Verso (2009)

Verso (2009)

Oder: Brennpunkt Genf

C'est qui, Melanie?

C'est qui, Melanie?

Alex (Laurent Lucas) ist Polizist in Genf und Mitglied einer Spezialeinheit, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn's um Drogen oder Gewalt geht. Ausgerüstet mit Masken und bewaffnet bis an die Zähne werden diese Aktionen durchgeführt, und damit wird manch bösem Buben der Garaus gemacht. Doch Alex ist nicht zufrieden mit seinem Leben. Überhaupt nicht. Seine Ehe mit Clara (Nicole Max) ist gescheitert, seine Tochter Lou (Chloe Coulloud) hängt lieber mit zwielichtigen Gestalten ab und driftet langsam in den Drogensumpf.

Zu allem Übel wird heute auch noch Victor (Carlos Leal) aus dem Gefängnis entlassen, wo er zehn Jahre wegen Totschlags gesessen hat. Er war einst Alex' Partner und bester Freund. Einst... Daran hat sich nun einiges geändert, denn Alex ist überzeugt, dass Victor den Rank noch nicht gefunden hat und bald wieder in krumme Geschäfte verwickelt werden wird. Er holt ihn also nicht nur persönlich aus dem Knast ab, sondern hat auch weiterhin ein Auge auf den Burschen.

I believe I can fly

I believe I can fly

Victor hingegen hat Mühe, sich wieder in die Gesellschaft einzuordnen. Zwar hat er mit Clara (der Ex von Alex) ein Verhältnis, kommt aber schon bald wieder mit der Drogenszene Genfs in Berührung, als er beginnt, für Besim (Arben Bairaktaraj) zu arbeiten und sich mit dem Drogendealer Fred (Stress) rumschlagen muss. Doch was auf den ersten Blick wie der traurige Fall eines Ex-Polizisten aussieht, entpuppt sich als ein grösseres und weit gefährlicheres Projekt, als es sich Alex vorstellen kann. Denn als seine Tochter verschwindet, hat er sofort Victor als Täter im Visier und macht sich auf, seinem Konkurrenten ein für allemal das Handwerk zu legen.


DVD-Rating

Die Zeiten, in denen der Schweizer Film vor allem für seine Heimatfilme bekannt war, sind vorbei. Junge und talentierte Regisseure versuchen sich an den grossen Vorbildern aus Hollywood zu messen mit mutigen Projekten wie Cargo oder Verso. Doch wie schon beim Science-Fiction-Film merkt der Zuschauer auch hier recht schnell, dass man storytechnisch und dramaturgisch noch etwas hinterherhinkt.

Der Film von Xavier Ruiz zeigt dem Zuschauer ein dreckiges Bild der Stadt Genf, wie man sie noch selten gesehen hat: Huren, Junkies und Schläger tummeln sich in der Stadt nahe an der französischen Grenze. Die Location stimmt für das knallharte Cop-Drama, das Verso sein möchte. Es bleibt aber beim "möchte". Es fehlt der Story vor allem an neuen Ideen und überzeugenden Wendungen. Verso wirkt oft wie ein Abarbeiten der Genreklischees, anstatt eigene Wege zu gehen. Es gibt den emotional gebeutelten Cop, es gibt die Tochter, die er aus dem Drogensumpf zu retten versucht, es gibt doofe Vorgesetzte, und es gibt einen mysteriösen Schläger, der gar nicht so mysteriös ist - man hat alles schon mal gesehen. Die Wendungen im zweiten Teil hat dann der erfahrene Zuschauer entweder schon vorhergesehen, oder er kann sie als "total unglaubwürdig" abtun.

Optisch macht Verso aber eine gute Falle und gefällt vor allem bei den Actionszenen. Man kann einige Vorbilder erkennen, die erfolgreich nachgeahmt wurden. Die Schauspieler tragen ihren Teil bei und gefallen, obwohl sie nur die Chance erhalten, wandelnde Klischees darzustellen. Grosses Lob hat sich dabei Hauptdarsteller Laurent Lucas verdient. Er schafft es, seinem Polizisten die Tiefe zu verleihen, welche die Figur braucht.

Fazit: Optisch top, Storytechnisch noch ausbaufähig - so lässt sich Verso am besten beschreiben. Mit mehr eigenen Ideen und einer stärkeren Fokussierung auf die Hauptstoryline wäre hier definitiv mehr drin gewesen. Was der Schweiz also noch fehlt, sind gute Drehbuchautoren, um sich mit den Grossen messen zu können.

Die DVD von Ascot Elite hat ein interessantes Angebot an Bonusmaterial zu bieten. Im Making-of kann man hinter die Kulissen des Filmes blicken und erkennen, dass auch dort keine halben Sachen gemacht wurden - vom Make-up bis zu den Actionszenen ist alles sehr professionell. Neben dem Film hat auch das Musikvideo zu Stress' "V" ein Making-of erhalten, dass weniger informativ ist als das des Hauptfilmes. Der Clip selber dann darf natürlich auch nicht fehlen. Das Highlight des Bonusmaterials ist aber der unterhaltsame Kurzfilm "Week End Break". Die Trailer in Deutsch und Französisch runden das Paket ab. Das Bild rauscht die ganze Zeit ein bisschen, und der Ton reisst auch keine Bäume aus. Eine durchschnittliche DVD zu einem durchschnittlichen Film.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

22.05.2010 / crs

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