Metropia (2009)

Metropia (2009)

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  3. 86 Minuten

Filmkritik: Shampoo mit einer sehr speziellen Wirkung...

Hello Mr. Anderson...
Hello Mr. Anderson... © Studio / Produzent

Wir befinden uns in einer nicht allzu fernen Zukunft. Das einst so weltbewegende Erdöl ist schon lange Mangelwahre geworden und, den Menschen ist nichts anderes übrig geblieben, als ein gigantisches U-Bahn-Netzwerk zu bauen, das sich durch ganz Europa zieht und so das Reisen mit dem Auto unnötig macht. Der Gigantkonzern Trexx hat diese Entwicklung massgeblich mitgeprägt und sich in dieser Übergangszeit tief in der Gesellschaft etabliert. Inzwischen kontrolliert Trexx nicht nur das ganze U-Bahn-System, sondern auch die Medien, und nahezu jeder benutzt ihre Körperpflegeprodukte. Dadurch verfügt Trexx über schier grenzenlose Macht und kontrolliert nahezu jeden Aspekt des Lebens.

Die Matrix wartet auf Sie...
Die Matrix wartet auf Sie... © Studio / Produzent

Roger (Vincent Gallo) lebt in den Aussenbezirken von Stockholm und ist nicht wirklich begeistert vom Reisen mit der U-Bahn. Deshalb ist er immer mit dem Velo unterwegs, und auch sonst ist ihm eher suspekt, was um ihn alles geschieht. Er ist schon länger mit seiner Lebenssituation unzufrieden und will eigentlich nur noch aus dem Korsett ausbrechen, das ihm die Gesellschaft anlegt und ihn dazu zwingt, jeden Tag den gleichen öden Job zu erledigen. Als wäre das nicht schon schlimm genug, hört er auch noch regelmässig Stimmen in seinem Kopf, die ihm Anweisungen geben, was er zu tun soll und zu machen hat. Als er eines Tages, nachdem sein Velo zerstört wurde, doch wieder einmal die Metro nehmen muss, trifft er auf die wunderschöne Nina (Juliette Lewis). Wie verzaubert folgt er ihr und kommt durch sie Schritt für Schritt einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur...

Die Open-Air-Sektion des NIFFF ist immer wieder für Überraschungen gut und wanderte im Jahr 2010 beispielsweise mit Agora nicht nur in historische Gefilde ab, sondern wagt sich mit Metropia auch in die eher experimentelle Richtung. Der dritte Film von Regisseur Tarik Saleh arbeitet primär damit, dass er Fotos von Personen und Ortschaften zuerst entfremdet und dann animiert. Die Produktionszeit hat, nachdem das Script fertig war, insgesamt zwei Jahre gedauert und ist der erste Film seiner Art, welchen das Studio entwickelt hat.

Szenariomässig kombiniert Metropia die klassische Endzeitausgangslage, bei der das Erdöl versiegt ist, die Gesellschaft einen Kollaps durchlebt hat und sich die Übriggebliebenen regelrecht durch den Alltag quälen. Leider bleiben bei Metropia, trotz eines Einführungstextes und einiger sehr düsterer Bilder, viele Fragen offen. Die Gesellschaft, die Handlungsorte wie auch das Szenario wirken unfertig, da können auch die schönen düsteren Bilder nicht helfen. Zu oft fragt man sich, warum eigentlich alles so zerstört ist und was mit der gigantischen Verschwörung überhaupt erreicht werden soll. So kommt es zu einigen Parallelen zu anderen Filmen, doch im Gegensatz zum ähnlichen Repo! bliebt das Ganze zu halbgar und kann nicht wirklich überzeugen.

Leider ist das unfertig wirkende Szenario nicht das Letzte, was an Metropia stört. Durch die trägen Animationen kommt der Film nicht vom Fleck und benötigt Ewigkeiten, um wenig Geschichte zu erzählen. Dies kombiniert mit eher maulfaulen Figuren, welche es kaum übers Herz bringen, die Situation zu erklären, macht den Film zusätzlich zäh, und man kommt auch kaum in die Geschichte hinein. Die Animationen bleiben durch den ganzen Film äusserst gewöhnungsbedürftig und sind etwa gleich hölzern wie die von Team America - weshalb man sich auch kaum mit den beteiligten Personen anfreunden kann. Doch während Team America noch unterhaltsam war, hinterlässt Metropia auch eher enttäuscht, halbgar und eher unmotiviert.

Fazit: Metropia mag als Projekt für die Beteiligten mit dem kleinen Budget eine grosse Herausforderung gewesen sein und mit dieser Art von Animation sicher einige Hürden geboten haben. Doch leider kommt von dem Herzblut, was in das Projekt gesteckt wurde, nicht viel beim Publikum an. Die Handlung bleibt genau so trist wie die unterkühlten Bilder und die hölzernen Figuren. So bleibt man schliesslich mit vielen Warum-, Wieso- und Weshalb-Fragen zurück, die zwar Gesprächsstoff liefern, aber nicht wirklich begeistert zurücklassen.

/ db