Watchmen (2009)

Watchmen - Die Wächter

Watchmen (2009) Watchmen - Die Wächter

Oder: Und sie glotzen so ernst

"Hände hoch!"

"Hände hoch!"

Amerika in einem alternativen Jahr 1985: Die USA haben mithilfe des blauen Übermenschen Dr. Manhattan (Billy Crudup) den Vietnamkrieg gewonnen, Nixon ist immer noch Präsident, und die Welt steht kurz vor einem Atomkrieg. Eines Nachts wird ein älterer Mann in seinem New Yorker Apartment überfallen und aus dem 30. Stock geworfen. Was erst wie ein normaler Raubüberfall und Mord aussieht, wirft aber bald einige Fragen auf, denn der Tote, Edward Blake (Jeffrey Dean Morgan), war einst der Comedian, ein maskierter Rächer, der als Mitglied der Watchmen mit anderen kostümierten Helden für Recht und Ordnung sorgte und nach dem Verbot von Superhelden im Jahr 1977 zum skrupellosen Auftragskiller für die Regierung wurde.

"Ich kämpfe für mein Land!"

"Ich kämpfe für mein Land!"

Der einzige noch aktive maskierte Held Rorschach (Jackie Earle Haley), der sein Gesicht stets hinter einer Maske mit sich bewegenden Tintenflecken versteckt, vermutet, dass sich ein Maskenkiller herumtreibt und warnt seine ehemaligen Mitkämpfer: den schüchternen Dan Dreiberg alias Nite Owl (Patrick Wilson), Milliardär Adrian Veidt alias Ozymandias (Matthew Goode), Dr. Manhattan, der als einziger wahre Superkräfte hat, sowie dessen Freundin Laurie Jupiter alias Silk Spectre (Malin Akerman). Erst will niemand recht an Rorschachs Theorie glauben, doch allmählich kommen die Watchmen einer schier unglaublichen Verschwörung auf die Spur, die katastrophale Folgen für die gesamte Welt haben könnte.


DVD-Rating

Bei der Comicvorlage von Watchmen sind sich die Fans des gehobenen Anspruchs einig. Eine komplexere, vielschichtigere und anspruchsvollere Lektüre, die uns in gezeichneter Form daherkommt, ist kaum zu finden. Kein Wunder, galt der Comic von Alan Moore und Dave Gibbons lange Zeit als unverfilmbar. Denn welcher wahnsinnige Regisseur hätte sich einem Stoff annehmen wollen, der schon als Bild die vollkommene Aufmerksamkeit des Lesers verlangt? Und das nun als Film im Kino? Come on!

Spätestens seit 300 ragt der Name von Zack Snyder aus dem Tümpel der Kandidaten für solche "unmöglichen" Comicproduktionen heraus. Der Mann hat sich der Thematik angenommen und präsentiert einen fast dreistündigen, anspruchsvollen und dem Comic sehr nahe gehaltenen Film über alternative Ereignisse, gefallene Superhelden und deren Kampf ums eigene Überleben. Und das in einer Art, die man nicht einfach so zwischen Popcorn und Cola geniessen kann. Man muss sich auf Watchmen einlassen, sich öffnen, sowie Interesse und Durchhaltevermögen zeigen. Nichts mit Sunnyboy-Action und Liebesschwüren wie bei Spider-Man 3 und Konsorten. Watchmen ist für Erwachsene!

Ist nun aber Watchmen die ultimative Comicverfilmung? Nein! Denn Anspruch und Dramatik in allen Ehren, der Film bietet Ernsthaftigkeit und verlangt volle Aufmerksamkeit. Ohne solche geht der Zuschauer schon bald hoffnungslos zwischen den coolen Figuren (der Comedian und Rorschach rocken!) und der verzwickten Story verloren. Und ab diesem Punkt ist ein Wiedereinstieg in die Geschichte praktisch unmöglich. Zudem wird halt einfach viel geplaudert, wo manch einer gerne mal einen Faustkampf oder immerhin einen Spezialeffekt sehen würde. Stattdessen gibts bedeutungsschwangeres Blabla, das sehr ermüdend wird. Vor allem bei einer Filmdauer wie bei Watchmen.

Fazit: Keine Frage, Watchmen ist gelungen, hat starke Momente, schön charakterisierte Figuren und zwischendurch darfs auch mal was zum Grinsen sein. Darüber hinweg ist das Ding aber einfach schwer, anspruchsvoll und unübersichtlich. Vor allem für diejenigen, die vorher keinen Blick in den Comic geworfen haben.

Natürlich werden wir bei einem Film wie Watchmen mit Spezial-Editionen der DVD überrannt. Ein Directors-Cut hier, eine Spezialedition da. Momentan sind diese aber erst geplant oder angekündigt. Und bis dahin gibts die Standard-Edition, die ausser dem Film nur ein einzelnes Bonusfeature liefert. Hier nehmen sich helle Köpfe der Mechanik im Comicuniversum an. Das tönt ein bisschen absurd, hat aber einen interessanten Hintergrund, den man sich selber anschauen sollte. Ausserdem ist der Bericht recht witzig erzählt und lässt auch die Darsteller von Watchmen zu Wort kommen.

Technisch dürfen wir uns ebenfalls mit einer hohen Qualität abfinden. Ton und Bild sind geglückt und sehr sauber, sowie klar abgemischt. Da die Story vielfach in dunklen und bedrückenden Bildern erzählt wird, macht vor allem das Bild in diesen Szenen einen tollen und professionellen Eindruck.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

23.08.2009 / muri

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