Schwerkraft (2009)

Schwerkraft (2009)

Oder: Völlig losgelöst

Die Bankkrise macht mir echt zu schaffen...

Die Bankkrise macht mir echt zu schaffen...

Frederick (Fabian Hinrichs) ist Angestellter einer Bank, pflichtbewusst, loyal und mit solider Leistung. Als er einem Kunden einen negativen Kreditentscheid mitteilen muss, zieht dieser eine Pistole und erschiesst sich vor seinen Augen. Dies scheint Frederick aber nicht allzu sehr mitgenommen zu haben. Er verrichtet weiterhin seine Arbeit, als wäre nichts geschehen. Doch der Zwischenfall scheint seine kriminelle Energie geweckt zu haben.

Hallo, Sex, Tschüss?

Hallo, Sex, Tschüss?

Als Frederick versucht eine CD zu klauen, wird er von seinem alten Bandkollegen Vince (Jürgen Vogel) ertappt. Es wäre wohl bei dieser kurzen Begegnung geblieben, hätte Frederick nicht erfahren, dass Vince wegen Einbruch und Diebstahl im Gefängnis sass. Denn Frederick verbockt den Racheeinbruch bei seinem Chef und braucht deshalb die Hilfe von Vince. Und da man schon mal in der Wohnung des Bankdirektors ist, packen die beiden die Gelegenheit beim Schopf und räumen die Wohnung kurzerhand aus.

Frederick, der anfängt Gefallen an der anarchischen Macht der Kriminalität zu finden, und der in finanziellen Nöten steckende Vince werden ein Team. Doch je länger die beiden ans Werk gehen, umso mehr scheint Frederick den Boden unter den Füssen zu verlieren...


Film-Rating

Bei Schwerkraft handelt es sich um den ersten Langspielfilm des Regisseurs Maximilian Erlenwein, der auch das Drehbuch selber geschrieben hat. Zuvor hat Erlenwein bereits mehrere Kurz-, Dokumentar- und Konzertfilme gedreht. Entsprechend routiniert geht er in diesem Film auch ans Werk.

Gleich von Beginn weg wird dem Zuschauer klar gemacht: Hier wird mit harten Bandagen gekämpft. Die Gewalt und ihre anarchische Macht ist zentrales Thema. Es ist interessant zu sehen, wie aus dem ordentlichen und gewissenhaften Frederick ein wilder, ungestümer Kleinkrimineller wird, der immer mehr und mehr einer Sucht nach Gewalt verfällt. Fabian Hinrichs mimt sowohl den kontrollierten Banker als auch den unkontrollierten Einbrecher überzeugend, kommt allerdings nicht an Jürgen Vogel heran. Er ist geradezu ideal besetzt als stoisch ruhiger Ex-Knacki mit dem Wunsch nach einer eigenen Bar. Oder etwas weniger subtil ausgedrückt, mit dem Wunsch nach Selbständigkeit und mehr Freiraum.

Die Geschichte um die zwei (Möchtegern-)Ganoven ist spannend und rasant und wird genau so erzählt. Eine passende, treibende Musik, rasige Schnitte und pointierte Dialoge. Dennoch scheint der Film etwas zu vermissen. So erscheinen einem gewisse Szenen (Skinhead-Prüfung) zu unverständlich und die Reaktionen gewisser Figuren (Ex-Freundin im Café) zu willkürlich. Es ist zwar durchaus zu begrüssen, wenn ein Film den Zuschauern nicht alle Informationen einfach vor die Augen knallt, aber etwas mehr Fleisch am Knochen hätte hier nicht geschadet.

Schwerkraft ist ein gelungenes Debüt, wenn auch nicht alles daran perfekt ist. Die beiden Hauptdarsteller geben ein interessantes Team ab und entschuldigen auch die zum Teil etwas dünne Story. Zudem vermag der Film ganz klar auch auf visueller Ebene zu überzeugen.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

03.10.2009 / mab

Community:

Bewertung: 3.7 (9 Bewertungen)

 

 

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