Desert Flower (2009)

Desert Flower (2009)

Wüstenblume
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  3. 120 Minuten

Filmkritik: Der Tag, der mein Leben veränderte

Kindheitstage
Kindheitstage © Studio / Produzent

Mit 18 Jahren wird die Somalierin Waris Dirie (Liya Kebede) in einem Londoner Fastfood-Restaurant vom Starfotografen Terry Donaldson entdeckt. Innerhalb kürzester Zeit wird sie zu einem gefragten Topmodel in der internationalen Modewelt. Trotz Luxus und Erfolg bleibt die junge Frau bodenständig und erinnert sich stets an ihre afrikanischen Wurzeln.

Erste Probeaufnahmen
Erste Probeaufnahmen © Studio / Produzent

Als Kind wuchs Dirie in einfachsten Verhältnissen in der afrikanischen Wüste auf. Im Alter von drei Jahren fiel sie der brutalen Tradition der Frauenbeschneidung zum Opfer, welche ihr Leben gravierend verändert hat. Mit 13 Jahren flüchtet sie vor einer Zwangsheirat nach Mogadischu, wo sie bei der Familie der Mutter Schutz findet. Diese verschafft ihr eine Anstellung in der somalischen Botschaft in London. Einige Jahre später droht ihr die Abschiebung in die Heimat. Dirie taucht unter, lebt auf der Strasse und lernt zufällig die Lebenskünstlerin Marilyn (Sally Hawkins) kennen. Mit ihrer Hilfe gelingt ihr der Start in ein neues Leben.

In einem Interview mit der Marie Claire schildert sie ihre schwere Kindheit und macht das Thema Beschneidung der Öffentlichkeit zugänglich.

Basierend auf der gleichnamigen Autobiographie des Topmodels Waris Dirie bringt Regisseurin Sherry Horman ein modernes Märchen auf die Leinwand. Die erstaunliche Geschichte weckt zunächst grosses Interesse, leidet jedoch an der holprigen Umsetzung.

Statt einem roten Faden zu folgen und die Geschichte linear anhand ihrer Stationen zu erzählen, springt sie in den Zeitebenen hin und her und wird dadurch unnötig lang. Der Fokus der Erzählung liegt dabei zunächst auf der Entdeckung Diries durch den Fotografen und dem langsamen Beginn ihrer Karriere, zeigt die Freundschaft zu Marilyn und die langsame Gewöhnung an das westliche Leben. Dabei gibt es einige humorvolle Elemente, und es macht durchaus Spass, Dirie bei der Entdeckung der Welt zuzuschauen. Immer wieder werden jedoch anhand von kurzen Rückblenden die Kindheit des Mädchens sowie ihre Flucht aus Somalia geschildert. Das ist zwar hilfreich, um Gefühle und Eigenarten der Person zu erklären, stört jedoch den Erzählfluss und legt den Fokus immer wieder in eine andere Richtung.

Die vielen Schwerpunkte, die Horman unterzubringen versucht, machen es den Zuschauern nicht leicht, der Geschichte mit voller Konzentration zu folgen. Wichtig wäre es gewesen, auch einige Aspekte aus Diries Leben auszuklammern oder nur kurz anzudeuten. Z.B. wäre es völlig ausreichend gewesen, ihren Erfolg in der internationalen Modewelt anhand von Coverbildern und Castings zu erzählen, ohne immer wieder Auftritte auf den Laufstegen einzubinden.

Letztendlich läuft die Geschichte auf das Interview mit der Zeitschrift Marie Claire hinaus, bei dem die Beschneidung zur Sprache kommt, die Diries Leben langanhaltend beeinflusst hat. Damit wird ein Tabu zum Thema gemacht, die Weltöffentlichkeit aufgerüttelt und ein Verbot des Rituals eingeführt. Als Zuschauer weiss man von Anfang an, wohin die Geschichte führen wird. Umso bedauerlicher ist es, dass der wichtigste Aspekt des Films erst zum Ende kommt. Für die Dramaturgie wäre es besser gewesen, hiermit zu beginnen und dann den steinigen Weg dahin zu erzählen.

Desert Flower zeigt eine erschütternde Geschichte, die Mitgefühl und Unglauben hervorruft. In dem Model Liya Kebede, welche die Hauptrolle spielt, findet sich eine glaubwürdige Darstellerin. Unterstützt wird sie von der quirligen Darstellung Marilyns durch Sally Hawkins, die dem traurigen Thema oft dessen Härte nimmt. Eine konsequentere Umsetzung mit gezielten Schwerpunkten ohne die zahlreichen Rückblicke, die den Erzählfluss stören, wäre dem Film jedoch dienlich gewesen.

/ jst