Pepperminta (2009)

Pepperminta (2009)

  1. ,
  2. 80 Minuten

Filmkritik: Pippi Langstrumpf auf LSD?

Everybody was Kung-Fu fighting...
Everybody was Kung-Fu fighting... © Studio / Produzent

Die kleine Pepperminta (Noëmi Leonhardt) lebt in ihrer eigenen farbenfrohen Welt: Sie liebt Erdbeeren und spielt mit ihrer Schnecke Ismael Pompon - jawohl sogar Schnecken haben Namen - und mag so gar nicht ins Bild passen. Wenn sie traurig ist, holt sie sich bei ihrer verstorbenen Grossmutter Rat. Diese sagt ihr immer, dass sie jeweils das machen solle, was sie sich nicht traue. Doch nachdem ihr erster Umsetzungsversuch scheitert, wagt Pepperminta nicht mehr, sich den Konformitäten entgegenzusetzen.

"Wo geht's zum Bahnhof, bitte?"
"Wo geht's zum Bahnhof, bitte?" © Studio / Produzent

Jahre später beschliesst Pepperminta (Ewelina Guzik) ihre Angst zu überwinden und macht sich auf die Suche nach Verbündeten, die ihr helfen sollen, den Menschen ihre Ängste zu nehmen, damit sie nicht alles so eng sehen. Schon nach kurzer Zeit trifft sie auf Werwen (Sven Pippig), einen liebenswerten und pummeligen Hypochonder. Unterwegs auf ihrer Mission begegnen sie Edna (Sabine Timoteo), die sich ihnen auch anschliesst. Gemeinsam machen die drei sich daran, die Menschen von ihren inneren Zwängen und Ängsten zu befreien.

Sehr farbig und schrill kommt Pipilotti Rists Erstling daher und ist in so mancher Hinsicht extrem: Extrem gewöhnungsbedürftig. Extrem provozierend. Extrem unappetitlich. Extrem interessant. Extrem schwierig zu beurteilen. Geschmackssache eben.

Rist ist eine der wichtigsten und gleichzeitig bekanntesten Schweizer Künstlerinnen. Sie hat für ihre bisherigen Werke bereits diverse Auszeichnungen eingeheimst, darunter der Joan Mirò Prize 2009. Ihre jüngste Installation konnte im New Yorker MoMA (Museum of Modern Art) begutachtet werden. Pepperminta ist ihr Versuch, auch Publikum ausserhalb der Kunstwelt zu erreichen.

Was als Erstes ins Auge sticht, sind die knalligen Farben, und dies nicht nur bei den Kostümen. Auch Peppermintas Wohnung wartet mit einer grossen Farbpalette auf, sowie mit speziellen und ebenso skurrilen Requisiten. So etwa ein Augapfel in einem aufklappbaren Silberapfel, der die verstorbene Grossmutter verkörpert. Die Augen spielen eine grosse Rolle. Denn genauso wie Pepperminta und ihre Verbündeten ihren Mitmenschen die Augen zu öffnen versuchen, so soll es auch auf den Zuschauer sichtöffnend wirken. Auch der Apfel als solcher und das Wasser tauchen immer wieder in der Handlung auf. Und ein schwergewichtiges, wiederkehrendes Thema ist die Weiblichkeit und deren Feier. Überhaupt werden einige Aussagen und Melodien mehrere Male wiederholt, was sich trotz einer eigentlich kurzen Spieldauer von 84 Minuten als langwierig erweisen kann.

Äusserst glücklich ist die Wahl der Darsteller ausgefallen. Ewelina Guzik, die die erwachsene Pepperminta mimt, hat bereits zuvor mit Rist gearbeitet. Sie geht in der Rolle der farbliebenden Anarchistin richtig auf. Aber besonders Werwen-Darsteller Sven Pippig gewinnt das Herz der Zuschauer bereits mit seinem ersten schüchternen aber liebevollen Lächeln.

Gemäss Rist ist Pepperminta eine erwachsene Version von Pippi Langstrumpf. So sind denn auch einige Parallelen zu finden. Pepperminta lebt in ihrer eigenen Welt und hebt sich von den Regeln der Gesellschaft ab. Es ist schön, wenn Filme herausfordern und zum Nachdenken über sich selbst und die Gesellschaft anregen. Dennoch werden einige Szenen aus Pepperminta bei einzelnen Kinobesuchern (absichtlich) Ärger oder gar Ekel hervorrufen. Fraglich bleibt nur, ob es in dem Masse wirklich nötig ist.

Kurz gesagt: Für Pipilotti-Rist-Fans wahrscheinlich ein Muss, für experimentierfreudige Zuschauer eine interessante Abwechslung zum gewöhnlichen Filmprogramm und für "Normalo-Kinogänger" wohl eher ungeeignet. Wer sich also schon beim Trailer nicht für diesen Farbrausch erwärmen kann, soll's lieber lassen.

/ faz

Kommentare Total: 2

dap

Pipilotti Rist ist eine meiner LieblingskünstlerInnen, aber nur als Installationskünstlerin. Dieser halbpatziger Film war eine grosse Enttäuschung für mich. Weder ein guter narrativer Film, noch ein guter Experimentalfilm. Vielleicht hätte die Pippi oder die Pipi selber mitspielen sollen. 😴

faz

Filmkritik: Pippi Langstrumpf auf LSD?

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Trailer Deutsch, 01:28