A Serious Man (2009)

A Serious Man (2009)

Oder: Von einem Leben, das niemand haben will.

Halt dich fest - das Leben ist ein Erdbeben.

Halt dich fest - das Leben ist ein Erdbeben.

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist ein biederer Mathematikprofessor in einer jüdischen Gemeinde im Mittleren Westen der USA. Ein typischer Füdlibürger mit Haus, Frau, zwei Kindern und Hypothek. Er steht kurz vor dem grössten Sprung in seiner bescheidenen Karriere, als seine heile Welt beginnt, an allen Enden zu zerbrechen.

Vom Schicksal geschüttelt - auf dem Sofa gestrandet.

Vom Schicksal geschüttelt - auf dem Sofa gestrandet.

Seine Frau Judith (Sari Lennick) will die Scheidung, Sohn Danny (Aaron Wolff) ist ein TV-Serien-Junkie und Kiffer, Tochter Sarah (Jessica McManus) bestiehlt ihn, um sich die Nasenoperation zu finanzieren, und sein Bruder Arthur (Richard Kind) ist ein lethargischer Nichtsnutz mit einer ekligen Zyste im Nacken und Verschwörungstheorien im Notizbuch. Als wäre das nicht genug der Probleme, wird Larry auch noch von einem Studenten erpresst. Der Gebeutelte sucht Hilfe bei den Rabbis seiner Gemeinde, derweil allerhand Katastrophen unaufhaltsam auf ihn zurollen...


DVD-Rating

Der Horrorbuch-Autor Dean Koontz hält sich an einen wichtigen Grundsatz: Er will mit dem allerersten Satz das Interesse des Lesers wecken und ihn ans Buch fesseln. Davon haben die Coen-Brüder wohl noch nie was gehört, sie bringen nämlich lieber erst mal eine seltsame (und selbsterfundene) jüdische Sagengeschichte als Filmeinstieg. Das mag in der Tradition alter Comic-Verfilmungen stehen, verwirrt den Zuschauer aber nur. Leider sollte diese kurze Sage fast das Spannendste an diesem Streifen bleiben.

Die Sechzigerjahre sind zweifellos mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Immer wieder überrascht ein tolles Musikstück aus der Zeit. Auch an den Schauspielern gibt es nichts zu meckern, hier haben die Coens eine durchgehende Traumbesetzung zusammengebracht. So fremd diese offenbar stereotypen Charaktere sein mögen, sie überzeugen. Reizend der Rabbi, der an Dumbledore aus den Harry-Potter-Filmen erinnert.

Joel Coen erwähnt im Interview, Leute aus der Synagoge hätten das Drehbuch gelesen und es sehr amüsant gefunden. Soll heissen: Juden fanden das Drehbuch lustig. Nicht-Juden werden sich am Ende eher über einen unerwartet (immerhin ist es ein Coen-Film!) langweiligen Film beklagen. Ohne entsprechendes Hintergrundwissen ist es schwer, Feinheiten und Insider-Witze zu erkennen. Die Figuren wirken stark überzeichnet, und der stoisch sein Schicksal ertragende Larry ist kaum auszuhalten. Er treibt das Fremdschämen auf eine neue Stufe: Man möchte sich an seiner Stelle die Kugel geben. Oder ihn verprügeln, bis er sich endlich mal wehrt, was er aber nicht tun wird. Viele der Handlungsstränge werden gar nie aufgelöst, und am Ende blinzelt man mal kurz und plötzlich ist der Film zu Ende. Das alles hinterlässt einen fahlen Geschmack und das Gefühl, seine Zeit verschwendet zu haben.

Fazit: Gois (Nicht-Juden) bzw. Menschen mit wenig Wissen über die jüdischen Gebräuche können sich diesen Film getrost sparen. Wer sich vor dieser Warnung nicht abschrecken lässt, sollte als erstes das DVD-Feature "Hebräisch für Nicht-Juden" ansehen, um bei den vielen fremden Begriffen nicht komplett verloren zu sein. So vorbereitet, wird man einen armen Verlierer durch einige Tage seines Lebens begleiten und nachher froh sein, sich wieder angenehmeren Dingen zuwenden zu können.

Im Gegensatz zum Film machen die Extras richtig Laune. Ein Making-of, ein Interview mit dem Larry-Darsteller Michael Stuhlbarg, diverse Trailer und die B-Roll sind noch nichts Spektakuläres. Wirklich Spass machen die Featurettes. Das bereits erwähnte "Hebräisch für Nicht-Juden" erklärt die im Film verwendeten Ausdrücke. Weitere Features gewähren Einblicke, wie die Umgebung im Jahr 1967 kreiert wurde oder geben einige Informationen zur jüdischen Gemeinde.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.0

 

04.10.2010 / nwe

Community:

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