The Sound After the Storm (2009)

The Sound After the Storm (2009)

Oder: Musik kann Leben retten

Die Original-Guggemusig

Die Original-Guggemusig

Sängerin Lillian Boutté wurde 1986 zur "New Orleans Jazz-Botschafterin" ernannt. Eine Ehre, die bis dahin nur Louis Armstrong gewährt wurde. Die Künstlerin lebte bereits in Norddeutschland, als Hurricane Katrina über ihre Heimatstadt fegt. Als sie zu ihrer noch immer dort ansässigen Familie zurückkehrt, wird sie mit den Folgen des Sturms konfrontiert und beschliesst, sich für alle Bewohner von New Orleans einzusetzen.

Sie bekommt Unterstützung von ihrem guten Freund, dem Fotografen Armand Richardson, der den Sturm am eigenen Leibe miterlebt hat. Die beiden reisen in der Welt herum und verbreiten überall die Musik aus New Orleans, das wichtigste kulturelle Gut der Stadt, und setzen sich für die Opfer und vor allem den Wiederaufbau ein.

Türüülüü, Schrumm schrumm

Türüülüü, Schrumm schrumm

Der Dritte, der von den Filmemachern begleitet wurde, ist der Klarinettist und Jazzhistoriker Dr. Michael White, der bei dem schrecklichen Unwetter beinahe seine ganze Sammlung historischer Gegenstände verliert und Hoffnung und Trost in seiner Musik sucht.


Film-Rating

Das Regie-Trio Patrik Soergel, Ryan Fenson-Hood und Sven O. Hill konnten am fünften Zurich Film Festival den Preis für den besten Dokumentarfilm mit nach Hause nehmen, und das zurecht. Ihr The Sound After The Storm ist ein spannender Einblick in das Leben dreier interessanter Menschen, die mit den Folgen einer Naturkatastrophe leben müssen und sich für ihre Heimatstadt und den damit verbundenen Jazz überall auf der Welt einsetzen.

Da der Film ganz einfach eine Zeitspanne im Leben dieser Menschen portraitiert, fokussiert er sich nicht nur auf den Sturm und dessen Opfer, sondern auch auf die Musik von New Orleans und alles, was die drei Hauptfiguren mit dieser Stadt verbindet. So liefert der Film weder besonders viele Fragen noch Antworten, was einige Zuschauer enttäuschen mag.

Doch jede Figur hat ihre Geschichten zu erzählen, ob amüsant, traurig oder rührend. Es beeindruckt, was die Menschen in dieser Stadt durchmachen und wie sehr sie die Hoffnung nicht aufgeben, obwohl die Dämme jederzeit wieder brechen könnten. In einer seiner stärksten Szenen zeigt der Film eine Gruppe Jugendlicher, die in einer traditionellen New Orleans Brass-Band spielen. Es sei ihnen langweilig gewesen nach dem Sturm, es sei sonst nichts zu tun gewesen. Es ist schön zu sehen, dass sich diese jungen Menschen mit ihren modernen Hip-Hop Klamotten den Traditionen bewusst sind und diese auch weiterführen.

Co-Regisseur Sven O. Hill war bei diesem Projekt auch für die Kamera-Arbeit zuständig, und sein Stil hebt sich deutlich von herkömmlichen Dokumentationen ab. Es gibt spannende Einstellungen und komplexe Kamerafahrten, welche den Film so lebhaft wie seine Figuren werden lassen. Mit den knappen 78 Minuten Laufzeit ist der Film äusserst kompakt, und es dürfte keine Entschuldigung geben, sich diese tolle Dokumentation nicht anzusehen. Vielleicht steigt dadurch sogar das Interesse an Jazzmusik aus New Orleans, und falls nicht, unterhält er auch einfach nur bestens.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

05.10.2009 / ma

Community:

Bewertung: 4.8 (4 Bewertungen)

 

 

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