben stellt sich Bergé hier konsequent hinter Saint Laurent an, auch wenn der Film etwas mehr Augenmerk auf seine Person durchaus vertragen hätte. Das schmälert den Eindruck dieser gelungenen Dokumentation aber nicht.


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Bewertung: 5.0

 

27.09.2010 / uas

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