Maria, ihm schmeckt's nicht! (2009)

Maria, ihm schmeckt's nicht! (2009)

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  2. 96 Minuten

Filmkritik: "Ich heirate eine Familie" auf italienisch

"Hallo? Eine Pizza Prosciutto, bitte!"
"Hallo? Eine Pizza Prosciutto, bitte!" © Studio / Produzent

Jan (Christian Ulmen) und Sara (Mina Trader) wollen ihre Liebe sattelfest machen und endlich heiraten. Nur standesamtlich, im kleinen Rahmen. Leider hat Jan überhaupt nicht mit seinem zukünftigen Schwiegervater gerechnet: Antonio (Lino Banfi), einem Bilderbuchitaliener und ehemaliger Gastarbeiter, der es natürlich überhaupt nicht akzeptieren kann, nicht mit der ganzen Famiglia in Bella Italia zu heiraten.

Ein grosser "Crocodile Dundee"-Fan.
Ein grosser "Crocodile Dundee"-Fan. © Studio / Produzent

Ohne viel Gerede reist die ganze Sippe nach dem ersten Treffen beider Elternpaare in das kleine süditalienische Dorf Campobello, sehr zur Freude Antonios vielköpfiger Familie. Und was zuerst wie der Anfang einer wunderbar romantischen Geschichte beginnt, verwandelt sich kurzerhand in ein Fiasko aus deutsch-italienischen Sprachbarrieren, einem Haufen Meeresfrüchte und einem energiegeladenen Gefühlsgewitter, dem selbst die alten Mauern von Campobello unmöglich standhalten können. Schlussendlich wissen alle Beteiligten nicht mehr genau, ob diese Hochzeit ein Segen für die beiden Familien sein kann...

Jan Weilers Sammelband voller heiterer Geschichten erschien Ende 2003 und mauserte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem Besteller. Die autobiografisch angehauchten Anekdoten waren laut Weiler dank ihres Realismus zwar sehr amüsant, wiesen aber keinerlei dramaturgischen Strukturen auf. In Zusammenarbeit mit Autor Daniel Speck (Meine verrückte türkische Hochzeit) wurden diese dann mühsam eingepflügt. Das Resultat dieser Bemühungen ist nun der Film Maria, ihm schmeckt's nicht.

Ganz nach dem Motto "Am Anfang war das Wort" kann man sich vorstellen, dass ein Zusammenfügen von vielen witzigen Anekdoten und Geschichten zu einem 90-minütigen Spielfilm sehr schwierig ist - vor allem, wenn man die Leichtigkeit und den Witz erhalten muss. Da Bestseller sowieso ein rares Eigenleben haben, ist es kein Wunder, dass auch diese Geschichte verfilmt wurde. Am Anfang war zwar das Wort, aber wen interessiert das schon?

Aus diesem Grund beschleicht einem das Gefühl, dass man es hier keineswegs mit einer neuen Geschichte zu tun hat. Die Sprachbarrieren verschiedenster Nationen kennen wir bereits aus etlichen TV- und Filmgefässen. Das Thema "Ich will dich heiraten, aber dein Schwiegervater macht mir das Leben zur Hölle" ist schon fast antik und wurde mit Meet the Parents und Meet the Fockers bereits durch den Kakao gezogen. Der italienische Akzent, der in der ersten Minute witzig klingt und bereits beim zweiten Satz nur noch nervt, ist ebenfalls nicht neu. Überzeichnete Charaktere und mit den Händen gestikulierende Italiener heben die gelangweilten Augenbrauen eines Zuschauers auch nicht mehr.

Was bleibt denn noch übrig? Eine ganze Menge Durchschnitt. Vom Humor bis zum Plot greift man hier aus der allerseits beliebten Klischee-Schublade. Von Überraschung keine Spur. Selbst die schauspielerischen Leistungen bleiben auf einem beachtlich tiefen Niveau. Christian Ulmen konnte sich zwar nach diversen MTV-Shows ins Filmgeschäft schleichen, kann hier aber nicht wirklich überzeugen. Auch Mina Trader trägt viel zu wenig zum Plot bei. Bei beiden ist nicht ganz klar, ob sie es schlichtwegs nicht können oder ob sich die oberflächlichen Charaktere auf das "seichte" Drehbuch zurückführen lassen. So doof es auch klingt, aber Lino Banfi hat als Babo trotz totaler Überzeichnung und Klischee am meisten Charme. In einer Nebenrolle als Antonios junges Alter Ego ist übrigens auch die Schweizer Fraktion mit Leonardo Nigro (Tag & Nacht) anwesend.

Lassen wir das Menü Revue passieren: Maria, ihm schmeckt's nicht ist nicht unbedingt zu vergleichen mit einer vielseitig belegten Pizza. Es reicht auch nicht für Pasta all'arabbiata. Dem Film ist leider jeglicher Pepp fremd und so bringt er es höchstens zu aufgewärmten Nudeln, die man zwar isst aber bereits kennt. Basta.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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Kommentare Total: 2

Napkins

Schade, ich habe die Bücher von Jan Weiler gelesen und habe mich eigentlich schon total gefreut auf den Film, aber der Trailer lässt schon darauf schliessen, dass man keine gute Buchverfilmung geboten bekommt. Wer hat sich als den Jan einen Ulmen vorgestellt? Wahrscheinlich keiner! Totale Fehlbesetzung!!

[Editiert von Napkins am 2009-08-04 23:35:52]

[Editiert von Napkins am 2009-08-10 17:52:00]

woc

Filmkritik: "Ich heirate eine Familie" auf italienisch

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