Julie & Julia (2009)

Julie & Julia (2009)

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  2. 123 Minuten

Filmkritik: Bon appétit!

Kochen macht glücklich
Kochen macht glücklich

Nur noch wenige Wochen vergehen, bis die unscheinbare Julie (Amy Adams) 30 Jahre alt wird. Doch als Sachbearbeiterin, die für Schadensfälle der 9/11-Anschläge zuständig ist, gerät sie in eine Lebens- und Sinnkrise. Und dann zieht sie ihrem Mann Eric (Chris Messina) zuliebe auch noch nach Queens! Direkt über eine Pizzeria! Nur das allabendliche Kochen lenkt sie ab und bereitet ihr Freude.

Da beschliesst sie aus einer Laune heraus, sämtliche Rezepte aus dem Kochbuchklassiker "Mastering the Art of French Cooking" von Julia Child (Meryl Streep) innerhalb eines Jahres nachzukochen und darüber einen Blog zu schreiben.

"Sind die aber auch wirklich ganz frisch?!"
"Sind die aber auch wirklich ganz frisch?!"

Diese hatte während ihres mehrjährigen Aufenthalts in Paris mit ihrem Mann Paul (Stanley Tucci) in der berühmten Kochschule "Cordon bleu" trotz Widerstand seitens arrivierter (männlicher) Köche die Französische Küche erlernt. Daraus hat sie in mehrjähriger Arbeit ein 1000-Seiten Kochbuch zusammengestellt und damit das Essverhalten der Amerikaner dauerhaft geprägt.

40 Jahre später also beschliesst die von Julia faszinierte Julie, zum ersten Mal in ihrem Leben etwas durchzuziehen und erfolgreich zu beenden. Doch nicht nur die 524 Rezepte müssen gekocht, sondern auch die eigene Unsicherheit überwunden werden.

Julia Child ist in Amerika eine Ikone. Ihre Küche ist sogar im Smithsonian National Museum of Modern History in Washington ausgestellt! Sie veränderte das Koch- und Essverhalten der Amerikaner grundlegend und brachte ihnen per Kochbuch und TV-Show die Französische Küche in die eigenen vier Wände. Julie & Julia ist deshalb auch keine reine Biographie dieser Powerfrau, obwohl es sicherlich genug Stoff hergegeben hätte. Child setzte sich gegen die Traditionen des männlichen Küchenchefs ebenso durch, wie sie auch als Vorreiterin der Emanzipationsbewegung gelten kann.

Jedoch stellt Regisseurin Nora Ephron (Sleepless in Seattle) ihren immer noch währenden Einfluss auf die Küchenkultur in den Fokus. Deshalb ist Julie & Julia in erster Linie das verfilmte Buch der realen Julie Powell und reflektiert ihr Streben nach denselben Idealen, die Julia Child ausgemacht haben. Ihren Perfektionismus, ihre Liebe für ihren Mann, das Selbstvertrauen und die Durchhaltefähigkeit, mit der Child ihr Projekt verfolgt hat.

Damit liefert Ephron zwei der momentan stärksten Schauspielerinnen eine ideale Plattform, um in ihren Rollen aufzugehen. Streep ist wie immer eine Wucht und spielt die aufbrausende und burschikose Child mit voller Inbrunst. Amy Adams (Enchanted, Doubt) verleiht ihrer Figur eine bezaubernde Unsicherheit, die einem auch über die etwas eintönigen Szenen der Julie-Episode hinwegsehen lässt.

Nicht zu vergessen ist natürlich der dritte Hauptdarsteller des Filmes: Essen, wohin das Auge reicht! Ephron filmt aber nicht einfach eine Kochsendung ab - sie blendet geschickt die TV-Karriere von Child aus, nur um clever einzelne Ausschnitte in der Julie-Episode zu präsentieren -, sondern zelebriert das Festmahl, indem sie die Zubereitung einzelner Gerichte als Hürden für Julie aufbaut und sie somit doch irgendwie mit Julia in Verbindung treten kann.

Diese "based on two true stories"-Geschichte erweist sich so als ideale Art, um Julie & Julia zu einem luftig-leichten Filmmahl zu machen, das nicht schwer aufliegt, sondern mundet bis zum (etwas späten) Abgang. Bon appétit!

/ hut

Kommentare Total: 4

VesperLynd89

Der Film, der neben wunderschönen Locations auch die schönsten Bilder vom wahrscheinlich ungesundesten Essen zeigt, macht definitiv Lust aufs Kochen. Allerdings wurde in diesem Film auch versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu fangen. Erstens Verfilmung von Julia Childs Leben und Verfilmung von Julie Powell's Onlineblog über das Kochen von Julia Childs Rezepten. Besonders Meryl Streep (von der ich inzwischen schon nichts mehr anderes erwarte) und Stanley Tucci überzeugen sehr. Die Liebesbeziehung zwischen Julie und ihrem Mann geht da komplett unter. Regisseurin Nora Ephron hat versucht, den Spagat zwischen Liebeskomödie und Biografie unter einen Hut zu kriegen, was ihr nicht wirklich gelingt.

Eine Frage bleibt am Ende noch offen:

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Warum hasst Julia Child den Onlineblog? Das wird für meine Begriffe nicht ausreichend erklärt.

Für alle Interessierten: Der Originalblog von Julie Powell: http://blogs.salon.com/0001399/2002/08/25.html

pb

Köstlich. und zwar kulinarisch als auch filmisch! Toll gespielt, wunderbare Dialoge, ein herrlicher Streep-Akzent (die eh wunderbar spielt) und eine hübsche Liebesgeschichte dazu. Habe mich sehr amüsiert.

tam

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