Public Enemies (2009)

Public Enemies (2009)

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  2. 140 Minuten

Filmkritik: Wirtschaftskrise? Gibt's nicht, Puppe.

"Mach mein Mädchen ja nicht an, Alter..."
"Mach mein Mädchen ja nicht an, Alter..." © Universal Studios

Während Amerika in den 1930er Jahren unter der Wirtschaftskrise leidet, gibt sich John Dillinger (Johnny Depp) dem süssen Leben hin: Schnelle Autos, schöne Frauen und Luxus bestimmen seine Existenz. Wenn er nicht gerade im Knast sitzt oder vor der Polizei auf der Flucht ist. Denn Dillinger ist Bankräuber.

"Ich schiess‘ mir heute eine Eule"
"Ich schiess‘ mir heute eine Eule" © Universal Studios

Mit seinen Kumpanen raubt er eine Bank nach der anderen aus, hält die Polizei zum Narren. Verbrecher müssen nur über die Bundesstaatsgrenzen flüchten, um in Sicherheit zu sein. Dem möchte der Bureau of Investigation-Chef J. Edgar Hoover (Billy Crudup) Einhalt gebieten - zusammen mit Agent Melvin Purvis (Christian Bale). Purvis ist einer der besten, die das Bureau dem Verbrechen entgegenzusetzen hat, doch Dillinger ist ihm immer einen Schritt voraus. Der Ruf des gesamten Polizeisystems ist in Gefahr.

Dillinger selbst ist davon unbehelligt. Er lebt in den Tag hinein. Doch dann verliebt er sich Hals über Kopf in das Garderobenmädchen Billie (Marion Cotillard). Plötzlich ist ihm nicht mehr nur die eigene Sicherheit wichtig. Dillinger plant einen letzten grossen Coup, um sich und Billie den Ausstieg zu ermöglichen. Doch Hoover und Purvis planen, dem BI das "F" voranzusetzen, und dafür müssen sie Dillinger endlich kriegen.

Public Enemies ist bislang der beste und spannendste Film des Sommers. Doch leider ist diese Aussage reichlich relativ in Anbetracht des restlichen Hollywood-Sommerangebots. Der Film trumpft zunächst mit einer herausragenden Besetzung. Johnny Depp stellt wieder seine extreme Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Er hat eine starke Präsenz, die er mit Eleganz und perfekt getimten Emotionen paart. Seine Chemie mit Cotillard, Bale und allen anderen Darstellern ist bestechend. Wieso hat dieser unglaubliche Schauspieler noch keinen Oscar gewonnen? Mit Public Enemies könnte zumindest aber wieder eine Nominierung drin sein. Cotillard, die die begehrte Statuette bereits erhalten hat, zeigt in diesem Film eindrücklich, wieso sie sich Best Actress nennen darf. Ihr Spiel wirkt natürlich, leicht und steckt trotzdem voller Spannung und emotionaler Tiefe. Besonders in ihren vielen Close-Ups tritt ihr ganzes Können hervor. Die Nebenrollen sind kleine Juwelen. Stephen Dorff, David Wenham, Giovanni Ribisi und sogar "CSI: Miami"-Star Rory Cochrane geben sich die Ehre und bereichern den Film gewaltig. Christian Bale fällt leider aus diesem wunderbaren Rahmen heraus. Sicher, er hat den Akzent drauf und er funktioniert gut mit den anderen Schauspielern. Aber im Grunde genommen hat Bale genau einen Gesichtsausdruck: angespannt grimmig. Bale bietet nichts Neues, im Gegenteil, er verlässt sich einfach auf das, was er immer macht. Wer Terminator: Salvation gesehen hat, kennt Bale als Melvin Purvis schon. Dasselbe, aber ohne Bart.

Ein weiteres bitter-süsses Vergnügen ist die Kameraführung. Public Enemies besteht zu gut 70% aus Handkameraaufnahmen, die den Eindruck entstehen lassen, Regisseur Michael Mann wollte dem Film einen pseudo-dokumentarischen Touch geben. Diese Art Realismus zu erzeugen wäre aber nicht nötig gewesen, denn darum kümmert sich bereits die exzellente Tonspur. Das Krachen und Knattern der alten Waffen ist hyperrealistisch, durchdringend und zieht die Zuschauer direkt in das Geschehen hinein. Auch die Auswahl der Musik ist gekonnt. Die immer amateurhaft wirkende Handkamera lenkt davon eher ab. Andererseits spiegelt die Form hier auch den Inhalt wider: Sowohl Dillingers als auch Purvis‘ Welt gerät aus den Fugen. Insgesamt stört die Kameraführung das Sehvergnügen. Der Einsatz der Handkamera hätte, ohne der Visualisierung des Inhalts zu schaden, dezenter ausfallen können.

Insgesamt ist Public Enemies ein gelungener Film. Die Geschichte ist differenziert, vielschichtig und dennoch klar erzählt. Der Film hat Intelligenz, einen mitreissenden Rhythmus, gewaltige Schauspieler (bis auf Mr. Bale), herrliche Musik, fantastische Kostüme und vor allem eins: viel Herz. Als Zuschauer ist man immer ganz nah an den Figuren, man leidet, lacht und liebt mit ihnen. Für sommerliche Gewitterabende absolut empfehlenswert.

/ aru

Kommentare Total: 20

El Chupanebrey

Zitat Markus (2011-01-03 09:08:16)

Ich habe nach einer Stunde abgestellt. Der Film ödet mich richtig an. Sowas von langweilig. Klar sind die Kostüme klasse. Aber es fehlt einfach das gewisse etwas. Packend ist definitiv anders.

Da empfehle ich Dillinger. Definitiv packender. 😉

Markus

Ich habe nach einer Stunde abgestellt. Der Film ödet mich richtig an. Sowas von langweilig. Klar sind die Kostüme klasse. Aber es fehlt einfach das gewisse etwas. Packend ist definitiv anders.

Mal sehen, wann ich mir den rest noch ansehen werde...

El Chupanebrey

Gerade die Quasi-Vorlage von Public Enemies, Dillinger, gesehen. Wer mit Michael Manns Film Mühe hatte oder nicht vollends überzeugt war (wie ich), dem sei Dillinger sehr empfohlen. Spannender, brutaler, weniger verworren, keine Verklärung. Einfach ein besserer Film.

[Editiert von El Chupanebrey am 2010-12-31 00:50:12]

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