Lourdes (2009)

Lourdes (2009)

Oder: Verdienen Ungläubige eine wundersame Heilung?

Lösch aus, mein Licht...

Lösch aus, mein Licht...

Christine (Sylvie Testud) leidet an Multipler Sklerose und kann bis auf ihren Kopf nichts bewegen. Um trotz ihres Lebens im Rollstuhl der Einsamkeit zu entkommen, geht sie gerne auf Ausflüge. Dieses Mal hat sie sich für eine Reise an den Pilgerort Lourdes entschieden mit einer Gruppe von älteren Menschen und körperlich Behinderten. Mit leichtem Neid beobachtet sie ihre Betreuerin Maria (Léa Seydoux), die jung und gesund ist und, im Gegensatz zu ihr, ihr Leben zu geniessen scheint.

Als Christine eines Morgens erwacht, scheint sie durch ein Wunder geheilt zu sein, denn sie kann sich wieder bewegen. Alle Mitreisenden und Betreuer sind über die Genesung überrascht, zumal Christine keine gläubige Person ist. Auch Kuno (Bruno Todeschini), ein Volontär des Malteserordens, hat ihre Heilung bemerkt und beginnt sich für sie zu interessieren. Doch ist Christine wirklich geheilt?


Film-Rating

Wenn man den Titel Lourdes liest, denkt man sogleich an den Pilgerort in den Pyrenäen, der von Kranken und Sterbenden aufgesucht wird, als letzte Hoffnung auf Rettung. Dass man nun einen religiösen Schunken erwartet, ist daher verständlich.

Doch Jessica Hausner (Hotel), die Regie geführt und auch das Drehbuch geschrieben hat, beschäftigt sich in Lourdes zwar mit einem Wunder, stellt aber zugleich die Frage in den Raum, inwiefern es sich um eines handelt oder eben nicht. Sie hinterfragt, ob Wunder von Gott oder einer höheren Macht herbeigeführt werden oder ob die Macht der Gedanken zur Selbstheilung führt. Schön ist, dass dies am Ende des Films offen bleibt und Hausner nicht versucht, eine Antwort zu liefern. Sie zieht Gläubige (hier im Speziellen die Katholiken) nicht durch den Kakao, sondern zeigt, dass auch sie nur Menschen sind und nicht frei sind von Missgunst und Gleichgültigkeit anderen gegenüber.

Wie die österreichische Regisseurin in einem Interview erklärt, sei der Part der Hauptfigur Christine von einigen Schauspielerinnen abgelehnt worden, da sie der Ansicht waren, die Rolle sei nicht sexy genug und könne ihren Karrieren schaden. Schliesslich konnte sie Sylvie Testud (Jenseits der Stille) verpflichten, die sich intensiv auf die Rolle vorbereitet hat und eine ansehliche Performance hinlegt.

Der Film besteht aus vielen Grosseinstellungen, ausser in Szenen, in denen Bewegung herrscht. So sind eindrückliche Bilder vom abendlichen Fackelumzug oder der Eintritt in die Bäder zu sehen. Ansonsten ist Lourdes ein sehr ruhiger Film, der ohne musikalischen Hintergrund auskommt. Man muss ihm allerdings Zeit lassen, damit er seine Geschichte erzählen kann.

Kurz gesagt: Lourdes ist ein Film für Personen, die sich auf einen kritischen Blick auf Wunder und Heilungen einlassen wollen. Ein ehrliches Werk, das ganz ohne Spezialeffekte auskommt. Wer sich gerne mit dem Thema beschäftigt, ist hier im richtigen Film.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

07.09.2009 / faz

Community:

Bewertung: 4.1 (8 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

3 Kommentare