Le père de mes enfants (2009)

Der Vater meiner Kinder

Le père de mes enfants (2009) Der Vater meiner Kinder

Oder: Drehe nie mit Schweden!

Schaut, wie ich meine Augenbrauen hochziehen kann!

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Grégoire Canvel (Louis-Do de Lencquesaing) leitet die Produktionsfirma Moon Films, die finanziell schon bessere Zeiten gesehen hat. Gerade deshalb ist Grégoire doppelt bestrebt, seine noch anstehenden Produktionen durchzubringen und gleichzeitig auch seinen Filmkatalog vor den Gläubigern zu sichern. Dass er viel zu viel arbeitet und praktisch den ganzen Tag das Handy am Ohr hat, stört seine Frau Sylvia (Chiara Caselli) zwar, doch sie versteht seinen Antrieb, künstlerisch und gleichzeitig auch kommerziell erfolgreich sein zu wollen.

Gérard Depardieu hat 30 Kilo abgenommen...

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Trotz des stressigen Jobs versucht Grégoire so viel Zeit mit seinen drei Töchtern Billie, Valérie und Clémence zu verbringen, wenn er zu Hause ist oder die Familie das Wochenende im Landhaus fern der Hektik von Paris verbringt. Für Billie und Valérie ist Papa sowieso der Grösste, und so sind sie sogar dazu bereit, Kirchen und Ruinen zu besichtigen und von ihm über deren Geschichte aufgeklärt zu werden. Nur Teenager Clémence (Alice de Lencquesaing) bringt dafür nicht mehr so viel Zeit und Verständnis auf.

So willigt der gestresste Familienvater auf Druck seiner Frau auch für einen Italienurlaub ein, doch die Probleme mit der Firma werden immer grösser und die Verzögerungen am Set eines Filmes länger. Grégoire sieht keinen Ausweg mehr und handelt so, wie es niemand vorausgesehen hat.


Film-Rating

Französische Filme an Festivals sind meist nicht dafür bekannt, besonders leichte Kost zu sein. Auch bei Le père de mes enfants, dem zweiten Spielfilm von Mia Hansen-Løve, verhält es sich nicht anders. Erzählt wird die letztlich tragische Geschichte eines Mannes, der finanziell versagt und aufgrund seines persönlichen Ehrgeizes dieses Scheitern nicht erträgt. Mit dramatischen Konsequenzen.

Dieser Charakter wird vom eher unbekannten Schauspieler Louis-Do de Lencquesaing (Un couple parfait) verkörpert, der die innere Zerrissenheit seiner Figur und die Aufrechterhaltung der Fassade gegen aussen hin subtil vorträgt. Ruhig und engagiert versucht seine Figur zu retten, was zu retten ist, und nur kleine Gesten sind es, die die Spannung spürbar machen und das Drama andeuten. Unterstützt wird er dabei von Chiara Caselli (Sylvia) und Alice de Lencquesaing (Clémence), deren Schauspieltalent vor allem in der zweiten Hälfte entscheidender zur Geltung kommt. Auch die zwei Mädchen, die die Familie komplettieren, sind Wonneproppen, und es ist eine Freude, ihnen zuzusehen.

Hansen-Løve inszeniert die Geschichte ruhig und unaufgeregt und lässt selbst das Drama selbst eher nebensächlich aussehen. Dabei vergisst die Regisseurin manchmal das Tempo, so dass der Film dahinfliesst, ohne dass eine wirkliche Handlung auszumachen wäre. Erst ab Filmmitte verändert sich die Geschichte, und der Erzählrhythmus gewinnt an Fahrt. Da sich der Film jedoch nicht so ganz entscheiden kann, welche Figur ihm am wichtigsten ist, verzettelt sich die Geschichte zu stark.

Trotzdem hinterlässt Le père de mes enfants am Schluss einen bleibenden Eindruck. Wie das grosse Drama eine Familie zusammenschweisst und diese trotz vieler kleiner schmerzhafter Momente weiterzuleben versucht, ist trotz der Tragik aufbauend und ein letztlich hoffnungsvoller Gedanke.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

28.09.2009 / hut

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Bewertung: 4.6 (8 Bewertungen)

 

 

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