The Search - Xunzhao zhimei gengdeng (2009)

The Search - Xunzhao zhimei gengdeng (2009)

  1. 117 Minuten

Filmkritik: Tibet sucht den Superstar

Das Casting-Team. Nicht im Bild: Dieter Bohlen.
Das Casting-Team. Nicht im Bild: Dieter Bohlen. © Studio / Produzent

Es ist ein Casting der aufwändigen Sorte, welches ein Regisseur für sein neuestes Projekt betreibt. Anstatt Leute an einem Ort vorzuladen, lässt er sich mit einem Freund und einem Führer quer durch das tibetische Hochland fahren, um eine Hauptdarstellerin und einen Hauptdarsteller für die Inszenierung eines Stücks der Ache Lhamo-Volksoper zu finden.

Man nennt es auch Surround-Sound.
Man nennt es auch Surround-Sound. © Studio / Produzent

Die Suche verläuft vorerst erfolglos. Bald aber treffen die Männer auf eine geeignete Sängerin, die schon mal in diesem Stück aufgetreten ist. Nun wissen sie aber nicht, wie sie aussieht - sie weigert sich partout, ihr verschleiertes Gesicht zu zeigen. Damit nicht genug. Die Dame nimmt die Rolle der Prinzessin Mande Zangmo nur an, wenn ihr ehemaliger Stückpartner ebenfalls wiederum den Prinzen Drime Kunden spielen darf.

So macht sich das Team auf die Suche nach dem Schauspieler. Unterwegs ergeben sich dann weitere Vorsprechproben - und mit der Zeit wird nicht nur die Geschichte von Drime Kunden freigelegt, sondern auch die Lovestory des Freundes des Regisseurs, der sich vom Mädchen an seine erste Liebe erinnert fühlt.

The Search spielt nicht nur in Tibet, er handelt vom Tibet und von dessen traditioneller Kultur, von der der Regisseur Pema Tseden fürchtet, dass sie immer mehr verschwindet. Entgegenwirkend erzählt er deshalb in seinem Film von einer altwürdigen tibetischen Oper und packt in seine Weitwinkel-Bilder die unübersichtliche Landschaft des Landes. Während uns ihre Stimmen stets nahe am Ohr bleiben, sehen wir die Figuren zumeist in Zinnsoldatengrösse auf der Leinwand. Nur wenn sich die Handlung in einen kleinen Raum, etwa in ein Auto, verlagert, kann in die Gesichter geblickt werden.

Mit den weiträumigen Shots wollte Tseden die (Amateur-)Schauspieler, das Publikum und die Story zu einer Einheit vermengen. Dies ist der traditionellen tibetischen Malerei nachempfunden. Persönlich fiel es mir indes schwer, auf diese Weise eine Bindung zu den Protagonisten zu finden. Auch setzt der Film ein gewisses Interesse für die tibetische Kultur und einen Grundstock an Wissen über die neuzeitliche Geschichte des Landes voraus. Hier trennt sich die Zuschauerspreu vom Weizen.

Fällt beides weg, klammert man sich an die Liebesgeschichte, und zwar am ehesten an die des Freundes des Filmemachers, der während der Autofahrten von seinem ersten Mädchen erzählt. Der ganze Trip wird zur kollektiven Reflektion von Vergangenheit und Gegenwart - die jedes einzelnen wie auch die des Landes. Und wie dieser Freund von der ersten, aber erheblichen Enttäuschung seines Liebeslebens erzählt, ist rührend, weil sie nicht zu der klotzigen Erscheinung des Mannes passen will. Sicherlich dafür lohnt es sich schon, diesem Film Aufmerksamkeit zu schenken.

/ uas