127 Hours (2010)

127 Stunden

127 Hours (2010) 127 Stunden

Oder: Goblin in Not

"Bicycle, bicycle, bicycle. I want to ride my bicycle"

"Bicycle, bicycle, bicycle. I want to ride my bicycle"

2003 macht sich der US-Amerikaner und Extremsportler Aron Ralston (James Franco) zu einer Kletterpartie in den Blue John Canyon Colorados auf. Weder seine Eltern noch seine Freunde wissen von dem Alleingang. Der junge Mann ist für seinen Trip gewissenhaft vorbereitet und schliesst sogar sein Mountainbike in der menschenleeren Bergenregion an. Er trifft auf zwei junge Frauen (Amber Tamblyn, Kate Mara), die sich auf ihrer Wanderung verlaufen haben.

Spider-Man?

Spider-Man?

Dem Charme Ralstons und seiner ansteckenden Energie können sie nicht widerstehen und erleben mit ihm ein paar Stunden lang die Berge aus bisher unbekannter Perspektive. Vor laufender Kamera springen sie durch einen schmalen Felsspalt metertief in einen unterirdischen See. Die Wege der drei trennen sich, und Aron begibt sich im Alleingang durch den Canyon, als ihm ein folgenschweres Missgeschick widerfährt: Beim Klettern rutscht er auf einem losen Fels aus und stürzt in eine Spalte, wo sein rechter Unterarm von dem Fels eingequetscht wird. 127 Stunden lang versucht er nun, sich aus der misslichen Lage zu befreien.


Film-Rating

Einen Film von Regisseur Danny Boyle zu schauen heisst immer, etwas Besonderes zu erleben. Führte uns The Beach einst an traumhafte Strände, so erlebten wir mit Sunshine eine Reise zur Sonne. Boyle gelingt es, mit seinen Arbeiten stets ein anderes Genre zu bedienen. Nach dem herausragenden Slumdog Millionär von 2009, der acht Oscars gewann, dreht sich bei 127 Hours alles um die wahre Geschichte des Sportlers Aron Ralston. Mit ihm begeben wir uns auf eine Kletterpartie durch die Berge Colorados. Ähnlich wie auch in seinen anderen Filmen stellt Boyle eine Person einer Extremsituation gegenüber, die dem Betroffenen alles abverlangt.

Zwar handelt es sich fast ausschliesslich um eine One-Man-Show von James Franco als Aron Ralston, doch wird diese in keiner Sekunde langweilig. Genauso schnell, wie wir Ralston bei seinen Vorbereitungen für den Ausflug oder seinen Erlebnissen in den Bergen sehen, so schnell ist anfangs auch der Film. Die Energie, die der junge Mann versprüht, überträgt sich auch auf den Zuschauer. In schnellen Splitscreens erleben wir die rasanten Anfangsszenen bis zum Unfall und werden dabei mit einer Flut an Bildern konfrontiert. Franco spielt Ralston und all seine Facetten dabei stets extrem glaubwürdig und vor allem, trotz zahlreicher Nahaufnahmen, nie aufgesetzt.

Nach dem Hochgefühl des Anfangs kommt nach dem folgenschweren Unfall dann die Phase extremer Beklemmung. Man hadert und bangt, wenn immer wieder neue Ideen zur Befreiung misslingen. Fast minutengenau gibt der Film die Rettungsversuche wieder, beschreibt Ralstons Kampf mit Durst und Kälte. Diese Zeit legt Boyle als eine Mischung aus Halluzinationen, wahren Begebenheiten und Rückblenden an, bei denen manchmal zunächst nicht klar ist, was real und irreal ist. Die klaustrophobische Stimmung überträgt sich auf den Zuschauer und wirft Fragen auf, wie man sich selbst in solch einer Situation verhalten würde und wozu man fähig wäre.

Trotz der Dramatik, die sich auf der Leinwand abspielt, gelingt es Boyle, auch immer wieder durchaus tragikomische Momente einzubauen, die dem Psychodrama letztlich ein bisschen Härte nehmen können. Erneut zeigt Boyle sein ganzes Können und findet in Franco einen Schauspieler in Höchstform. Kein Film für schwache Nerven, insbesondere nicht zum Ende, aber ein Film, den man gesehen haben sollte.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

06.12.2010 / jst

Community:

Bewertung: 4.7 (100 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

16 Kommentare