Prince of Tears - Lei wangzi (2009)

Prince of Tears - Lei wangzi (2009)

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  2. 122 Minuten

Filmkritik: Kommunisten spielen Handorgel

Schau mir in die Augen, Kleines.
Schau mir in die Augen, Kleines.

Taiwan in den Fünzigerjahren, zur Zeit des "Weissen Terrors": Militärpilot Sun Han-Sun (Joseph Chang) lebt glücklich mit seiner Frau Ping (Zhu Xuan) und den beiden Töchtern Li und Zhou in einem gemütlichen Haus. Ping ist eine leidenschaftliche Köchin, und Sun spielt gerne auf seiner Handorgel. Doch die Idylle ist von kurzer Dauer.

Eines Tages werden die beiden Mädchen von ihrem aufgebrachten Schulleiter aus der Klasse geholt und augenblicklich nach Hause geschickt. Ihre Eltern sind verhaftet worden, weil sie verdächtigt werden, im Auftrag der Kommunisten zu spionieren. Fortan kümmert sich Onkel Ding (Fan Chih-Wei) um die zwei Kinder, da sie sonst niemanden mehr haben. Doch sind die Eltern wirklich schuldig? Und wer hat sie verraten?

Younfans Erstling Prince Of Tears ist ein ruhiger, poetischer und intensiver Film. Obwohl der Titel an ein Märchen erinnert, ist die Story durchaus real: Die Personen und Erlebnisse aus der Geschichte beruhen zum grossen Teil auf Kindheitserinnerungen des Regisseurs. Das macht Prince Of Tears um so eindrücklicher.

Der Titel kommt von einem Kinderbuch, das im Film von den Mädchen gelesen wird. Das namensgebende Werk gab es allerdings nicht, es ist frei erfunden und wurde speziell für die Dreharbeiten kreiert. Dafür, dass das Buch nur zwischendurch erwähnt wird und somit keine zentrale Rolle spielt, ist die Namenswahl für den Film jedoch etwas fragwürdig.

Was den Cast angeht, sind die zwei Mädchen in den Hauptrollen grossartig und kommen sehr natürlich rüber. Vor allem die Darstellerin der älteren Tochter mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn berührt mit ihrer intensiven Darstellung. Auch die 21 Jahre junge Zhu Xuan, die in Prince Of Tears ihr Leinwanddebüt gibt, mimt die liebende und verzweifelte Mutter mit grosser Intensität.

Prince Of Tears trumpft mit farbigen und eindrücklichen Bildern auf. Jedoch scheint Younfan besonders an Slowmotion-Aufnahmen Spass zu haben. Dies geschieht zwar um bestimmte Bewegungen und Momente zu betonen. Wenn jedoch jedes Mal, wenn ein Streichholz gezündet wird, die Zeitlupe losgeht, nervt es nach dem zweiten Mal bereits tödlich. Ein bisschen mehr Kreativität diesbezüglich hätte nicht geschadet...

Kurz gesagt: Ein spannender Film über ein dunkles Kapitel in der Geschichte. Prince Of Tears wird wahrscheinlich kein Kassenschlager, ist aber auch für Geschichtsbanausen durchaus sehenswert.

/ faz