Männerherzen (2009)

Männerherzen (2009)

  1. 107 Minuten

Filmkritik: Probleme mit dem Erwachsenwerden

Alles fit?
Alles fit? © Warner Bros. Ent.

Fünf Muskelstemmer besuchen dasselbe Berliner Fitnessstudio. Auf den ersten Blick haben sie nichts gemeinsam. Schaut man genauer hin, klappt es bei allen fünf mit dem anderen Geschlecht nicht richtig. Meerschweinchenbesitzer Günther (Christian Ulmen) scheitert beim Internet-Dating. Der Musik produzierende Kotzbrocken Jerome (Til Schweiger) vernascht eine nach der anderen. Den soliden Werber Niklas (Florian David Fitz) graut es vor dem baldigen Eheleben mit seiner Gymi-Liebe. Die Freundin vom Dauerpraktikant Philipp (Maxim Mehmet) wurde überraschend schwanger. Und der S-Bahn-Chauffeur Roland (Wotan Wilke Möhring) brüskiert mit seinen Aggressionen die Noch-Ehefrau (Nadja Uhl).

Der moderne Mann zeigt Gefühle.
Der moderne Mann zeigt Gefühle. © Warner Bros. Ent.

Jeder versucht trotzdem im Leben klarzukommen. Der scheue Günther verguckt sich in eine Kassierin im Zoogrosshandel. Bohlen-Verschnitt Jerome freundet sich mit einem Schlagersänger (Justus von Dohnányi) an. Niklas hilft einer bildhübschen Fitnessinstruktorin bei ihrer Schauspielkarriere weiter. Phillipp will die eigene Bioburger-Bude eröffnen. Und Roland hilft dem Vater im Altersheim. Bei den Frauen finden all diese Bemühungen vorerst keinen Anklang...

Regisseur und Schauspieler Simon Verhoeven (Nicht verwandt mit Paul! Dafür der Sohn von Senta Berger) hat mit einer ganzen Reihe von Männern geredet, um die Schicksale für seinen Episodenfilm herauszudestillieren. Der Typus Mann in all seinen Facetten bevölkert nun auch Männerherzen. Vom käsigbleichen Christian Ulmen bis zum braungebrannten Til Schweiger, um die bekanntesten Darsteller zu nennen. Die zwei sitzen im Film mehrmals in der Sauna. Ihre unterschiedlichen Hauttöne kontrastieren dabei genauso wie ihre Herangehensweise an Frauen. Im Grunde haben aber sowohl die beiden wie auch die restlichen drei Männer nur Probleme mit dem Erwachsenwerden.

In der Tat scheuen sich gewisse Männer im 21. Jahrhundert vor den grossen Verantwortungen, die das Leben im mündigen Alter so mit sich bringt. Beim Lesen der Bücher von Nick Hornby (High Fidelity) ist man beispielsweise peinlich berührt über diese Tatsache. Judd Apatow (Knocked Up) macht daraus witzige Komödien. Wie so oft, wenn die Deutschen bei den Angelsachsen kopieren, geht etwas schief. In Männerherzen erkennt man sich als Mann zwar auch in der einen oder anderen Szene wieder, so richtig lachen muss man aber nur bei Justus von Dohnányi. Der ist als durchgeknallter Schlagersänger der komödiantische Lichtblick des Films. Besonders schlimm ist die Zelebration des Spiessertums, mit der alle Figuren ihrem Dilemma entkommen. Die ausgeleierte Pludderhose der Dauerfreundin ist am Ende halt doch das höchste der Gefühle.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 4

crs

DVD-Review: Männer sind auch nur Menschen

V8 Power

Meine Meinung: Was habe ich nun da gesehen?? Das beschäftigte mich die ganze Zeit... klar, mit den Typen hat man die gängigsten Männertypen von der Strasse und genug Identifikationspotential.

Leider... ist es nun ernsthaft? Witzig? Die Szenen vom aggressiven Mann, der seinen Vater verliert... diese Szenen waren traurig und rührend.

Witzig war natürlich der "Star", um den es bei Til Schweigers Story ging...

doch... gehören nun alle zusammen? Für mich zuviele Handlungsstränge, die wenig miteinander zu tun hatten und für mich... nun ja... ne... einfach nicht.

muri

Ein Film, der sich IMO nicht entscheiden kann, ob er jetzt dem Pfad der "normalen" Komödie über sympathische Verlierer mit Gewissensbissen folgen soll und mischt immer wieder scheinbar unnötige Szenen ein, welche die Dramatik verschärfen sollen und den Film weg von der lustigen Art bringen.

Das Teil funktioniert mit der Auswahl der Charaktere wunderbar. Ein Frauenheld, ein paar Verlierer, ein Psycho-Ehemann und Christian Ulmen, der sich praktisch in jeder seiner Szenen zu behaupten weiss. Dazu ein schnulziger Sänger ("ich hab dich lieb"), der für Witz sorgt und Bastian Pastewka als lustige Plakatfigur.

IMO hätte man besser eine reine Komödie draus gemacht. Hätte mehr Spass in den Kinosaal gebracht.... So passt einiges nicht rein und der Film verspielt eine höhere Wertung mit diesen Einschüben, die unnütz und schon fast ärgerlich sind.

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