Dogtooth - Kynodontas (2009)

Dogtooth - Kynodontas (2009)

  1. 94 Minuten

Blu-ray-Review: Mama, ich habe einen Zombie gefunden!

Who let the Dog out?
Who let the Dog out? © Studio / Produzent

Verlassen auf dem Lande irgendwo auf dieser Welt lebt eine Familie mit drei Kindern. Die pubertierenden Jugendlichen werden von der Aussenwelt abgeschottet und mit strenger Disziplin erzogen. Völlig ahnungslos leben die Kinder in den Tag hinein und lösen die Aufgaben ihrer Eltern, um am Ende der Woche bewertet zu werden. Gelangweilt und emotionslos überbrücken sie ihre Zeit mit kranken Spielen. Der Vater hält seine Familie unter Dach und Fach. Er arbeitet und sorgt dafür, dass keines seiner Kinder in die böse Welt hinaus geht.

Sweet Home Alabama *sing*
Sweet Home Alabama *sing* © Studio / Produzent

Die Eltern diktieren den Kindern alltägliche Begriffe mit einer völlig neuen Bedeutung und geben an, dass es draussen sehr gefährlich ist. Da der Sohn langsam sexuell aktiv wird, engagiert der Vater Christina, eine Angestellte, die dem Sohnemann für Geld den Druck ablässt. Die junge Frau erscheint den eingesperrten Geschwistern als überaus interessant, da sie von draussen kommt. Immer wieder versuchen sie, ihr nahe zu sein oder sie für sich zu gewinnen. Die Neugier wächst und der Drang, das Haus zu verlassen ist kaum auszuhalten.

Der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos ist bei uns völlig unbekannt. Seit der Oscar-Nomination für Dogtooth in der Sparte Bester nicht-englischsprachiger Film, hat sich auch nicht viel am Bekanntheitsgrad des Regisseurs getan. Der Film aber sorgte für Aufsehen und schaffte es immerhin in unsere Läden. In Cannes, wo man das griechische Familiendrama mit dem Certain-Regard-Hauptpreis ausgezeichnet hatte, wurde das sperrige Werk in den Himmel gelobt und auch sonst wird Dogtooth nur Gutes nachgepfiffen. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass es sich um eine bitterböse Geschichte handelt, die noch tagelang im Kopf hängenbleibt. Zum anderen ist der Film ein gefundenes Fressen für Cannes und Co. Denn mit den etlichen politischen Seitenhieben und den kühlen, emotionlosen Filmszenen ist er Ottonormalverbrauchern zu gewagt und uninteressant. Für Filmkritiker dagegen ein willkommenes Geschenk, sich wieder einmal selber beweisen zu können, wie sehr man sich mit dem Thema Film identifizieren kann.

Schauspielerisch sind vor allem die drei Jugendlichen (Aggeliki Papoulia, Mary Tsoni, Hristos Passalis) hervorzuheben. Ihre zurückhaltende Art, alles interessant zu finden, aber nichts Interessantes zu dürfen, wird grandios in Szene gesetzt. Trotz sehr vielen ruhigen und beinahe sterilen Bildern gelingt es den Dreien vorzüglich, überhaupt Intensität aufzubauen. Ansonsten liegt das Problem an der stetigen Emotionslosigkeit, die zwar vollumfänglich in den Film gehört, aber leider auch das Konzept ausbremst. So kommt Dogtooth nie richtig in Fahrt, was sich bis zum belanglosen Schluss hinzieht. Jedem Zuschauer wird relativ schnell klar, wohin sich die Story bewegt und wie der Film ausgehen muss. So hält sich auch der Überraschungseffekt in Grenzen. Trotzdem ergibt sich gerade dieser Weg als echte Tortur. Kranke Spiele, kalte Sexszenen und grobe Erziehungsmethoden sorgen für rote Köpfe.

Fazit: Dogtooth ist kein leichter Film. Ruhig, dickfellig und trist. Trotzdem ist Giorgos Lanthimos' Werk in keinster Weise traurig. Erbarmungslos wird Autorität mit Faschismus und Diktaturismus in die selbe Waagschale gelegt. Leider erzählt Dogtooth aber auch viel Interessantes zu emotionslos und provokativ, sodass der Film für Filmkenner zwar funktioniert, aber andere, ebenso wichtige Zuschauer daran vorbeigucken.

Das Cover der Blu-ray-Störkanal-Edition ist eine Augenweide. Dieser Punkt ist aber auch grad das Einzige, was man an der Edition hervorheben kann. Nebst ein paar unnötigen Trailern fehlt das Bonusmaterial komplett, das Bild ist für einen so neuen Film eine Zumutung und meilenweit von einer Standard-Blu-ray entfernt. Den Farben fehlt der Kontrast, die Bilder wirken blass und in dunklen Stellen flackert es. Der Ton ist solid. Da es aber auch keine wirkliche Filmmusik gibt, ist das nicht besonders schwierig. Die deutsche Synchro ist ebenfalls in Ordnung.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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