Mary and Max (2009)

Mary & Max, oder - Schrumpfen Schafe, wenn es regnet

Mary and Max (2009) Mary & Max, oder - Schrumpfen Schafe, wenn es regnet

Oder: Ein Brief sagt mehr als tausend Worte

Schreibstau?

Schreibstau?

Die 8-jährige Mary (Stimme: Bethany Whitmore, Toni Collette) wächst am Stadtrand von Melbourne auf. Sie ist eine Aussenseiterin, die Kollegen hänseln sie wegen eines Muttermals auf der Stirn, und so sucht sie sich ihren Trost in Süssigkeiten. Ihre Neugier ist ausgeprägt, und sie will alles wissen. Beispielsweise, wo die Babys herkommen. Da sie weder von ihrer alkoholabhängigen Mutter (Stimme: Renée Geyer) noch vom ständig abwesenden Vater eine befriedigende Antwort erhält, nimmt sie ein Telefonbuch von New York zur Hand und pickt daraus einen beliebigen Namen. Den so ermittelten Adressat, Max Horowitz heisst er, löchert sie per Brief mit ihren Fragen.

Nicht doch!

Nicht doch!

Als Max (Stimme: Philip Seymour Hoffman) Marys Brief erhält, hat er zunächst einen mehrtägigen Nervenzusammenbruch. Denn der 44-Jährige leitet unter anderem an dem Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus, und hat Angst vor anderen Menschen. Auch er sucht Trost in Süssigkeiten und ist deswegen so dick, dass er kaum in seine Trainerhose passt. Doch nach dem ersten Schock schreibt er seiner unverhofften neuen Bekanntschaft zurück. Und so entwickelt sich zwischen den beiden Aussenseitern eine tiefe und schicksalhafte Freundschaft - ohne dass sie sich auch nur ein einziges Mal gesehen haben.


Film-Rating

Autismus, Fressucht, soziale Aussenseiter, Alkoholsucht, Einsamkeit, körperliche Behinderungen - was darf von einem Film erwartet werden, der solch mastigen Themen aufgreift? Klar, ein hochprozentiges Sozialdrama der Giftklasse Eins. Um so irritierender mag es dann zunächst scheinen, wenn das Gegenteil zutrifft. Allerdings ist dies im Fall von Mary und Max zumindest für den Eingeweihten gar nicht mal so erstaunlich, denn Regisseur Adam Elliot hat bereits 2003 in seinem oscarprämierten Kurzfilm Harvie Krumpet bewiesen, dass eine Geschichte über psychisch kranke Aussenseiter keinesfalls nur todtraurig sein muss.

Was der Mann aus Down Under mit Harvie Krumpet begonnen hat, führt er mit seinem ersten Langspielfilm nun zur Perfektion. Seine Handschrift ist unverkennbar, was sich beispielsweise im Zeichenstil und den Figuren mit den an Roboterantennen gemahnenden Ohren zeigt. Übrigens handelt es sich hierbei nicht etwa um Computeranimationen, sondern um reale Puppen, die eigens für den Film aus verschiedenen Materialien wie Ton, Metall oder Plastik hergestellt wurden. So wundert es auch nicht weiter, wenn man vernimmt, dass die Produktion von Mary and Max geschlagene fünf Jahre in Anspruch genommen hat.

Dass kein Tag dieser fünf Jahre vergeudete Zeit war, beweist das Endresultat. Elliots Film zeichnet sich durch einen phänomenalen Reichtum an kleinen, feinen Details aus, deren Vielzahl es nötig machen würde, ihn ein zweites oder drittes Mal zu schauen. Seien es Buchtitel, seien es gestalterische Details wie die behutsam gewählten Farbtupfer, seien es die ausgefeilten Charaktere der zahlreichen Nebenfiguren. Zu lachen gibt es viel, wobei der makaber angehauchte Galgenhumor nicht zu kurz kommt - sterben doch sowohl diverse Menschen als auch Tiere auf eine recht burschikose Art und Weise.

Elliots Film ist so ein äusserst kurzweiliges Vergnügen und schafft es trotzdem, seine Botschaften zu durchaus ernsten Themen an den Mann und die Frau zu bringen. Und dies wohlgemerkt, ohne jemals nur im Geringsten auf die Tränendrüse gedrückt, geschweige denn den moralinsauren Vorschlaghammer zu Nutze gezogen zu haben. Dies allein ist ein Kunststück, das nur den wenigsten Filmemachern so perfekt gelingt.

Mary and Max ist sowohl in der Idee als auch in der Machart vollauf gelungen. Die verstohlenen Tränen im Auge des Zuschauers am Ende rühren so nicht nur von der Rührung her, sondern auch von der einnehmenden Erkenntnis, eben einem kleinen filmischen Meisterwerk beigewohnt haben zu dürfen.


OutNow.CH:

Bewertung: 6.0

 

14.02.2009 / ebe

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