Accident - Yi ngoi (2009)

Accident - Yi ngoi (2009)

  1. 89 Minuten

Filmkritik: Töten für Fortgeschrittene

Heute mach' ich blau...
Heute mach' ich blau... © Studio / Produzent

"Kreatives Töten" - so könnte man das Business beschreiben, in dem sich "The Brain" (Louis Koo) spezialisiert hat. Zusammen mit drei Komplizen räumt er die unliebsamen Feinde seiner Auftraggeber aus dem Weg. Dabei geht er nicht etwa profan mit Gewehren oder Schneidwerkzeugen vor, sondern inszeniert virtuos Verkettungen von Ereignissen, die sich die Gesetze der Physik auf raffinierteste Weise zu Nutzen machen. Seine Morde sind eine Art kleine Kunstwerke, die eine minutiöse Planung und eine strikte Einhaltung der Regeln bei allen Beteiligten erfordern.

Paparazzi lauern überall
Paparazzi lauern überall © Studio / Produzent

So geniesst Brains eingespieltes Team in der Branche einen ausgezeichneten Ruf - bis eines Tages etwas schief geht: Zwar kann der Mord ordnungsgemäss ausgeführt werden, doch wird die Gruppe kurz darauf von einem Bus auf offener Strasse frontal gerammt, wobei einer von Brains Kumpeln ums Leben kommt. Natürlich glaubt dieser keine Sekunde lang an einen Zufall - da hat es jemand auf ihn abgesehen und möchte ihn mit seinen eigenen Mitteln schlagen! In Person des mysteriösen Versicherungskaufmanns Fung (Richie Jen), der beim Busunfall auf dem Tatort aufgetaucht ist, hat er auch schon einen Verdächtigen. Genauso minutiös, wie er vorher seine Auftragsmorde geplant hat, beginnt er nun, seine Rache zu planen...

Für einmal ist es nicht der Name des Hauptdarstellers und auch nicht derjenige des Regisseurs, der prominent auf dem Filmplakat prangt, sondern derjenige des Produzenten. Johnnie To heisst dieser nämlich, und damit freuen sich zumindest Fans flotter Hongkong-Action auf knallende Kinounterhaltung. Allerdings besteht zumindest die Möglichkeit, dass deren Erwartungen hier leicht gedämpft werden. Natürlich kracht's einige Male ganz ordentlich - der Film heisst ja schliesslich "Accident" (Unfall), da darf man das auch erwarten. Doch abgesehen von diesen furiosen Höhepunkten ist der Film von Soi Cheang mehr Psycho- als Action-Thriller. Ein Psychothriller, der sich primär um die Besessenheit des von Louis Koo verkörperten Hauptcharakters dreht; eine Besessenheit, die zuweilen paranoide Züge anzunehmen droht.

Accident ist auch ein Film für all diejenigen, die sich in James-Bond-Filmen darüber amüsieren, dass sich der Bösewicht, statt 007 einfach "straight away" abzuknallen, immer eine besonders ausgefallene Methode ausdenkt, den Superagenten um die Ecke zu bringen. Der sich dann natürlich prompt retten kann. Das passiert bei der Truppe um "The Brain" natürlich nicht. Trotzdem, sich über kreative Tötungsmethoden zu amüsieren mag zwar moralisch fragwürdig sein, doch solange dies im Film geschieht, darf man Brains raffinierte Tötungsinstallationen doch ein wenig geniessen.

So kann man dem Film auch verzeihen, dass er trotz seiner sehr übersichtlichen 86 Minuten in der zweiten Hälfte ein wenig in die Länge gezogen scheint und der Handlungsfluss etwas holpert. Auch drohen die Nebenfiguren, vor allem die weiblichen, zuweilen neben dem dominanten Hauptdarsteller Louis Koo etwas unterzugehen. Doch spätestens gegen Ende sind solche Mängel wieder vergessen, und man darf sich gemütlich fürs grosse Finale im Kinosessel zurücklehnen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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